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TV-Kritik

Kitchen Impossible - die Weihnachtsedition: "Das hat nichts mit Weihnachten zu tun" – warum Tim Mälzer unbesiegbar bleibt

In der Weihnachtsedition von "Kitchen Impossible" ist alles anders: Tim Mälzer und Tim Raue treten gegen ihre Gegner Roland Trettl und Christian Lohse an. Bei denen kracht es gewaltig, die Tims gehen auf Tuchfühlung. 

Tim Mälzer Kitchen Impossible

Doppel-Duell der Spitzenköche: (von links) Tim Raue, Tim Mälzer, Christian Lohse und Roland Trettl

Ja, es geht wieder weiter! Doch Moment, zu früh gefreut. Diese Folge ist nur ein kleines Weihnachtsgeschenk für eingefleischte "Kitchen Impossible"-Fans. Erst im Januar 2018 startet die dritte Staffel der erfolgreichen Kochshow. Zum Glück! Das hätte auch anders laufen können.

In einer Pilotfolge, die am 23. Dezember 2014 ausgestrahlt wurde, wollte Vox herausfinden, ob das Publikum für so eine Art Kochshow überhaupt bereit war. Es war nicht bereit. Das lag aber eher daran, dass die Folge einen Tag vor Weihnachten gezeigt wurde. Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter gewählt sein können. Trotzdem glaubten die Produzenten um Sven Steffensmeier an den Erfolg der Sendung und probierten es im darauffolgenden Jahr noch einmal. Mit Erfolg. "Kitchen Impossible" schlug ein.

Mälzer und Raue vs. Trettl und Lohse: Alphapower in der Küche

Auch die Erwartungen an die zweite Staffel waren riesig, die wurden aber mehr als erfüllt. Mit der Weihnachtsedition hatten die Produzenten einen neuen Angang: Nicht zwei Köche müssen sich duellieren, sondern zwei Paare. In dem Fall: Tim Mälzer und Tim Raue gegen Roland Trettl und Christian Lohse. Ob soviel Alphapower in der Küche gut gehen kann? Können ja, aber zumindest nicht bei Trettl und Lohse. Die zicken sich im Nirgendwo in Alaska ab der ersten Minute an, und kriegen nur mit Müh' und Not ihr Weihnachtsmenü gebacken. Und gekocht.

Das liegt auch an Sternekoch Christian Lohse, der zu oft seinen Dickschädel durchsetzen will und sich von Trettl nicht respektiert fühlt. Der Dickkopf hat ihm bereits in vorherigen Duelle den Sieg gekostet. Beleidigt ist er auch schnell, weil das Weihnachtsmenü in Alaska nicht seinen Vorstellungen von Weihnachten entspricht. "Das hat nichts mit Weihnachten zu tun". Mit so einer Einstellung kann man einfach nicht gewinnen.

Anders hingegen Tim und Tim. Mälzer gegen Raue ist eigentlich die Mutter aller Duelle - und mitunter das spannendste Kochduell bei "Kitchen Impossible". In der Weihnachtsedition kochen die beiden gemeinsam in Lettland. Schnell wird klar, Raue ist der Strukturierte, der Techniker. Mälzer der Spaßvogel, der emotionale Koch, das passt wie der Deckel auf den Topf. Was im Einzelduell ihre Achillesferse ist, weil sie beide um ihre Schwächen wissen, funktioniert im Duo perfekt. Mälzer hält sich in der Küche bewusst zurück und springt für Raue in die Bresche, wenn der nicht weiter weiß. Am Ende zaubern die beiden gemeinsam - und nicht als Einzelkämpfer wie Lohse und Trettl - ein gutes Weihnachtsmenü auf den Tisch und gewinnen das Duell.

Ein ums andere Mal bringt Tim Mälzer seine Kritiker, die an seinen Kochkünsten zweifeln, länger zum Schweigen. Mit "Kitchen Impossible" hat er längst bewiesen, wie gut er am Herd ist. Ein Grund, warum sich seine Duellpartner immer wieder die Zähne an ihm ausbeißen. Sie unterschätzen Mälzer. Das bestätigt auch Sternekoch Raue in einer fast übertriebenen Lobeshymne in der Episode. 

Wermutstropfen: Die Folgen der Staffeln sind besser

Trotzdem hat die Spezial-Folge nicht den gleichen Drive wie die Episoden der bisherigen zwei Staffeln. Das liegt unter anderem daran, dass es nur zwei Duelle gibt und nicht wie üblich vier. Dennoch kommt die Folge auf über 2,5 Stunden. Die restliche Zeit wird leider nicht mit großartigen Food-Aufnahmen, gewaltigem Sound und kulinarischen Geschichten gefüllt, die "Kitchen Impossible" ausmacht, sondern mit dem Geplänkel zwischen den Tims und den anderen zwei Spitzenköchen.

Dass sich "geil" findet, wissen wir bereits – das wird ihm an dieser Stelle verziehen. Das Problem: In Viererkonstellation schaukeln sich die Köche hoch - und finden sich am Ende alle "geil". Da fehlte der Produzent, der dem ein Ende bereitet. Schade eigentlich.

Natürlich hat die Folge ihre komödiantischen Einlagen, wenn die Tims vor dem Kochen in der lettischen Sauna "behandelt" werden, Mälzer die Badehose runterzieht oder Lohse den Pürierstab fast schon lasziv in den Mund nimmt. Großartige Fremdschämmomente! Aber die kulinarischen Geschichten, das Probieren und das Kochen kommt etwas zu kurz. Man will es in den Köpfen der Spitzenköche rattern hören, sie an ihre Grenzen kommen sehen.

Hoffentlich ist die Spezial-Folge kein böses Omen für die dritte Staffel. Aber wie die Fans bereits aus den ersten beiden gelernt haben – man muss ein bisschen Vertrauen haben. Die Freude auf die 3. Staffel bleibt (hoffentlich) ungetrübt.