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Mode-Nacht: "Una notte a Roma con..."

Die vier Großen der italienischen Mode riefen, die Reichen und Schönen kamen. Mit einer Megashow feierten Armani, Valentino, Versace und Ferré in Rom ihre Mode - und sich selbst.

Es war eine dieser lauen Nächte in Rom, in denen das Dolce Vita zu neuem Leben erwacht: Glamour und Luxus breiteten sich wie ein seidener Schleier über die herrliche Piazza Navona, der barocke Vier-Flüsse-Brunnen von Bernini war in magisches Licht getaucht, davor ein gigantischer Laufsteg für die "Big Four" der italienischen Mode: Armani, Valentino, Versace, Ferré - wer kommt bei diesen Namen nicht ins Schwärmen? "Una notte a Roma con..." (eine Nacht in Rom mit...) hieß der Event, der die vier Stardesigner erstmals in dieser Formation in der Ewigen Stadt vereinte.

Geladen waren alle, die in Italien Rang und Namen haben, angefangen bei Ornella Muti über Superkicker Francesco Totti bis hin zur Jet-Set-Königin Marta Marzotto. Vier Laserstrahlen steigen in den römischen Nachthimmel auf, aus den Lautsprechern erklingt "Come fly with me" von Michael Bublé, ein Lichtermeer flimmert über den Laufsteg: Meine Damen und Herren, die Megashow kann beginnen.

Der italienische Musiker Lucio Dalla betritt die Bühne und singt zum Auftakt seinen Superhit "La Sera dei Miracoli" - der Abend der Wunder - und es klingt wie das Titelthema zu diesem wohl einmaligen Modeereignis. Den Auftakt macht Valentino, der seine Show den Hollywood-Diven widmet, die ihm schon seit Jahrzehnten zu Füßen liegen. Edle Roben mit schmaler Silhouette in zarten Pastell-Farben, elegante Abendkleider in Schwarz und schließlich aufwendige Ball-Kleider in Valentino-Rot - der Meister blieb sich treu.

Original-Entwürfe

Als Leckerbissen hüllte er einige Models in die Original-Entwürfe, die Stars wie Julia Roberts und Cate Blanchett bei vergangenen Oscar-Verleihungen trugen. Das letzte Kleid des Defilees wurde dann tatsächlich von einer echten Diva vorgeführt: Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow schritt mit einer traumhaften schulterfreien Kreation ganz in Weiß über den Laufsteg: "Alle Hollywood-Stars wünschen sich ein Valentino-Kleid für ihre besonderen Abende", schwärmte die Amerikanerin.

Giorgio Armani hielt für den Abend eine besondere Überraschung parat: Er präsentierte erstmals in Italien seine Kollektion "Privé", die er bisher lediglich bei den Schauen in Paris gezeigt hatte. Hohe Schneiderkunst vom Feinsten, edle Stoffe wie Chiffon, Duchesse, Seide und Gagat, Verzierungen, die wie Juwelen funkelten - Armani ist der unbestrittene Meister zeitloser Eleganz und weiblicher Modepoesie. "Die Kleider wirken so leicht, als könnten sie das Gesetz der Schwere außer Kraft setzen", heißt es denn auch in der Beschreibung der Kollektion. Sexy Rückenausschnitte, ausgefallene Hüte und schwingende Röcke in Kelch-Optik rundeten die Schau ab.

Viel Leder, Spitze und hohe Stiefel

In bestem Italienisch kündigte Hollywood-Star Rupert Everett ("Die Hochzeit meines besten Freundes") seine Lieblingsdesignerin Donatella Versace an: "Sie ist die einzige Teilnehmerin heute Abend, die Homosexuelle in Heterosexuelle verwandeln kann und umgekehrt", scherzte der homosexuelle Filmstar. Die blonde Mode-Ikone nahm zum ersten Mal seit dem Tod ihres Bruders Gianni Versace im Jahr 1997 an einer Modenschau in der Ewigen Stadt teil. Aggressiv wie immer, mit viel Leder, Spitze und hohen Stiefeln begeisterten ihre 28 Kreationen die Zuschauer.

Den Abschluss des gut zweistündigen Spektakels machte "Mode-Architekt" Gianfranco Ferré, dessen Entwürfe für die Herbst-Winter-Saison 2005/2006 die Anwesenden in die argentinische Pampa entführte. Weit schwingende Röcke, kombiniert mit robusten Fliegerjacken und viel Pelz stehen im Mittelpunkt der Kollektion, daneben Kleider in ganz neuen Formen mit zweilagigen, weit aufspringenden Röcken.

Die Show wurde für das staatliche italienische RAI-Fernsehen aufgezeichnet, wo sie am Donnerstag zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden soll. Nach dem seit Jahren andauernden Desaster der Alta-Moda-Tage, bei denen die großen Namen italienischer Couture schon lange nicht mehr auf dem Programm stehen, machte die laue Nacht auf der Piazza Navona Hoffnung: Die große Mode ist nach Rom zurückgekehrt - zumindest zwei Stunden lang.

Von Carola Frentzen/DPA / DPA