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20. Todestag: Vor 20 Jahren starb Falco – warum er trotzdem niemals tot sein wird

Vor genau zwanzig Jahren, am 6. Februar 1998, kam Falco bei einem Autounfall ums Leben. Doch tot ist der erfolgreichste österreichische Musiker seit Mozart nicht. Er lebt immer noch - durch seine Musik.

Der österreichische Musiker Falco ist zu sehen

Seit mittlerweile 20 Jahren ist Falco tot. Doch seine Musik hat noch heute einen großen Einfluss auf die Popwelt.

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Ich war gerade einmal fünf Jahre alt, als ich anfing, die Schallplatten-Sammlung meines Vaters zu durchstöbern. Auf einmal fiel mir ein Album in die Hände, mit dem ich zunächst überhaupt nichts anfangen konnte. Das Cover zeigte einen Mann in einem schwarzen Anzug. Er saß in einem dunklen Raum auf einem Stuhl. Nur durch ein Gitterfenster wurde der Raum etwas beleuchtet. Dieses Bild machte mir etwas Angst: "Papa, ist das ein Horror-Film?", fragte ich meinen Vater. Er antwortete: "Nein, das ist ."

"Was für ein Fall?", fragte ich mich, während ich die Platte aus der zog und sie auf den Plattenspieler legte. Ich setzte die Nadel auf und es fing an zu knistern (eines der schönsten Geräusche, wie ich noch heute finde). Den ersten Track mochte ich nicht, aber der zweite gefiel mir von der ersten Sekunde an. Der Beat. Der Mann, der so komisch sang, sprach, rappte – und der Refrain erst: "Drah' di net um, oh oh oh. Schau, schau, der Kommissar geht um! Oh oh oh."

Der erste weiße Rapper

Heute, 17 Jahre später, am 20. Todestag von Falco, finde ich die Nummer fast noch besser als damals. Der Sound, die Sprache, die . Das war der erste deutschsprachige Hip-Hop-Song überhaupt. Nicht die Fantastischen Vier, nicht Advanced Chemistry, nicht Fettes Brot und auch nicht Der Tobi & das Bo, sondern Falco hat das erste Mal auf Deutsch gerappt – und das schon 1982. Da wusste Smudo wahrscheinlich noch nicht einmal, wie man ein Mikrofon richtig hält (und ich bin noch mit der Trommel um den Tannenbaum gelaufen).

Aber nicht nur mit "Kommissar" war Falco seiner Zeit voraus. Er war es mit allem: seiner Person, seiner Sprache, seinem Lebensstil. Dazu muss man sich nur einmal die deutsche Musiklandschaft der vergangenen Jahre anschauen. Im Album "Kiki" des Rappers Nimo heißt es zum Beispiel: "Ich bin bald rei-ei-eich wie Falco/ Und du bist neidisch auf mich/ Auf alles, was ich besitz'/ Diggi, geb' einen Fick/ Ich werd' von Frauen geliebt wie Falco." Ausgerechnet ein gerade einmal 22-jähriger Rapper spricht in seinem Song über einen Mann, den er kaum miterlebt hat. Das sagt schon ziemlich viel über den heutigen Status von Johann "Hans" Hölzel aus, wie Falco mit bürgerlichem Namen hieß.

Falco – und der Kampf gegen die Öffentlichkeit

"Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair", singt er in "Rock me Amadeus" über . Übrigens: Das ist bis der heute einzige deutschsprachige Hit, der es auf Platz eins der US-amerikanischen Billboard-Charts schaffte. Heutzutage könnte man das auch über Falco sagen. Ein Mann, der zu Lebzeiten einzigartig, dekadent und arrogant war. Das wusste er auch: "Ich bin mir ganz im Klaren darüber, dass mir diese Arroganz eine Unsicherheit ist", sagte er einmal im Interview.

Nur kam diese Art in und Österreich nicht immer gut an. Öfter stießen er und seine Musik auf Widerstand. "Kommissar" und "That Scence" wollte der österreichische Radiosender Ö3 zunächst nicht spielen. Falco sei "ein Geistesgestörter", urteilte der Radiosender. Der Song verkaufte sich trotzdem sieben Millionen Mal weltweit, weswegen der Sender letztlich keine Wahl hatte, ihn zu spielen. Allerdings kommentierten die Moderatoren sein Lied herablassend mit den Worten: "Das war Falco, jetzt aber spielen wir ordentliche Musik."

Bei "Jeanny" war die öffentliche Empörung noch viel größer. Verschiedene Fraueninitiativen riefen zum Boykott auf. Der NDR und der BR spielten das Lied "aus ethischen Gründen" nicht, und sogar Thomas Gottschalk nannte Falco daraufhin in einem Zeitungskommentar ein "Wiener Würstchen", das "Schwachsinn" produziere. Der Song verkaufte sich trotzdem allein in Deutschland über 2,5 Millionen Mal.

"Muss ich denn sterben, um zu leben"

Falco war angesagt und umstritten zugleich. Genie und Wahnsinn gingen bei ihm Hand in Hand. Sein Motto: "Skandal! Schlagzeile! Skandal, et cetera. Das ist gut, das ist Showbiz." Mit diesem Image spielte er gerne. Eigentlich etwas, was man nur von internationalen Weltstars kennt: einem David Bowie, einer Madonna, einem Tupac, einem Bob Dylan, einem Michael Jackson. Genau in diese Riege gehört Falco. Immer zwischen Genie und Wahnsinn. Er war eben "ein Virtuose, ein Popidol" – er war genau das, was er über Mozart sang. Und genau das hat ihn unsterblich gemacht.

Seine Lieder werden heute noch gesampelt, also in neuen Songs weiterverarbeitet. Flers "Neue Deutsche Welle" beruht auf "Rock Me Amadeus", Fettes Brot machte das Gleiche in "An Tagen wie diesen" mit "Jeanny". Bei Bands wie Wanda und Bilderbuch hört man ganz stark den Einfluss von Falco auf ihre Musik an. Es ist im Grunde so, wie er es in "Out of the darks" singt: "Muss ich denn sterben, um zu leben?"

Ja, anscheinend musste er erst sterben. Aber seine Musik lebt weiter – auch bei jungen Menschen. Und das ist das größte Kompliment, das ein Künstler bekommen kann.