Pariser Herrenmode Im Zeichen des Machos


Die Designer lassen auf den zu Ende gehenden Pariser Herren-Modeschauen den Macho raushängen: "Mann" kleidet sich in Latex, Leder und schwarz.

Mann, männlich, am männlichsten heißt die Botschaft der am Dienstag ausklingenden Pariser Herrenmodeschauen Herbst/Winter 2003-2004. Auch Designer Hedi Slimane hat sich diesem Trend angeschlossen und seine Mannequins für die Dior-Kollektion am Montag in Leder- und Latexhosen gezwängt, sie mit Eisenketten behängt und in silbern schimmernde schwarze Pullis gesteckt. Catherine Deneuve, Elton John und Karl Lagerfeld waren Gäste des mit viel Spannung erwarteten Defilees in einer Markthalle im Art-Nouveau-Stil. Die Halle war fast komplett in Schwarz gehalten - so wie die Kollektion.

Lässig scheint out

Hedi Slimane, Träger des in New York verliehenen "Mode-Oscars", legt viel Wert auf körperbetonte Kleidung. Seine Hosen sind meist eng geschnitten, wie auch Jacken und Pullis. Ausnahmen sind lediglich Fliegerblousons und mehrbahnige Mäntel, die zum Teil an Kutten erinnern und nur mit einem Gürtel lose zusammengehalten werden. Zur Grundfarbe Schwarz tragen seine Mannequins ab und zu goldfarbene Lederhosen und Satinjacken. Exotisch sind seine Kombinationen aus schwarzem Frack und grellgelben oder grasgrünen Kapuzenpullis.

Für die Accessoires greift Slimane auf die Punkmode zurück: Er hängt dem modebewussten Mann dicke Eisenketten um Hals und Handgelenk und legt ihm einen breiten Metallgürtel um die Hüfte. Eher an Hippie- Mode erinnern Lederbänder, die an den Jackenärmeln herunterhängen oder auch seitlich an den Hosen.

Gaultier bleibt extravagant

Viel Beifall erhielten die Kreationen von Jean-Paul Gaultier, der seine Mannequins beim Defilee unter anderem in Gummianzüge und schwere Schnürstiefel steckte und in dicke Pelzmäntel hüllte. So wie bei seiner letzten Schau setzt er auch diesmal wieder auf Military-Elemente: robuste US-Pilotenblousons mit Pelzkragen, grobe Tweedjacken und Mäntel mit breiten Rückengürteln und aufgesetzten Taschen.

Die Kollektion Gaultiers, des «enfant terrible» der französischen Designer, ist wie immer extravagant und abwechslungsreich: Neben dem schon zum Klassiker gewordenen Rock zeigt er schwarze Mäntel und dicke Wollpullis mit breiten Rollkragen, über die weiße, kurze Westen gezogen werden. Eher modisch als praktisch ist der schwarze Kapuzenregenmantel, der unter statt über einer Jacke aus Rippencord getragen wird. Bei den Hosen liegt das Besondere im Detail: Entweder sind sie im Rücken zusammengerafft, luftig weit mit Hosenlatz, oder sie werden am Fußende mit einem Strickbund zusammengehalten.

"Mode für den Stadt-Yeti"

Die Farbe Schwarz ist auch bei Thierry Mugler vorherrschend - und das nicht nur aus modischen Gründen: Es sollen die letzten Schöpfungen des Designers Jean-Luc Testu für Thierry Mugler sein. Einer früheren Pressemitteilung zufolge werden die Kollektionen Prêt- á-Porter und Haute Couture eingestellt. Bis Ende Februar jedoch soll der Verkauf normal weiter gehen, teilte die Direktion am Montag mit. Als Einladung zur Schau verschickte sie übrigens schwarze Taschentücher.

So schlägt denn Testu dem modebewussten Mann eine schwarze und elegante Garderobe vor, bei der lange Ledermäntel fester Bestandteil sind. Die anthrazitfarbenen Anzüge werden mit Mohairpullis kombiniert oder mit eleganten Wolljacken. Etwas ausgefallener wirken seine Mohairhose und sein Mohairanzug. "Mode für den Stadt-Yeti", kommentierte Frankreichs Presse kurz nach der Präsentation.

Auch Mode-Branche in der Krise

Klassik und Moderne, einzeln oder im Mix, bestimmten die viertägigen Pariser Herrenmodeschauen für Herbst/Winter 2003-2004: "Die Mode geht in alle Richtungen. Die Designer sind sich nicht sicher. Die Weltwirtschaft, die Kriegsandrohung gegen Irak und die Terroranschläge belasten die Branche sehr", analysierte der Chefredakteur der Männerzeitschrift "Vogue International", Richard Buckley, die Show.


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