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Rassismus oder nicht?: CNN-Moderator Chris Cuomo als "Fredo" beleidigt – wer oder was ist "Fredo"?

Ein Video zeigt, wie sich CNN-Moderator Chris Cuomo mit einem Mann zofft, der ihn "Fredo" genannt hat. Für den Journalisten ein Wort so schlimm "wie das N-Wort". Donald Trump freut sich und verkauft "Fredo"-T-Shirts. Allein: Was soll "Fredo" sein?

Chris Cuomo

Chris Cuomo, Moderator der CNN-Abendsendung Cuomo Prime Time

Picture Alliance

Kann "Fredo" eine Beleidigung sein? Für den CNN-Moderator Chris Cuomo auf jeden Fall. "Das ist für uns wie das N-Wort", sagte der Fernsehjournalist jüngst aufgeregt in einem Video, in dem er keine gute Figur macht. In dem Clip streitet er sich mit einem Mann, der ihn offenbar "Fredo" genannt hat. Es fällt oft ein mit "F" beginnendes Kraftwort und am Ende lässt der TV-Mann den Satz fallen: "Ich werde dich verdammt noch mal die Treppe runterwerfen." Niemand geringeres als CNN-Hasser und US-Präsident Donald Trump leitete das Video weiter und schrieb dazu: "Ich dachte auch, dass Chris ein 'Fredo' sei. Die Wahrheit schmerzt." Seit diesem Tweet streiten sich die Amerikaner darüber, ob "Fredo" ein Schimpfwort ist – und was es überhaupt bedeutet.

"Fredo" ist der Loser aus "Der Pate"

Im Grunde genommen ist die Antwort einfach: Ein Fredo ist ein Loser, ein Schwächling. Der Begriff stammt aus dem Mafia-Epos "Der Pate". Dort wird Frederico Corleone, genannt Fredo und Sohn des Paten Vito Corleone, zur tragischen Figur der Familie. "Er ist die Antithese zu jemandem, den man stark und mächtig nennen würde", sagte Edward Falco, Autor der Serie "Die Corleones" der "Washington Post". So weit, so abfällig also. Aber auch rassistisch wie das verpönte "N-Wort"?

Mehrere prominente Demokraten beschuldigen US-Präsident Donald Trump, er ebne mit seiner Rhetorik den Weg für Hassverbrechen.

Nur wenig bringt die amerikanische Öffentlichkeit in Rage, wie öffentliche, rassistische Schmähungen – und die Debatte darüber, wie rassistisch diese Schmähung nun wirklich war. Der südafrikanische Kabarettist und Moderator der "Daily Show", Trevor Noah, spielt mit den Stereotypen. Er verstehe ja, dass "Fredo" für ein negatives Klischee eines Italieners stehe, aber lustig sei auch, dass sich Cuomo ebenfalls wie das negative Klischee eines Italieners verhalten würde. Auf die Frage, ob "Fredo" wie das "N-Wort" sei, antwortet sein Comedy-Kollege Roy Wood Jr. erst gar nicht, stattdessen schaut er nur sekundenlang bedrohlich in die Kamera.

Interessanterweise springen einige Konservative wie "Fox"-Moderator und Trump-Freund Sean Hannity Cuomo bei, während Vertreter des anderen Lagers, darunter die Black-News-Seite "The Root", den CNN-Mann für seinen Vergleich kritisieren.

Solange also nicht eindeutig geklärt ist, wie schlimm die Beleidigung "Fredo" tatsächlich ist, versuchen geschäftstüchtige Geister bereits, Profit aus der Angelegenheit zu schlagen. Wie in der Vergangenheit auch, sind es die Leute aus Trumps Wahlkampfteam, die in Echtzeit reagieren: Seit kurzem gibt es im Donald-Trump-Shop "Fredo unhinged"-T-Shirts zu kaufen. Für stolze 34 Dollar – also rund 32 Euro. Neben dem Slogan ("unhinged" heißt in diesem Fall so viel wie "außer Rand und Band") ist das Bild von CNN-Mann Cuomo zu sehen.

Auch Donald Trumps Sohn wurde schon "Fredo" genannt

Neben der Aufregung über die Beleidigung an sich (auch Trump Sohn Donald Jr. und Schwiegersohn Jared Kushner wurden bereits so genannt), fragen sich CNN-kritische, also eher konservative Kreise, ob sich Cuomo eigentlich für seine unflätigen Bemerkungen entschuldigen wolle. Der Sender selbst stellte sich vor seinen Moderator, von ihm selbst ist bislang nur ein zerknirschtes Halb-Sorry zu hören. Auf Twitter bedankte sich Cuomo für die Unterstützung und schreibt weiter: "Die Wahrheit ist aber auch, dass ich besser als die Typen sein sollte, die gegen mich stänkern. Das passiert derzeit ständig. Nicht selten, wenn meine Familie dabei ist. Aber ich habe etwas gelernt: Es gibt keinen Grund noch zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. Ich sollte besser sein als das, was ich ablehne."

Quellen: Donald Trump auf Twitter, Chris Cuomo auf Twitter, "The Root", Shop.DonaldJ.Trump, "The Daily Beast", "Washington Post", Forbes