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Ausstellung in Frankfurt Koons - erst Porno, dann Papi


Ist Jeff Koons ein guter Künstler? Ein Kitschier? Oder einfach nur ein cleveres Finanzgenie? Zwei Frankfurter Museen geben dem teuersten und womöglich umstrittensten Künstler der Welt die Ehre.
Von Anja Lösel

Schaurig-schöne Glitzer-Pudel, silberne Playboyhäschen, stählerne Riesen-Schwäne: Wer die Skulturen des US-Künstlers Jeff Koons sieht, ist erst mal beeindruckt - einfach weil so groß sind und so perfekt. Klar, die Kunst von Jeff Koons ist bunt und ziemlich kitschig. Aber sie macht was her. Und das Ganze könnte ja auch ironisch gemeint sein. Sammler lieben so was. Deshalb brachte eine seiner riesigen pinkfarbenen Ballonblumen auf einer Auktion 25,8 Millionen Dollar - Höchstpreis für das Werk eines lebenden Künstlers.

Warum ist ausgerechnet dieser Mann so supererfolgreich?

Porno, geschnitzt

Jeff Koons ist 57 Jahre alt, sieht aber immer noch aus wie ein großer Junge: strahlend, gut gelaunt und von dieser unverbindlichen Freundlichkeit, wie US-Amerikaner sie oft an sich haben. Er redet mit jedem, geduldig, nett und doch immer ein wenig distanziert. Sechs Jahre lang arbeitete Koons als Broker an der Börse, bevor er sich ganz der Kunst widmete. Wie man aus Geld noch mehr Geld macht, lernte er früh.

Angefangen hat alles mit Staubsaugern und schwebenden Basketbällen, die Koons erfolgreich an Museen verkaufte. So richtig erfolgreich wurde er allerdings erst, als Cicciolina in sein Leben trat. Das italienisch-ungarische Porno-Sternchen, platinblond und freizügig, zeigte dem braven US-Boy, was man gemeinsam so alles machen kann. "Made in Heaven" hieß die Foto- und Skulpturen-Serie, die beide berühmt machte. Höhepunkt der Zusammenarbeit: überlebensgroße Skulpturen, die Koons bei Oberammergauer Herrgottschnitzern anfertigen und bunt bemalen ließ. Sie zeigen Cicciolina in Reizwäsche, Jeff ganz ohne und offensichtlich mit Freude bei der Sache. Das Publikum war entzückt, die Sammler kauften.

Kinderspielzeug, tonnenschwer

Zwanzig Jahre ist das nun her. Inzwischen ist Koons ein braver Familienvater geworden, mit seiner Frau Justine und den vier Söhnen Sean, Kurt, Blake und Eric lebt er in einem New Yorker Backsteinhaus. Er produziert keine Porno-Kunst mehr, sondern riesig aufgeblasenes Kinderspielzeug, bunt wie Christbaumschmuck und groß und schwer wie Lastwagen.

Und nun ja, eigentlich produziert Koons diese polierten Edelstahlskulpturen gar nicht, er lässt machen. Rund hundert Angestellte arbeiten für ihn und sorgen dafür, dass seine stählernen Herzen und Luftballons makellos aus der Werkstatt kommen, ohne die kleinste Schramme oder Beule.

Seine Leute bauen auch Gemälde aus bunten Versatzstücken für ihn zusammen: Werbung, Fotos antiker Kunstwerke, Tiere, schöne Frauen, die alle ein wenig an Cicciolina erinnern. Jeff Koons korrigiert, ändert und nickt dann nur noch ab. Eine sehr, sehr erfolgreiche Kunstfabrik.

Nachruhm, gesichert

In Frankfurt darf Jeff Koons jetzt seine Werke in gleich zwei Museen ausstellen (bis 23. September): seine Bilder in der Schirn, seine Skulpturen im ehrwürdigen Liebighaus, neben Renaissance-Künstlern wie Tilman Riemenschneider. Das wird die Preise noch weiter in die Höhe treiben - und den Nachruhm sichern.

"Man muss im Leben nicht intelligent sein. Cleverness genügt", hat Jeff Koons mal gesagt. Das war Anfang der Neunziger, als er gerade zum Sprung in die große Karriere ansetzte. Nun ist es geschafft. Extrem clever.


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