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Großbritannien: Jobkiller Tattoo: Tätowierer fordern höhere Altersbegrenzung für Gesichtstattoos

Britische Tätowierer halten 18 Jahre für zu jung, wenn es um ein Tattoo an gut sichtbaren Hautstellen geht. In vielen Berufen ist das nicht erwünscht oder sogar verboten.

Ein Mann mit Tätowierungen auf der Stirn, den Wangen, am Kinn und am Hals

Nicht von jedem Arbeitgeber gewertschätzt: extreme Tattoos an sichtbaren Hautstellen

Getty Images

Die Forderung kommt aus einer ungewöhlichen Ecke: Die British Tattoo Artists Federation (BTAF) macht sich Sorgen um die Jugend. In der BTAF organisieren sich seit 1975 professionelle Tätowierer in Großbritannien, die seit mindestens fünf Jahren im Job sind und den selbst gesetzten Standards genügen, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Ansprüche an Tätowierer hinausgehen. Ziel der Organisation ist größere Sicherheit für Tattoo-Fans, Amateure dürfen daher nicht Mitglied werden. Qualität und Sorgfalt sollen das Image der Tattookunst in Großbritannien verbessern.

Nun haben die Tätowierer einen neuen Trend ausgemacht, dessen Herkunft sie bei prominenten Vorbildern sehen: Gesichtstattoos. Ob nahezu unsichtbar wie bei Justin Bieber oder ein auffälliges Tribal von der Wange bis auf die Stirn wie bei Mike Tyson, der britischen Jugend gefällt's. Sie will das auch. Worüber sich aber britische Teenager bei ihrer Entscheidung für ein Gesichtstatto offenbar keine Gedanken machen, ist, dass Leute wie Justin Bieber und Mike Tyson niemals ein Vorstellungsgespräch bei einem Arbeitgeber führen müssen.

Altersbegrenzung für Gesicht, Hals und Hände

Die BTAF fordert deshalb, dass die Altersgrenze auf 21 Jahre  angehoben werden soll, wenn sich jemand im Gesicht, auf dem Hals oder auf den Händen tätowieren lassen möchte. Tätowierte Hautstellen, die nicht mit dem Tragen eines Oberhemdes oder einer Bluse bedeckt werden können, sind in vielen Berufsgruppen nicht erlaubt. Obwohl Tattoos schon lange nicht mehr nur von Seefahrern und Knastbrüdern und -schwestern getragen werden.

In Deutschland zum Beispiel dürfen sogenannte Repräsentanten des Staates nicht sichtbar tätowiert sein, also Beamte oder Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst. 2014 wurde einer Bewerberin die Polizeiausbildung verwehrt, weil sie ein Zitat aus Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" auf dem Unterarm trug: "S'il te plaît ... apprivoise-moi!", auf Deutsch:  "Bitte zähme mich". Das Verwaltungsgericht in Darmstadt bestätigte die Entscheidung damals: Ihre Tätowierungen könnten als "Zeichen eines gesteigerten Erlebnisdrangs" verstanden werden und drückten eine "überzogene Individualität" aus, argumentierten die Richter. Die Kleiderordnung bei der Polizei besteht im Sommer auch aus kurzärmeligen Hemden, dort wäre ihr Tattoo sichtbar gewesen.

Auch Kellner, Flugbegleiter oder Empfangsdamen müssen sich in Deutschland entsprechende Vorschriften ihres Arbeitgebers gefallen lassen. In Großbritannien sind insbesondere die Arbeitsbereiche Justiz, Gesundheitswesen und Finanzen streng und sichtbare Tätowierungen dort untersagt.

Quellen: BTAF, "BBC", "Daily Mail"

bal