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Das Foodtribunal: Kaninchen, Reh und Hirsch: Ist Wild wirklich besser?

Wenn es um Fleisch geht, dann gilt Wild immer als die bessere Wahl. Der Waldbestand wird reguliert, es kommt aus der Region und es ist weitaus gesünder. Aber stimmt das wirklich? Unsere Experten erklären, was es mit Wildfleisch tatsächlich auf sich hat.

Von Katharina Meyer zu Eppendorf

Frau isst Fleisch

Wild gilt als besseres Fleisch. Unsere Experten erklären, was es damit auf sich hat (Symbolbild)

Getty Images

Das Gewissen

Harald Lemke ist Philosoph und Ernährungsethiker:

Bei der Jagd werden Tiere getötet. Punkt. Jäger argumentieren oft, dass sie mit ihrer Jagd eine wichtige Aufgabe erfüllen, weil sie den Bestand regulieren. Biologen wissen aber: Die Waldpopulation braucht die Jäger nicht, sie hält sich selbst im Gleichgewicht. Wer trotzdem Wild essen möchte, das dem Fleisch aus Tierhaltung vorzuziehen ist, sollte auf das Label des Deutschen Jagdverbands achten. Dann kommt das Fleisch aus der Region und nicht aus dem Gehege oder aus Übersee.

Die Gesundheit

Dr. Christina Steinbach ist Ernährungswissenschaftlerin:

Wild ist eine der wenigen Fleischarten, die in Zeiten der Massentierhaltung noch wirklich naturgewachsen sind. Das wird meiner Ansicht nach unterschätzt. Ein Reh oder Wildschwein bekommt keine Antibiotika und ist die ganze Zeit draußen, wo es sich viel bewegen kann. Das Fleisch ist deshalb besonders fettarm. Zum Vergleich: Während 100 g Fleisch vom normalen Hausschwein im Schnitt 9 g Fett und 160 kcal enthalten, sind es bei Fleisch vom Wildschwein nur 3 g Fett und 100 kcal. 

Der Geschmack

Sven Nöthel ist Küchenchef im Restaurant Am Kamin in Mülheim:

Die Wildklassiker in der Küche sind Wildschwein und Reh, oft auch Hirsch. Gemeinsam ist ihnen ein kräftiger Eigengeschmack, der etwas süßlich ist, manchmal auch blutig. Klassisch wird Wild mit Wurzelgemüse und Preiselbeeren zubereitet. Klassische Gewürze sind Lorbeer, Wacholder und Nelken. Mein Tipp ist, alternativ zur sehr beliebten Rehkeule mal ein Ragout aus den Filetstücken zu probieren.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 01/2018 erschienen.