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Berufung stattgegeben: "Making a Murderer": Neue Hoffnung für Steven Avery? Fall wird wieder geprüft

Spätestens seit der spektakulären Netflix-Doku "Making a Murderer" wühlt der Fall des Steven Avery und seines Neffen Brendan Dassey die Amerikaner auf. Jetzt gibt es eine erneute Wende.

Making a Murderer

"Making a Murderer": Der fälschlich verurteilte Steven Avery galt als lebendes Symbol einer gescheiterten Justiz – bis er erneut weggesperrt wurde

Picture Alliance

"Making a Murderer" ist die am meisten gehypte True-Crime-Doku der vergangenen Jahre, vermutlich aller Zeiten. Zuletzt erhitzten sich die Gemüter an der Diskussion um die Qualität der zweiten Staffel des Netflix-Hits. Fest steht aber, dass der Fall des Steven Avery und seines Neffen Brendan Dassey die Amerikaner aufgewühlt hat. Umso gespannter dürften Beobachter nun die neue Wende registrieren.

Wie seine Anwältin Kathleen Zellner jetzt mitteilte, werde das Bezirksgericht Wisconsin den Fall erneut prüfen. Am vergangenen Montag habe das Berufungsgericht Averys Antrag stattgegeben, die Akte mit neuen Beweisen (die sich auf die verbrannten Knochen beziehen, die auf Averys Anwesen an einer Feuerstelle gefunden wurden – Anm. d. Red.) zu ergänzen, so Zellner gegenüber "Newsweek": "Der Fall wird an das Bezirksgericht zurückverwiesen, um ein Verfahren durchzuführen, das auch eine Anhörung beinhalten kann."

"Making a Murderer": Steven Averys Antrag

Das Bezirksgericht könne ein neues Verfahren erteilen oder zurückverweisen an das Berufungsgericht, das die Verurteilung rückgängig machen oder ein neues Verfahren erteilen kann. "So oder so: Der Staat hat sich diesem Antrag widersetzt und verloren", sagte Zellner. Dieser Beweis habe das Potenzial, den ganzen Fall rückgängig zu machen: "Also ist es ein großer Gewinn."

Die Geschichte um den US-Amerikaner Steven Avery und seinen lernbehinderten Neffen Brendan Dassey fesselte dank Netflix Millionen Menschen weltweit. Avery, 1962 als Sohn einer Schrotthändler-Familie im US-Bundesstaat Wisconsin geboren, wurde 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er eine Joggerin überfallen und brutal vergewaltigt haben soll. Er beteuerte seine Unschuld, die nach 18 Jahren in Haft tatsächlich durch einen DNA-Abgleich bewiesen wurde. Er kam frei und verklagte seinen Bezirk Manitowoc County auf 36 Millionen US-Dollar Schadenersatz.

Bevor darüber aber ausreichend verhandelt werden konnte, saß Avery schon wieder im Gefängnis. Dieses Mal lautete der Vorwurf auf Mord. Er soll eine 25-Jährige vergewaltigt und getötet haben. Ihre sterblichen Überreste wurden auf dem großen Gelände der Familie Avery gefunden, Blutspuren von Steven fanden sich in ihrem Auto, er war der letzte, der sie lebend gesehen hatte. Sein Neffe gestand im aufgezeichneten Polizeiverhör, die junge Frau gemeinsam mit seinem Onkel vergewaltigt, getötet und verbrannt zu haben, zog sein Geständnis später jedoch zurück und behauptet bis heute, die Polizisten hätten ihn dazu gedrängt. Averys Verteidiger behaupten, die Beweise gegen ihren Mandanten seien durch die von ihm persönlich verklagten Polizeibeamten platziert worden, um der Schadensersatzklage zu entgehen. Avery und Dassey verloren ihre Verhandlungen und mehrere Berufungsanträge. Sie sitzen seit 2007 lebenslange Freiheitstrafen ab.

Netflix-Trailer: "Making a Murderer 2"
tim