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TV-Kritik

Weihnachts-Edition: Tim Mälzer ist mit "Kitchen Impossible" zurück: "Und wo ist jetzt das Impossible?"

Es ist der Vorgeschmack auf die vierte Staffel: Die Weihnachts-Edition von Kitchen Impossible knüpft einfach an die bisherigen Erfolge an: bildgewaltige, großartige kulinarische Geschichten, die hochwertig produziert sind. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber.

Kitchen Impossible

Spitzenköche duellieren sich bei "Kitchen Impossible": Tim Raue, Tim Mälzer, Peter Maria Schnurr und Roland Trettl (von links)

Es ist das Weihnachtsgeschenk an "Kitchen Impossible"-Fans: die Spezialfolge zu den Festtagen. Mälzer gegen Raue gilt bei der Kochdokumentation, die bei Vox im Neujahr in die vierte Staffel geht, als die Mutter aller Duelle. Bereits dreimal haben sich die beiden herausgefordert. Einmal gewann Raue, die anderen beiden Male Mälzer. 

Zum Fest der Liebe aber rotten sich sogar die größten kulinarischen Feinde zusammen: Tim Mälzer tritt gemeinsam mit Sternekoch Tim Raue gegen Roland Trettl und Sternekoch Peter Maria Schnurr an. Dabei gilt es Mälzer keinesfalls zu unterschätzen. Sein Image als Frittenkoch und seine schlechte Reputation als Koch, der eigentlich nicht kochen könne, hat Mälzer mit "Kitchen Impossible" längst revidiert. Die Sendung ist ihm auf den Leib geschrieben. Seine Gegner überlegen mittlerweile ganz genau, ob sie gegen den vermeintlichen "Frittenkoch" in den Wettbewerb gehen.

Trettl und Schnurr trauen sich und werden von den beiden Tims nach Finnland geschickt. Dort müssen sie Weihnachtsgerichte der Samen, einem indigenem Volk in Skandinavien, nachkochen. Sie scheitern an den einfachsten Dingen: Möhre wird als Kürbis verwechselt, die Zubereitung eines Milchreises überinterpretiert und profane Zutaten wie Reis oder Zitrone nicht herausgeschmeckt.

Es fehlt der Drive und die Frauen

Wie auch schon in der Weihnachts-Edition im Jahr zuvor, fehlt der Folge etwas der Drive. Das liegt unter anderem daran, dass es nur zwei Duelle gibt und nicht wie üblich vier. Dennoch kommt die Folge auf über 2,5 Stunden. Viel Zeit wird mit dem Geplänkel zwischen den Tims und den anderen zwei Spitzenköchen vergeudet. Was zudem negativ auffällt: Bei den Köchen handelt sich um vier Männer. Erfrischender wäre es gewesen, wenn sich die beiden Tims mal mit zwei Spitzenköchinnen duelliert hätten.

Ein weiterer Wermutstropfen: Gekocht wird bei der Weihnachtsausgabe erst nach etwa 60 Minuten. Hier hätte man gut Längen kürzen können. Aber dann geht es doch endlich wieder ums Essentielle: das Essen, das Kochen und das Talent der Spitzenköche. Die Gerichte kommen bei den Lappen durchschnittlich an, sie haben nicht typisch finnisch-weihnachtlich geschmeckt. Von zehn möglichen kommen die zwei Köche auf fünf Punkte. 

Nach anderthalb Stunden sind endlich die beiden Tims dran. Für TV-Koch Tim Mälzer ist Weihnachten die schönste Zeit im Jahr. Raue feiert sogar über drei Tage lang das Fest der Liebe mit seiner Familie. Eigentlich kennt man Mälzer und Raue eher derb. Sie scheuen nicht davor, mit Fäkalsprache und Wutausbrüchen um sich zu werfen. Aber nach drei Staffeln "Kitchen Impossible" dürfen auch die Rüpelköche ihre softe Seite zeigen. Die Ausbrüche halten sich diesmal auch dezent zurück. Es ist schließlich Weihnachten.

Nach allerlei Geplänkel, Skiabfahrten und Szenen, die man getrost hätte herausschneiden können, kriegen die beiden Tims endlich ihre "Kitchen Impossible"-Box. Sie sollen weihnachtliche österreichische Gerichte nachkochen, die in dritter Generation serviert werden. Emotional aufgeladenes Essen also. Mälzers Steckenpferd. "Und wo ist jetzt das Impossible?", fragt sich Mälzer.

Raue und Mälzer - das Dreamteam

In der Zusammenarbeit sind Raue und Mälzer mittlerweile ein eingespieltes Team. Dennoch von Grund auf verschieden. Raue ist der Strukturierte und Organisierte, der die Kontrolle haben muss: Pro Gericht verwendet er beim Einkaufen beispielsweise einen eigenen Korb. Mälzer hingegen lässt sich treiben. Die beiden ergänzen sich gut.

Was Raue fehlt: das Verständnis für das Rustikale. Er ist Sternekoch und pflegt die feine Küche. Bei traditionellen österreichischen Gerichten kann man auf die perfekte Technik aber getrost pfeifen. Spinatknödel ist nicht mit Chlorophyll gefärbt, sondern da ist wirklich Spinat drin. Es geht ums Einfache. Raue ist zu verkopft, das steht ihm manchmal im Weg. Anders Mälzer. Seine gelassene Art würde Raue gut tun. 

Was Raue und Mälzer schließlich servieren, kommt bei der Jury gar nicht mal so schlecht an. Geschmacklich müssen sich die beiden Tims nichts vorwerfen. Das Urteil fällt gut aus: Sie seien gute Köche und noch bessere Charaktere. "Einzeln sind wir manchmal echt Minus, aber zusammen werden wir Plus", sagt Tim Mälzer über die gemeinsame Leistung. Eigentlich sollte es ein Leichtes sein, Trettl und Schnurr zu schlagen. Ganz knapp gelingt es ihnen. Mit 5,2 Punkten.

Mälzer und Raue mögen die gemeinsame Challenge harmonisch gemeistert haben. Im nächsten Jahr wird es aber wieder Zeit – für die Mutter aller Duelle: Tim gegen Tim.

Kitchen Impossible Tim Mälzer Christian Bau