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Kosmetiktrends: Ein Tusch für die Tusche

Seit Jahrzehnten prägt das Modehaus Chanel auch Kosmetiktrends. Der neue Schminkchef Peter Philips will eine neue Ära einläuten - mit den Tönen Silber und Gold.

Von Jina Khayyer

Alles, was Peter Philips macht, geschieht aus Leidenschaft. Sagt er. Wie zum Beweis führt der neue Kreativdirektor von Chanel Beauty seine erste Make-up-Serie in Paris auch am liebsten selbst vor. Er erklärt, dass Tausende Goldpartikel in dem Nagellack enthalten sind, die einem das Gefühl geben, pures Gold auf den Nägeln zu tragen.

Anfang dieses Jahres löste der 40-jährige Belgier das Chanel-Beauty-Team Dominique Moncourtois und Heidi Morawetz ab, die 30 Jahre lang immer wieder neue Lippenstift- und Nagellackfarben, Make-up-Texturen und andere Schminkutensilien erfanden.

Ein großes Erbe: Moncourtois und Morawetz kreierten Trends, die viele Nachahmer fanden. Mit dem Nagellack "Rouge Noir" beispielsweise, einem Gemisch aus rotem und schwarzem Nagellack, entfachten sie in der Beauty- und Modewelt eine Euphorie wie einst Yves Kleins Blau in der Kunst. Doch Philips wirkt von seinem neuen Amt nicht etwa eingeschüchtert: "Ich fühle mich wie ein Kind im Süßwarenladen!" Ist es denn ein Kinderspiel, Beauty- Trends zu schaffen? Dazu bedarf es einer besonderen Beobachtungsgabe und des Mutes, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Fähigkeiten, die der Absolvent der renommierten Modeakademie in Antwerpen seit Beginn seiner Karriere unter Beweis gestellt hat. Zusammen mit dem bekannten Modefotografen Irving Penn kreierte Philips 2005, als die Frauen sich blass puderten und höchstens Lipgloss trugen, für die amerikanische "Vogue" einen Minnie-Maus-Look: schwarzes Augen- Make-up und knallrote Lippen.

Seine Idee setzte sich durch, auf der Straße und auf den Laufstegen. Engagements bei großen Modehäusern wie Jil Sander folgten.

Dominique Moncourtois, der noch persönlich von Mademoiselle Chanel eingestellt wurde, wünschte sich Philips als Nachfolger. Natürlich in Absprache mit dem allgegenwärtigen Herrscher über die Chanel-Welt: Karl Lagerfeld. "Als ich das erste Mal mit ihm zusammengearbeitet habe, war ich fasziniert von seiner Kunst", sagt Lagerfeld über Philips.

Der Geist von Coco Chanel

Für seine erste Chanel-Make-up-Serie hat sich Philips von Coco Chanels Privaträumen inspirieren lassen, die seit ihrem Tod 1971 unberührt in der Rue Cambon gehütet werden. "In den Räumen von Mademoiselle Chanel erinnerte ich mich an ihre Gypsy-Kollektion von 1938", so Philips. Das Ergebnis: eine Farbpalette in Gold und Silber. Eine gewagte Kombination in einer Zeit, in der offensiv zur Schau gestellter Luxus als eher deplatziert empfunden wird.

Ganze zwei Jahre arbeitete Philips im Hause Chanel an seiner ersten Make-up- Serie. Um den passenden Look zu Lagerfelds Kollektionen zu entwickeln, bleibt ihm weniger Zeit: "Für die letzte HauteCouture- Show hat uns Karl sein Thema einen Monat vorher verraten. Manchmal haben wir aber nur eine Woche Zeit, um einen Make-up-Look zu kreieren." Sein Grinsen lässt vermuten, dass Philips sich von solch einem Druck erst richtig angespornt fühlt.

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