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Trend-Look Gelfrisur: Es läuft wie geschmiert!

Leonardo DiCaprio tut es, Michael Douglas auch und Karl-Theodor zu Guttenberg sowieso: Immer mehr Männer greifen tief in den Pomadentopf und kämmen ihr Haar strähnig zurück. Doch Männern mit Gelfrisur haftet nicht nur ein positives Image an.

Von Julia Mäurer

Mit der Mode verhält es sich wie mit den Jahreszeiten: Alles kommt wieder. Das gilt für Design-Katastrophen wie Karottenjeans und Schulterpolster ebenso wie für zeitlose Klassiker wie das kleine Schwarze. Momentan kann man eine neue Vorliebe für Konservatives beobachten. Das gilt vor allem für Männer. Männer, die Doppelreiher tragen, Hornbrille - und zurückgegeltes Haar. Nicht umsonst gilt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als Mann der Stunde. Sein pomadengetränktes Haar trägt er aus Tradition - trifft damit aber exakt den Nerv der Zeit. "Konservative Werte haben gerade Hochkonjunktur", sagt Peter Wippermann, einer der führenden Trendforscher der Bundesrepublik. "Die Menschen sehnen sich nach Stabilität und Sicherheit. Die Pomade gibt dem Haar Halt. Das gilt im übertragenen Sinn auch für den Träger."

Es ist also kein Zufall, dass immer mehr Männer ihr Haar aus der Stirn streichen. Streng gescheiteltes oder zurückgegeltes Haar galt bereits in den Fünfzigern als angesagt. Damals herrschten klare Werte und Richtlinien, die Wirtschaft boomte. Heute heißt das Schlagwort Individualität. Jeder kann leben, arbeiten und lieben wie, wo und wen er will. So viel Diversität schafft Verunsicherung. Die gelackten Herren, die für konservative Werte stehen, kommen da gerade recht, um Orientierung zu schaffen.

Die neuen Konservativen zitieren den Schick der Großväter

Auffällig ist, dass gerade junge Männer immer öfter zum Pomadentopf greifen. Zwanzigjährige wie der amerikanische Schauspieler Chace Crawford oder sein etwas älterer Kollege Leonardo DiCaprio. Der war Ende der Neunziger das Paradebeispiel für den bubihaften Mädchenschwarm. Nach drei Oscar- und sechs Golden-Globe-Nominierungen hat er sich als ernsthafter Schauspieler etabliert. Zeit für eine neue Frisur. Haare hat DiCaprio zwar nicht gelassen, dafür trägt er sie jetzt streng zurückgegelt. Damit erinnert der 35-Jährige an Leinwandhelden wie Clark Gable oder Cary Grant. "Das neue Dandytum ist auch eine Rebellion gegen die Elterngeneration", sagt Wippermann. Die versteckte in den Siebzigern ihr Gesicht unter einem Vorhang aus Haaren und tat somit ihren Protest gegen die spießige Nachkriegsgeneration kund. Die neuen Konservativen zitieren eben diese: Die Generation ihrer Großväter, die nicht nur perfekt sitzende Anzüge, sondern auch korrekt frisiertes Haar trug. Die freigelegte Front symbolisiert gewissermaßen: Seht her, wir bieten den Herausforderungen des Lebens die Stirn. Ähnlich interpretiert es Promi-Friseur Udo Walz: "Es bedarf Mut, die Haare so zu tragen", sagte er dem "Tagesspiegel".

DiCaprio, Crawford oder auch Matthew McConnaughey - sie alle stehen für eine fast vergessene Form des Dandytums. Mutig, aber einfühlsam. Elegant, aber männlich. Konservativ, aber trendbewusst. "Alles was verschwindet, gewinnt an Wert", sagt Peter Wippermann. Dazu passt auch der Erfolg der US-Fernsehserie "Mad Men", die derzeit bei ZDF Neo läuft und das Treiben in einer New Yorker Werbeagentur der sechziger Jahre schildert. Die Frauen tragen Kostüm und Hochsteckfrisur, die Männer Anzug und Pomade in den Haaren. Dass Hauptdarsteller Jon Hamm in seiner Rolle des Kreativchefs Don Draper ein ziemliches Ekel ist, scheint niemanden zu stören.

Gelfrisuren sind eine Frage des Alters

Denn Männern mit Gelfrisur haftet nicht nur ein positives Image an. Man denke nur an HSH-Nordbankchef Dirk Jens Nonnenmacher oder "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. Beide werden ähnlich skeptisch beäugt wie die Institutionen, für die sie arbeiten. Oder auch Michael Douglas, der gerade wieder als fieser Finanzhai Gordon Gekko im Kino zu sehen ist. 13 Jahre nach "Wall Street" liefert Regisseur Oliver Stone eine Fortsetzung seines Erfolgsfilmes - und verpasst Gekko wieder die gelgetränkte Matte.

Dass manche Männer als Dandy und andere als "Schmierlappen" wahrgenommen werden, ist laut Wippermann eine Frage des Alters. Frauen bekommen mit den Jahren Cellulite, Männer schütteres Haar. Bei Jungspunden wie Schauspieler Chace Crawford oder Fußballer Mario Gomez ist das volle, zurückgegelte Haar also ein Ausdruck von Männlichkeit. Wenn allerdings schon die Kopfhaut durchblitzt, sollte man lieber zur Schere statt zur Geltube greifen. Noch kann sich Karl Theodor zu Guttenberg nicht über schütteres Haupthaar beklagen. Aber auch er wird irgendwann von einem neuen Trendsetter abgelöst werden - vielleicht von einem, der Pferdeschwanz trägt.