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Leggins: Supereng und hochumstritten

Nichts wurde so befürchtet wie ein Comeback der Leggins. Doch der Trend aus den 80er Jahren kommt tatsächlich wieder auf die Beine.

Waren sie nun eine modische Sünde oder die erste wirklich bequeme Hose? Die Leggins gehörten zu den 80er Jahren wie Pullover in Überlänge und Netzhemden. Im modischen Herbst und Winter soll das eng anliegende Beinkleid nach Willen der Modedesigner nun in die Kleiderschränke zurückkehren. Ob sich der Retro-Trend allerdings tatsächlich durchsetzen wird, daran scheiden sich derzeit die Geister.

Kreativdirektor Michael Ungerer vom Modekonzern Joop in Hamburg will den neuen Trend zur Leggins "nicht zu sehr propagieren". Es gebe nur wenige Frauen, die eine solche Hose tatsächlich tragen könnten, wahrscheinlich würden es aber doch die verkehrten tun. Der Weg der Leggins zurück in die Läden wundert Ungerer jedoch nicht: "Auch die Totgesagtesten haben mal ein kleines Revival."

Leggins spalten die Lager

Die Modeexpertin Elke Giese vom Deutschen Mode Institut in Frankfurt findet die Rückkehr der engen Hüllen "sehr logisch", nachdem in den vergangenen Jahren besonders weite Hosen "in" waren. Die Leggins könnten aber durchaus die Lager spalten, weil sie nicht unbedingt als besonders modisch in Erinnerung seien.

So wie die eher bequemen, aber wenig eleganten Modelle der 80er Jahre würden die neuen Leggins allerdings nicht aussehen. Im Herbst und Winter werden die engen Hosen laut Giese mit Röcken und Stiefeln modisch kombiniert.

Nicht in Größe 40 oder 42 tragen

Die Geschäftsführerin des Messeveranstalters Igedo in Düsseldorf, Margit Braun, rät, die Leggins "auf keinen Fall in Größe 40 oder 42 zu tragen" - weil das nur unvorteilhaft wirken könne. "Da kann man nur an die Vernunft appellieren, dass die Frauen die optisch korrekte Richtung erkennen." Die Leggins seien außerdem auf keinen Fall ein Hosenersatz, sondern ein Ergänzungsteil zum Rock.

Die Produktmanagerin beim Modeunternehmen Gerry Weber in Halle (Westfalen), Silke Weber, rechnet damit, dass sich die Kundinnen erst langsam an den neuen Trend gewöhnen. "Enge Beinweiten sind zum Beispiel als Capri-Hosen eher als sommerliches Thema durchsetzbar." In den Achtzigern hätten sich die Leggins zudem auch deshalb so gut verkauft, weil sie wegen ihres dehnbaren Materials besonders bequem waren. "Heute gibt es aber viele Hosen mit einem Stretch-Anteil."

Leggins-Revival

Bei aller Vorsicht sieht der Geschäftsleiter Vertrieb des Hauses Steilmann, Horst Thoma, zumindest Anzeichen für ein Leggins-Revival: "Die Hosen werden wieder schmaler und die Materialien körpernah." Auch für Frauen ohne Traumfigur könne dies durchaus von Vorteil sein. "Mit langen Oberteilen können Problemzonen überspielt werden." Das gilt auch nach Thomas Einschätzung allerdings nur dann, wenn die Beine im Vergleich zum Oberkörper schlank sind.

Auch wenn die meisten Experten den engen Hosen mit Skepsis entgegensehen, ein modisches Fiasko erwarten sie nicht: Die Fachjournalistin Christel Wickerath von der Branchenzeitung "Textilwirtschaft" in Frankfurt sagt: "Modische Sünden gibt es immer, in letzter Zeit hat man auch dicke Frauen mit bauchfreien Oberteilen gesehen." Gleicher Meinung ist Mode-Expertin Giese: "Wer einen schlechten Stil hat, ist davon weder mit engen noch mit weiten Hosen abzuhalten."