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Sansibar: Der Stoff, der aus den Dünen kam

Ein Souvenir macht Mode: Das Sylter Promi-Lokal Sansibar bietet nun bundesweit eine Kleiderlinie an. Einige der betuchten Gäste wittern Ausverkauf.

Von Stefanie Wilke

Parkplatz der Sansibar auf Sylt ist zu Hochzeiten bereits um 13 Uhr wegen Überfüllung geschlossen. Auf den Hecks der Mittelund Luxusklassewagen der Besucher klebt das Erkennungszeichen ihres Ferienparadieses: zwei gekreuzte Piratensäbel, das Logo der Sansibar.

Drei Minuten Fußmarsch entfernt, den Dünenweg hinauf, herrscht Hochbetrieb. Auf Holztischen glitzern Weinflaschen in der Sonne, Kellner tragen vierkantige Teller durch den Sand, auf denen enorme Schollen liegen. Kinderhände grabschen nach knusprig aussehenden Pommes frites, eine Gruppe Männer feiert mit Aquavit und Austern einen Junggesellen-Abschied. Weich und weiß ist der Sand unter den Füßen im Schlaraffenland.

Am Eingang der Sansibar begrüßt Patron Herbert Seckler die Kundschaft. Der Leibesumfang des 56-jährigen Schwaben lässt auf Tausende Probeschlückchen und Häppchen schließen, seine Schultern müssten abgeflacht sein von den vielen Klopfern seiner Gäste. Ob Boris Becker, Thomas Gottschalk, Veronika Ferres, Otto Waalkes, Wolfgang Joop - die Sansibar kann im Sommer mit der Couch-Besetzung von "Wetten dass...?" mithalten.

Die Sansibar-Kollektion als Souvenir-Ersatz

Ein paar Meter weiter Richtung Nordsee, in einer Bretterbude, gibt es das Lebensgefühl der Sansibar zu kaufen, verpackt in schwarz gelackte Tüten, auf denen weiß die gekreuzten Säbel prangen. Eine junge Frau steht vor dem winzigen Eingang des Büdchens und telefoniert offenbar mit einer Freundin, für die sie eine Sonnenbrille mitbringen soll. Eine gebräunte Frau mit buntem Wickelrock, einem Kleinkind auf der linken Hüfte und einem Designer-Portemonnaie in der rechten Hand wartet auf Einlass in den schmalen Schlauch, in dem die Sansibar-Ware hängt oder eng gestapelt liegt. T-Shirts mit Piratenkonterfei ab 18 Euro, Polohemden in Pastelltönen oder kräftigen Farben mit unterschiedlichen Applikationen, Sweatjacken, Westen, Schals aus transparentem Stoff mit Totenköpfen bedruckt. Was vor einigen Jahren mit einem Souvenir-Shop startete, ist heute die Sansibar-Kollektion. Eigene Läden in Berlin, Hamburg, Münster und Westerland sind bereits eröffnet. In ganz Deutschland soll die Strandmode getragen werden; das Säbel-Logo erscheint als Markenzeichen lässiger Lebensführung, es darf ein bisschen mehr kosten.

Inspirieren lassen sich Herbert Seckler und seine Frau Helga von den Freizeitkleidern ihrer Gäste: "Was meinst du, was ich hier für einen Laufsteg habe!", erklärt Herbert Seckler. Von Juli an soll es außerdem Mäntel und Jacken aus feinstem Material geben. Pullover, Strickaccessoires und eine Kaschmirdecke der Designerin Iris von Arnim ergänzen dann das Port- folio der Piraten. Doch die Expansion Sansibar wird nicht von allen begrüßt. Ein Stammgast unkt: "Habgier betrügt die Weisheit." Ein Herr flötet auf dem Weg zum Strand "Sansibar-tra-la-la." Es soll Fans geben, die sind abgewandert auf die Nachbardüne - zum Lokal "Seepferdchen". Herbert Seckler fürchtet keinen Imageverlust durch den Textilhandel. Er weiß: "Meine Top-Gäste sind stolz auf mich - die gönnen mir das."

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