Leuchtmittel Brauchen wir bald keine Glühbirne mehr?


So flach waren Lampen noch nie: Mit Hilfe der Leuchtmittel LED und OLED haben deutsche Designer wie Tobias Grau und Ingo Maurer eine neue Art von Strahlern entwickelt. Ihr Licht ist hell genug, um einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Dass eine Glühbirne nicht ewig brennt, weiß jeder. Nicht aber, dass auf dem Leuchtmittelmarkt in den vergangenen Jahren viel Erstaunliches passiert ist. Der Hersteller Osram etwa macht nur noch drei Prozent des Umsatzes mit Glühbirnen. Heißt das, dass die Zeit der bauchigen Glasgefäße unwiderruflich zu Ende geht?

Könnte man jedenfalls glauben, wenn man dem Designer Tobias Grau gegenübertritt, der in den 90er Jahren bekannt wurde durch klare, reduzierte Lichtkörper wie den Strahler "George" und die Pendelleuchte "OH 11". Nun präsentiert Grau in seinem gläsernen Büro in Rellingen bei Hamburg zwei Lampen, die so flach gebaut sind, dass keine Glüh- oder auch Halogenbirne hinein- passen würde. Da ist zum einen die Hängeleuchte "Helena", die wie ein langes, schlankes Schwert über dem Tisch schwebt. Ihr Licht wirkt ganz warm, als stamme es von der guten alten Glühbirne. Und da ist die Schreibtischlampe "Leed", die kaum größer als ein Tischrechner scheint. Tobias Grau sagt lächelnd: "Also, das ist doch fantastisch." Seine Freude gilt den Lichtquellen der beiden Strahler: Es handelt sich um LEDs - Licht emittierende Dioden, in denen der elektrische Strom direkt in Licht umgewandelt wird.

Bislang wurden LEDs, die erstmals 1962 auf den Markt gekommen sind, in Autocockpits und an technischen Geräten eingesetzt; ihr Leuchten zeigt an, ob etwas an- oder ausgeschaltet ist. Sie besitzen eine extrem lange Lebensdauer von bis zu 50 000 Betriebsstunden - eine Glühbirne kommt im Schnitt gerade mal auf 1000 Stunden. Außerdem benötigt die Leuchtdiode weniger Energie als eine Glühbirne. Bis vor kurzem aber spendeten die meisten LEDs ein eher bläuliches Licht, das an Labors und Gefrierräume denken lässt. Dadurch waren sie für Lichtdesigner ungeeignet. "Erst als mir ein Hersteller garantierte, dass er mir LEDs in einer warmen Lichtfarbe liefern könne, wurde das Thema für mich interessant", sagt Grau.

Noch aber ist die LED-Technik nicht ohne Fehler: Das größte Problem besteht in der Kühlung. So kommt es, dass der Designer Richard Sapper in seine LED-Stehlampe "Halley" tatsächlich einen Lüfter einbaute, der sonst in Laptops seine Dienste versieht. An solchen nicht ganz unwichtigen Kleinigkeiten kann es liegen, dass andere Firmen sich eher zögernd an der Forschung beteiligen. Doch immerhin: Die Arnsberger Firma Trilux hat eine Deckenleuchte namens "Athenik LED" im Programm; das Österreicher Unternehmen Swarovski hat seine Glitzersteine mit den Dioden kombiniert - das Ergebnis heißt "Crystal Starled"; und "Tolomeo", ein Klassiker unter den Tischleuchten, wird vom Hersteller Artimede neuerdings mit einem LED-Kopf geliefert.

Auch der Licht-Künstler Ingo Maurer beschäftigt sich mit LED: Seine neuen Ideen tragen die Namen "One Thousand and One Lights" und "LED Wallpaper" - zwei eindrucksvolle Großobjekte aus Computerplatinen, auf denen die Leuchtdioden befestigt sind. Neu in Maurers Lampenlabor: organische LEDs (OLEDs), die im Unterschied zu den Lichtpunkten der LEDs flächig leuchten. Sie lassen sich als eine 200 Nanometer dünne Schicht, das ist der 500. Teil eines Haares, auf Glas oder elastische Materialien wie Folie auftragen. Im Alltag kommt OLED im Display von MP3-Spielern und Mobiltelefonen vor. Maurer strebt nach mehr: "Mir schwebt eine bisher unerreichte Leichtigkeit vor." Dementsprechend hören sich seine Visionen an: Er spricht von leuchtenden Tapeten, die auf Knopfdruck ihre Farbe wechseln. Beschreibt Fernsehbildschirme, die so flexibel und flach sind, dass sie in die Tapete integriert werden können. Kann sich sogar Möbelstücke oder Häuserwände vorstellen, die mit OLED-Folien bezogen sind. Das wird aber noch dauern: Erst einmal müssen OLEDs dazu gebracht werden, effizient zu leuchten.

So effizient wie diese alte Erfindung: die Glühbirne. Noch brauchen wir sie.

Sandra Piske print

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