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RÜCKZUG: Yves Saint Laurent tritt ab

Ob mit revolutionären Kreationen oder zahlreichen Skandalen: Yves Saint Laurent hat der Modewelt seinen Stempel aufgedrückt. Jetzt zieht sich der Stardesigner zurück.

Weltweite Triumphe und werbewirksame Skandale begleiteten seine ungemein steile Karriere. Er revolutionierte die Mode, machte Schwarz zu einer Kultfarbe, ließ trendgerechte Parfüms kreieren und setzte auch bei den Theaterkostümen klare Akzente. Der als zurückhaltend bekannte Modezar Yves Saint Laurent tritt im Januar noch einmal ins Rampenlicht. Da gab »der berühmteste Couturier der Welt«, so »Le Monde«, etwas nur sehr schwer Vorstellbares bekannt: Seinen Rückzug aus der Modewelt. Der große Yves Saint Laurent geht in Pension - vor dem Hintergrund aufreibender Spannungen in seinem aufgesplitteten Reich.

Saint Laurent - einer der ganz Großen

»YSL tritt ab«, beklagt die Pariser Presse schon das Ende einer Generation von Couturiers, eingeleitet vor drei Jahren von Hubert de Givenchy. Christian Dior, Coco Chanel, de Givenchy und Saint Laurent prägten Jahrzehnte französischer Haute Couture. Der 1936 im algerischen Oran geborene Yves Saint Laurent baute sein Imperium in vier Jahrzehnten mit ebenso genialen wie provozierenden Ideen auf. Er setzte mehr auf seinen persönlichen Stil denn auf Modetrends, entwarf einen Safari- und Uniform-Look, durchsichtige Blusen, den Smoking für Frauen und das Trapez-Kleid - eine Befreiung der Damenwelt aus starrer Hülle.

Skandale begleiteten seine Karriere

Der Design-Hexenmeister, homosexuelle Dandy und Multi-Millionär, kurzsichtig und von Depressionen geplagt, sorgte auch in der Welt des Parfüms für Aufruhr. Nur mit seiner Brille bekleidet ließ er sich für seine Duft-Kreation »Homme« 1971 ablichten, sechs Jahre später landete er mit »Opium« einen weltweiten Parfüm-Hit - angetörnt einmal mehr durch den Skandal, den die Anspielung auf harte Drogen auslöste. In seiner Welt der Tausenden von Modellen und Kreationen stand ihm seit Beginn in der Seine-Stadt mit Pierre Bergé ein Geschäftsmann von ebenbürtiger Passion und mit einem starkem Hang zur Kultur zur Seite.

Nicht das Pensionsalter, sondern Spannungen dürften den Rückzug ins Privatleben begünstigt haben, spekulieren Frankreichs Medien und warten auf die Erklärungen des Meisters. Prît-à-porter und Parfüms gingen vor zwei Jahren an das italienische Haus Gucci, das zu dem Imperium des französischen Großaktionärs Francois Pinault gehört. Das »YSL«-Reich Saint Laurents zerfiel in zwei Teile: Guccis Top-Mann Tom Ford ist für den Prît-à-porter-Bereich verantwortlich, Saint Laurents Partner Bergé für Haute Couture - kontrolliert von Pinaults Holding Artémis. Von einem offenen Krieg zwischen den Sparten ist die Rede. Und auch davon, dass »YSL« die junge Couturier-Generation verachte.

Viele Auszeichnungen

Bleibt das Vermächtnis eines Zauberers der Farben und Eleganz im 20. Jahrhundert. Er war der erste Modemacher, dem das renommierte New Yorker Metropolitan Museum of Art zu Lebzeiten, 1983, eine Retrospektive widmete. Saint Laurent, der die Damenwelt von Zizi Jeanmaire bis zu der mit ihm befreundeten Catherine Deneuve einkleidete, wurde mit Preisen nur so überschüttet.

Kein Nachfolger des Meisters

Frankreichs Ehrung für den Botschafter in Sachen Mode gipfelte in der Ernennung zum »Kommandeur der Ehrenlegion« im Jahr 2001. Und am 22. Januar feierte das Haus des Modezars, der einst bei Christian Dior seine ersten Sporen verdient hat, den 40. Geburtstag. Einen Nachfolger, so hatte »YSL« immer gesagt, werde es nicht geben.