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Interview

Model Stefanie Giesinger: "Ich habe begonnen, viele Dinge zu hinterfragen"

Zuletzt war es ruhig um Model Stefanie Giesinger. Jetzt bringt sie eine Modelinie auf den Markt - ausgerechnet in der Corona-Krise. Warum sie sich trotzdem entschieden hat durchzustarten, erzählt die 23-Jährige im stern-Interview.

Stefanie Giesinger Anfang März bei der Modewoche in Paris

Stefanie Giesinger Anfang März bei der Modewoche in Paris

Picture Alliance

Frau Giesinger, die Corona-Krise ist ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für die Unternehmensgründung. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Wir arbeiten seit mehr als sieben Monaten an unserem Label Nu-In und haben viele Bestellungen in unseren Fabriken in Portugal aufgegeben. Wenn wir alles storniert hätten, wäre der Schaden enorm groß für uns.

War es nicht trotzdem ein großes Risiko?

Am Anfang der Corona-Krise hatten wir total Angst und haben überlegt den Launch zu verschieben. Viele Menschen haben ihren Job verloren und ausgerechnet jetzt wollen wir den Leuten etwas verkaufen. Aber durch das positive Feedback, das ich von meinen Followern bekommen habe, habe ich ein gutes Gefühl für die Zukunft.

Fast zwei Monate lang war in Deutschland alles dicht. Welche Schwierigkeiten hatten Sie dadurch?

Uns fehlte Bildmaterial für die Webseite, deshalb mussten wir von zu Hause aus shooten und den Models per Skype Anweisungen geben. Satellite-Studio haben wir das genannt. Das hat uns als Team zusammengeschweißt.

Es gibt viele Influencer, die eine eigene Modelinie haben. Warum haben Sie sich für ein nachhaltiges Label entschieden?

Letztes Jahr bin ich durch eine intensive Zeit gegangen und habe begonnen viele Dinge zu hinterfragen. Ich habe mich mit unserer Gesellschaft beschäftigt, mit mir und meiner Funktion als Vorbild. Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit so groß wie möglich machen, damit es bei allen Menschen ankommt.

Wie kann man als Onlineshop nachhaltig sein? Allein beim Versand fallen Unmengen an Verpackungsmüll an.

Der Versand ist ein sehr großes Thema bei uns. Wir werden die ersten Bestellungen in biologisch abbaubaren Tüten verschicken. Und umso länger man auf sein Paket wartet, desto nachhaltiger ist es. Denn so können wir einen Schwung an Bestellungen gleichzeitig fertigmachen.

Ist Nachhaltigkeit bereits in den Köpfen von jungen Menschen angekommen oder nur ein kurzlebiger Trend?

Ich hoffe sehr, dass es kein Trend ist. Aber ich gehe davon aus, dass sich meine Generation und die Generation nach mir intensiv mit der Zukunft beschäftigen. Denn wir sind die Zukunft und wollen entscheiden wie sie aussieht.

Hat Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona eine andere Bedeutung gewonnen?

Ich finde während der Coronavirus-Pandemie rückt die Klimakrise ein bisschen in den Hintergrund. Durch die wirtschaftliche Krise haben wir natürlich weniger Geld für neue, nachhaltige Technologien, das macht mir ein bisschen Sorge.

Welche Technologien meinen Sie konkret?

Wir wollen die Option anbieten, dass man seine Kleider, wenn sie kaputt sind oder man sie nicht mehr tragen möchte, zurückschicken kann. Im Gegenzug bekommt man entweder Geld oder einen Gutschein. Die Sachen bringen wir dann zu einer unserer Fabriken nach Portugal, wo alte zu neuen Kleidern verarbeitet werden können.

Interview: Sonja Meinke