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Yves Saint Laurent: Ganz Paris ist voller Trauer

So berühmt Gabriele Strehle und Jil Sander hierzulande sein mögen: Es ist nicht anzunehmen, dass sich Bundeskanzlerin oder -präsident je über sie auslassen werden. Bei Yves Saint-Laurent und in Frankreich ist das anders. Es herrscht echte Trauer über seinen Tod.

Von Astrid Mayer, Paris

Staatspräsident Sarkozy ehrt ihn und Première Dame Carla Bruni sagt, sie sei tolz darauf, mit ihm gearbeitet zu haben. Selbst die erzkatholische und jeglicher Frivolität abholde Ministerin für Städtebau, Christine Boutin, hat ihn mit dem erstaunlichen Satz geehrt, er habe den französischen Frauen möglich gemacht, stolz auf ihre Weiblichkeit zu sein. Ganz Frankreich trauert um den toten Modeschöpfer Yves Saint Laurent.

Die Beerdigung am Donnerstag Nachmittag dürfte ein echtes Ereignis werden, denn der schüchterne Mode-Designer, der aus seinem Kampf mit Drogen und Depressionen nie einen Hehl gemacht hat, war sehr beliebt. "Quelqu'un de bien", ein anständiger Mensch, sei er gewesen, das finden auch Leute, die sich seine Kreationen nie leisten konnten. Und in den diversen Hommages von Industriellen, Politikern und Künstlern an den Couturier par excellence schwingt einiges an Nostalgie um bessere Zeiten mit.

Die goldenen Zeiten der Haute Couture sind vorbei

Man weiß, was man ihm schuldig ist: Den weltweiten Ruf französischen Chics. Da sind sich rechte wie linke Politiker einig: Er habe die Pariser Eleganz verkörpert, findet der sozialistische Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, während Ex-Präsident Jacques Chirac ihm gleich die ganze französische Eleganz zuschreibt. Er habe zur Strahlkraft Frankreichs in der Welt beigetragen, meint Premierminister Francois Fillon: Wohl wahr, denn Saint-Laurents Talent und seine Kreativität waren der exportträchtigen französischen Luxusgüterindustrie sehr zuträglich.

"Er war die Inkarnation der französischen Haute Couture", sagt denn auch Bernard Arnault über ihn, dem unter anderem die Marke Louis Vuitton gehört. In Zeiten, in denen Konkurrenz aus Italien und den USA und die Billigfälschungen aus China den französischen Luxus-Labels das Leben schwer machen, stimmt der Tod des großen Künstlers besonders traurig. Die goldenen Zeiten der Haute Couture sind vorbei, immer weniger Häuser können sich den Luxus der teuren Shows noch leisten und ohne die Kundschaft aus den Familien der Ölscheichs wäre es mit dem Glamour wohl schon längst vorbei.

Laurents Errungenschaften sind heute selbstverständlich

Die Revolution, die Yves Saint-Laurent in den 50ern und 60ern angezettelt hat, war so erfolgreich, dass ihre Errungenschaften längst selbstverständlich sind: Eine Frau kann auch in Hosen und ohne Perlenkettchen elegant sein. "Er hat vor allen anderen begriffen, wer die moderne Frau war", sagt die Pariser Couturière Hanae Mori über ihn. Sein langjähriger Lebensgefährte und Geschäftspartner Pierre Bergé bringt es so auf den Punkt: "Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint-Laurent die Macht."

Wie alle Großen wusste Yves Saint-Laurent auch, wo die Grenzen seiner Kunst liegen. Der modernen Modeindustrie gegenüber war er sehr kritisch. "Frauen, die zu sehr der Mode folgen, sind in Gefahr: Ihrer eigenen Natur untreu zu werden, ihrem Stil, ihrer natürlichen Eleganz".

Um sein Genie zu begreifen, muss man ihn nur zeichnen sehen, wie in einer alten Fernsehaufnahme von 1959. In 30 Sekunden entsteht eine Figur in Rock und Pullover, lässig steht sie da, im Bewusstsein, aufs Vorteilhafteste und Bequemste eingehüllt zu sein. Ein schüchterner 23-jähriger lässt einem weiblichen Körper seine ganz dezente und unendlich respektvolle Fürsorge angedeihen. Zwei Striche reichen ihm um zu zeigen, dass das Diktat der Vespentaille der Vergangenheit angehört. Magisch.