Prêt-à-Porter in Paris Auch der Teufel lächelte


Prêt-à-Porter in Paris - alle Jahre wieder, und doch sind die Laufstege voller Überraschungen. Krawalldesigner stellen brave Kostüme vor. Naoki Takizawa präsentiert Verwandlungsmode. Und sogar die Chefin der "Vogue" war gut drauf.

Mindestens schrankbreit ist Janet Jacksons Bodyguard, und seine Mine verheißt nichts Gutes. Prompt hielt das Modevolk bei der Schau von Jean Paul Gaultiers Damenkollektion für Frühjahr/Sommer 2007 Abstand von der Pop-Diva, und das ist neu beim Pariser Prêt-à-Porter. Normalerweise bilden Prominente, Redakteure und Fotografen eine muntere Mischung.

Auch sonst warten die seit Sonntag laufenden Schauen mit Überraschungen auf: Die gefürchtete Chefin der amerikanischen "Vogue", Anna Wintour, sieht man im selten charmanten Dauerlächeln - vielleicht, um einen Gegenpol zur unbarmherzigen Mode-Chefredakteurin in dem Film "Der Teufel trägt Prada" zu bilden.

Sanft, schimmernd, brav

Unerwartet auch, dass trotz der Trend-Devise "ruhige Eleganz" Gaultier eine ganz dem Sport gewidmete Kollektion zeigte. Und Krawallgenie John Galliano schickte für Dior derart zahme Entwürfe über den Laufsteg, dass alle sich die Augen rieben. Fast brav zu nennende Kostüme in Grau, Creme oder Oliv aus weichen Wollstoffen mit körniger Struktur machten bei Dior den Anfang: Schmale, teils kragenlose Jacken zierte ein Spitzeneinsatz mit Rosenmotiv.

Sanft wirkten fließende Kleider mit schönen Drapierungen, die um den Körper gewickelt werden, besetzt mit kleinen Metallringen. Sanft waren auch die Farben mit goldig schimmerndem Grün, Rosé und Beige. Dann kamen gewagtere Trägertops mit raffinierten Wickeleffekten zu superschmalen Hosen.

Hinreißend sexy, doch niemals vulgär

Als "rasiermesserscharf" hatte Karl Lagerfeld vor seiner Schau seine Kollektion beschrieben. So zeigte er präzise geschnittene Entwürfe in monochromen Farben - Weiß, Schwarz, Anthrazit, Nachtblau und Aubergine. Extrem dünne Models kombinierten Hot Pants zu auf Figur geschnittenen Anzugjacken. Auch die leicht gebauschten Kleider reichten nur bis zum Oberschenkel. Kleine Plissierungen und elliptische Formen gaben dem Ganzen eine architektonische Form. Dennoch wirkten die Entwürfe, kombiniert zu Spitzenstrümpfen und hochhackigen Sandalen, mädchenhaft.

Hinreißend weiblich, sexy, doch niemals vulgär: So könnte man die Kollektion von Akris-Designer Albert Kriemler beschreiben. Er hatte sich von einem Badeanzug von Rudi Gernreich (1922-1985) inspirieren lassen, dessen Form er gekonnt variierte. "Alles dreht sich um Transparenz", meinte Kriemler und schuf eine gekonnte Symbiose aus körpernahen Formen und Leichtigkeit. Strahlend weiße, knöchellange Zigarettenhosen, breite Ledergürtel und softe Voile-Blusen bestachen durch ihre Klarheit. Bei zarten Kurzkleidern aus Organza in Haut oder Schwarz wurde Linearität durch aufgesetzte Stoffquadrate und vertikale Nähte geschaffen.

Nichts war, wie es schien

Naoki Takizawa präsentierte für Issey Miyake eine stille poetische Schau mit schlichten Entwürfen, die geöffnet und gewendet werden konnten. Aus einem grauen Kurz-Ensemble wurde ein langes Blütenkleid, ein Plisséebesatz entpuppte sich als langer Rock. Die Raupe verwandelte sich gleichsam in den Schmetterling, nichts war, wie es zunächst schien.

Jean Paul Gaultier feiert in diesem Jahr 30-jähriges Modejubiläum und zeigte zu Beginn Höhepunkte seines Schaffens. Da kamen seine Corsagenkleider mit Raketenbusen, der Rock für den Mann oder das typische Marine-Ringelshirt. Viele Ideen hat dieser witzige Wirbelwind der Mode gebracht. In der kommenden Saison setzt er auf eine eigenwillige Interpretation von Sportkleidung.

Vor der Kulisse eines glitzernden Fitness-Raums ließ er schicke Turnkleider, Sportjacken, Jogginghosen und Shorts aufmarschieren, aus glänzender Seide in Apricot, Schokolade, Schwarz oder Grasgrün, bestickt, paillettenbesetzt und durchaus straßenfein. Zwischen den Models trat auch eine "Dicke" auf: Im Baby Doll bewies sie, dass bei Gaultier niemand seinen Körper schinden muss, um schön zu sein.

Sportswear und glamouröser Schick

Sportliches in Light-Version brachte Designer Dries Van Noten in Paris auf den Laufsteg. Der Antwerpener mixte romantische Elemente mit Sportswear und glamourösem Schick. Leicht knittrige Seidenparkas, in Regenbogenfarben schillernde Tops, ländliche Baumwollblusen und Kleider mit Rosendruck kann Van Noten, der als Meister von Farb- und Musterharmonien gilt, perfekt kombinieren. Ein kastiger, schmaler Blouson in Nachtblau passt bei ihm zum schwarzen Paillettentop und zur weißen Jogginghose mit Stretchbund. Auch die Schuhe gehorchen der neuen Ästhetik: Van Noten macht Turnschuhe mit Plateausohle und Keilabsatz zum Pumps-Ersatz.

An den Jet Set der späten 60er und frühen 70er Jahre erinnerte die Schau des spanischen Luxushauses Loewe mit leicht gerundeten weißen Minikleidern mit gekreuzten Trägern, blütenbedruckten Tuchkleidern aus Seide und Anzügen aus durchbrochenem Leder. Weiche Mäntel in Beige mit rundem Saum sind wie Capes gearbeitet. Loewe kann eine lange Tradition bei der Lederverarbeitung vorweisen, die klare Linie der Entwürfe unterstrich in der Schau den kunstvollen Umgang mit dem Material.

Kurze Sommermode in fließenden Stoffen und überwiegend gedeckten Orange- und silbrigen Grautönen präsentierte die Griechin Sophia Kokosalaki. Die Models trugen Hängerkleidchen mit Chiffon, kurze Pumphosen und geraffte Oberteile. Einen Akzent setzte die Designerin mit einem neongrünen Minikleid, dessen Corsage mit Pailletten bestickt war.

DPA DPA

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