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Interview

"Kitchen Impossible": Tim Mälzer: "Frauen finden mich vielleicht zu prollig"

Die Erfolgskochshow "Kitchen Impossible" geht in die dritte Runde. Der stern hat mit Tim Mälzer darüber gesprochen, ob er Angst hat, dass sich das Format irgendwann abnutzt und warum die Hoffnung der Fans besteht, dass Jamie Oliver an der Sendung teilnehmen wird.

Tim Mälzer

Die Aufgaben für Tim Mälzer bei "Kitchen Impossible" werden gemeiner und unlösbarer

Es ist die dritte Staffel von "Kitchen Impossible", Herr Mälzer. Die Kontrahenten wissen um ihre Schwächen. Haben Sie das Gefühl, dass die Aufgaben gemeiner und unlösbarer werden?

Tim Mälzer: Ganz deutlich ja. Ich schicke meine Kontrahenten zum Tortilla machen, mit nur zwei Zutaten - Kartoffeln und Eier. Im Gegenzug werde ich nach Japan geschickt und muss mich in der Hochküche des Landes beweisen, in der man eine handwerkliche Perfektion besitzen muss.

Das hat sie wütend gemacht.

Und wie. Ich war wirklich beleidigt und gebe einen sehr ehrlichen Kommentar ab, dass ich mit diesen Menschen gerade nicht mehr in einem Raum sein will. Ich wurde quasi angegriffen, und das mochte ich in dem Moment überhaupt nicht.

Ich habe in die ersten beiden Folgen bereits hineingeschnuppert. Es fällt auf, dass bei Ihnen der Ehrgeiz nicht geweckt wird. Woran liegt das?

Es hat tatsächlich etwas länger gedauert, bis ich in dieser Staffel wieder zum alten Ehrgeiz gefunden hatte. Es waren aber auch die Umstände. In der ersten Folge koche ich beispielsweise in Griechenland. Der Ehemann der Köchin hatte nur zwei Wochen vor unseren Dreharbeiten einen Schlaganfall erlitten. Aber sie wollte das Projekt unbedingt realisieren. Gefühlt war der Mann quasi nebenan. So etwas lässt mich nicht kalt, da mache ich mir so meine Gedanken und bin emotional dann nicht komplett auf Kurs bei der Challenge.

Oje.

Ich wurde in dieser Staffel entweder vor Herausforderungen gestellt, in denen ich sehr demütig war. Oder aber vor Aufgaben gestellt, die schier unlösbar schienen.

In den ersten beiden Folgen sagen Sie wiederholt, dass "Kitchen Impossible" Ihnen den Spaß am Kochen raubt. Ist das wirklich so?

Nein, natürlich nicht. Das sind in dem Moment echte, reale Gedanken. Aber nach einer gewissen Reflexionszeit weiß ich natürlich, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich muss halt auch manchmal Dinge machen, vor denen ich sehr großen Respekt habe. Beispielsweise in Japan. Ich werde niemals Sushi in der medialen Öffentlichkeit zubereiten und versuchen so zu tun, als könne man das mal eben so. Weil ich es anmaßend finde, wenn Menschen in Japan einerseits sieben Jahre für eine Ausbildung zum Sushi-Meister brauchen und dieses Wissen dann andererseits für uns aus dem Kontext rausgeholt und nur noch als Rezept gesehen wird. Genau das musste ich machen – und das wollte ich nicht. Darum hatte ich mich erst einmal vehement geweigert. Am Ende hat sich aber alles gut aufgelöst.

War das Ihr emotionalster Moment in der Staffel?

Nein, der war in London, als wir zu meiner ehemaligen Wohnung gefahren sind. Ich habe in London als Lehrling gearbeitet, anfangs war ich sehr einsam. Als ich im Hinterhof stand, habe ich Gänsehaut bekommen und über mein Leben nachgedacht: woher ich komme, wo ich mich durchkämpfen musste, was mir geschenkt wurde. Und im emotionalsten Moment höre ich plötzlich die Produzentin "Zurück" rufen. Das Kamerateam zieht sich komplett zurück und geht auch aus dem Bild. Dafür wiederum liebe ich "Kitchen Impossible". 

Von acht Folgen duelliert sich nur eine Frau mit Ihnen. Warum ist das so?

Ich habe das Gefühl, dass Frauen diesen Wettbewerb nicht schätzen. Wir fragen viele Frauen an, die meisten sagen ab. Es ist so schade, weil sie sich einer Bühne verweigern, die wirklich deutlich machen kann, wie geil man kochen kann. Auch die Frauen können das eigentlich. Vielleicht finden sie mich auch zu prollig - und manche wollen einfach nicht kochen, um einen Wettbewerb zu gewinnen. Wenn Sie tolle Köchinnen kennen, die Lust haben, sagen Sie mir Bescheid!

Im vorherigen Dezember habe ich Jamie Oliver getroffen und ihn gefragt, wann er endlich bei "Kitchen Impossible" teilnimmt. Er sagte, er wäre nie gefragt worden.

Das stimmt nicht. Seit Staffel eins fragen wir ihn. 

Macht er denn irgendwann Mal mit?

Das weiß ich noch nicht. Bei Jamie ist es wie bei mir. Ich habe schon einen scheiß Terminplan, Jamie hat  einen richtigen scheiß Terminplan. Aber ich habe ihn intensiv gebeten, weil es einer der schönsten und emotionalsten Duelle werden würde.

Weil Sie zusammen in London gelernt haben und genau um ihre Schwächen wissen?

Weil wir den Sieg-Niederlagen-Gedanken nicht haben werden. Wir wollen uns nur Gutes tun. Weil wir beide wissen, dass das Gewinnen gar nicht wichtig ist, sondern dass das schöne Essen wichtig ist. 

Wir warten sehnlichst darauf.

Ich auch, das können Sie mir glauben.

Gibt es neben Jamie Oliver noch andere Köche, gegen die Sie unbedingt mal kochen wollen würden?

Eckart Witzigmann. Den hätte ich liebend gern dabei, aber das wäre nicht fair, weil ich wollen würde, dass er gewinnt. Ich bewundere ihn menschlich und fachlich. Vor ihm habe ich zu viel Demut ihm gegenüber.

Haben Sie Angst, dass sich das Format irgendwann abnutzt?

Ja. Davor habe ich wirklich eine gewisse Angst. Ich glaube zwar nicht, dass wir es zu Ende erzählt haben. Aber ich habe Angst, dass sich der Zuschauer nach einem immer größeren Extrem sehnt. Noch mehr Wut, noch mehr Überheblichkeit von mir. Noch ausgefallenere Gerichte. Ich möchte aber kein Stereotyp sein und irgendwann das erwartete Klischee erfüllen.

Aber werden Sie immer ein Teil von "Kitchen Impossible" bleiben?

Das Format ist so stark, dass es auch mit anderen Köchen gut funktionieren könnte. Ich bin sehr froh, dass ich es habe starten können. Aber es wird bei mir vermutlich irgendwann ein natürliches Ende geben. Ich hoffe aber, dass ich noch eine vierte Staffel machen kann.