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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": "Wenn du immer Herr der Lage sein willst, ist Kitchen Impossible nichts für dich"

Dass "Kitchen Impossible" auch ohne Tim Mälzer funktioniert, haben bereits vorangegangene Staffeln bewiesen. Diesmal duellieren sich Roland Trettl und Sternekoch Peter Maria Schnurr.

Kitchen Impossible

Kitchen Impossible? Roland Trettl (links) kocht gegen Peter Maria Schnurr

Einen Südtiroler gegen einen Badener antreten zu lassen, ist für den Zuschauer eine unglückliche Wahl. Wegen ihres Dialekts sind die beiden leider nicht allzu gut zu verstehen. Was hinzukommt: die Sprechgeschwindigkeit von Zwei-Sternekoch Peter Maria Schnurr, der in Leipzig das Restaurant Falco im Hotel Westin führt. Roland Trettl ist schon aus vorangegangenen Staffeln bekannt. Es ist die erste Folge der dritten Staffel, in der Tim Mälzer nicht als Herausforderer antritt. Dass Kitchen Impossible aber nicht nur von den Protagonisten lebt, sondern von den kulinarischen Geschichten, ist eingefleischten Fans längst bekannt.

Schnurr sorgt, mit dem, was man zwischendurch versteht, für eine amüsante Atmosphäre. Der im Schwarzwald geborene Sternekoch ist Vollprofi und meistert seine Aufgaben ziemlich gut für einen Neuling der Sendung. Dass Kitchen Impossible von Bildern und Geschichten lebt, beweisen die Showmacher mit der für Roland Trettl gestellten Aufgabe auf den Kap Verden.

Die vor der westafrikanischen Küste gelegenen Inseln haben ihr ganz eigenes Flair. Das begeistert auch Trettl. Er muss das Nationalgericht "Cachupa", eine Art Bohneneintopf mit Fisch, Fleisch und Gemüse, in einem Privathaushalt nachkochen sowie zwei Desserts auf Sahnebasis. Das Problem: Auf den Inseln gibt es nur haltbare Sahne, die sich nicht gut schlagen lässt. Trettl ist aber für sein ruhiges Gemüt und seine Präzision bekannt. Und er ist kreativ. Mit Frischhaltefolie präpariert er das Rührgerät so, dass es weiterschlägt und Trettl sich anderen Aufgaben widmen kann. 

Roland Trettl kann sich nicht mehr jammern hören

Das Format ist auch grandios dafür geeignet, den Köchen einen Spiegel vorzuhalten. Trettl kann sich beispielsweise nicht mehr jammern hören und ist peinlich berührt, wenn er voll des Lobes von sich selbst ist. Was bei dieser Staffel auffällt, es fehlen kulinarische Elemente wie Kochen bei der Bundeswehr oder in der wilden Natur. Das ist so gewollt, wie Tim Mälzer im Gespräch mit dem stern bestätigte. In der dritten Staffel geht es etwas ruhiger zu. Die Kulinarik kommt aber keineswegs zu kurz.

Kitchen Impossible lebt davon, dass renommierte Köche an ihre Grenzen kommen. Die Aufgaben dieser Episode sind eher soft. Trettls Aufgabe in der Schweiz fällt vor allem durch den unsympathischen Originalkoch auf, der Trettl schon fast Stasi-haft beim Rösti mit Züricher Geschnetzeltes überwacht. Schnurr kocht in Österreich im Gasthaus Josef Floh, das traditionelle Gerichte mit einem gewissen Twist serviert. Dass man bei der Kochshow immer wieder was lernt und auch renommierte Köche nie auslernen, zeigt die Essigmutter. Gewissermaßen die Startzutat ohne die die traditionelle Essigherstellung nicht funktionieren würde.

Zweite Chance in England

Schnurrs zweite Station führt ihn nach London. Was vom Ziel her schon fast langweilt, ist der Ort der Aufgabe bereits zum dritten Mal in England und zum zweiten Mal in der britischen Hauptstadt. Zum Glück gibt es vor allem in Metropolen wie London eine immense Bandbreite von Kulinarik. Der Sternekoch, der eher in der europäischen Haute Cuisine Zuhause ist, muss asiatisch kochen und chinesische Dim Sum, eine Art gefüllter Knödel zubereiten.

Diese Aufgabe muss ihn so nervös gemacht haben, dass er sich beim Zwiebelschneiden die Fingerkuppe abtrennt. Der Weg ins Krankenhaus bleibt ihm nicht erspart. Die Challenge muss der Sternekoch abbrechen. Eine zweite Chance ist ihm drei Wochen später in Kingham vergönnt. Sein Glück? Diesmal darf er sich an moderner britischer Küche versuchen. Sein Glück. Das kann Schnurr. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Schnurr Trettl schlägt und das Duell für sich gewinnt.

Die Grenzen der Komfortzonen wurden bei den beiden Köchen nur angekratzt. Mit deren Profiwissen hätten ihnen ambitioniertere Aufgaben gestellt werden können. Denn: "Wenn du immer Herr Lage sein willst, dann ist Kitchen Impossible nichts für dich", fasst Roland Trettl treffend zusammen. 

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