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Remake: "Sailor Moon" läuft endlich wieder im TV – und beamt uns zurück ins Jahr 1998

Die Anime-Serie "Sailor Moon" erreichte in den Neunzigerjahren Kultstatus – nun kommt sie endlich zurück ins deutsche Fernsehen, als Remake "Sailor Moon Crystal". Unsere Autorin war als Kind Riesenfan und hat sich die ersten beiden Folgen angeschaut.

Das Remake "Sailor Moon Crystal" läuft ab sofort auf dem Sender Sixx

Das Remake "Sailor Moon Crystal" läuft ab sofort auf dem Sender Sixx

"Sag das Zauberwort und du hast die Macht / Halt den Mondstein fest und spür die Kraft / Du kannst es tun / Oh, Sailor Moon!" Na, auch direkt Gänsehaut bekommen? Dann bist du wohl ein Millennial und hast deine Nachmittage regelmäßig vor dem Fernseher verbracht. So wie ich. Wir schreiben das Jahr 1998, ich gehe noch in den Kindergarten und renne alle paar Wochen aufgeregt zum Bäcker, in der Hand mein mühsam zusammengekratztes Taschengeld. Das Objekt der Begierde: die neueste Ausgabe "Sailor Moon", der Zeitschrift zur Anime-Serie. Aber ich bin nicht allein. Weil 3,90 DM als Sechsjährige nicht gerade wenig sind, habe ich mit meiner besten Freundin Katrin einen Deal: Wir kaufen die Zeitschrift, die alle zwei Wochen erscheint, immer abwechselnd. Und tauschen dann, wenn wir fertig mit "Lesen" sind. Da wir noch nicht lesen können, bedeutete das, alle Bilder genauestens anzuschauen.

Die wahrscheinlich größten "Sailor Moon"-Fans im Dorf

Damals haben wir nicht nur jede Folge auf RTL2 geguckt, sondern auch alles von "Sailor Moon" gesammelt, was für den schmalen Brustbeutel erschwinglich war: die Zeitschrift, die zahlreichen Sonderhefte, Malbücher, lebensgroße Starschnitte zum Zusammenkleben ... und natürlich waren wir voll verknallt in Tuxedo Mask, der geheimnisvolle Mann im Smoking, der Sailor Moon alias Usagi alias Bunny regelmäßig aus der Patsche geholfen hat. Wir waren die wahrscheinlich größten "Sailor Moon"-Fans in unserem Dorf. 

Das Magazin gibt es nun seit fast 20 Jahren nicht mehr, auf dem Dachboden meiner Eltern verstauben aber trotzdem noch ein paar Ausgaben (die ich nach Weihnachten auf jeden Fall mit nach Hamburg nehmen werde). Meinen letzten Berührungspunkt mit "Sailor Moon" hatte ich in der 13. Klasse. Ausgerechnet kurz vorm Abi erzählte mir eine Mitschülerin, dass jemand alle Folgen auf Youtube hochgeladen hatte. Und was tut man als verantwortungsvolle Abiturientin? Natürlich, man schaut alle 200 Episoden innerhalb weniger Wochen – schließlich würde es nicht lange dauern, bis die illegalen Videos gelöscht werden. (So kam es natürlich auch – aber ich war schneller!) 

"Sailor Moon Crystal" ist endlich im deutschen Free-TV

Umso mehr habe ich mich jetzt gefreut, als ich erfuhr, dass es "Sailor Moon" endlich zurück ins deutsche Fernsehen geschafft hat. Um genau zu sein, ist es das Remake von 2014: "Sailor Moon Crystal". Seit vergangenem Samstag läuft die deutsche Erstausstrahlung im Free-TV – und zwar nicht auf irgendeinem Kindersender, sondern auf Sixx. Ein Statement für Nostalgiker wie mich. Die Serie hat Kultstatus, und auch wenn "Sailor Moon" von einem 14-Jährigen Mädchen mit Pubertät und magischen Problemen handelt, darf ich als erwachsene Frau einschalten.

Die ersten beiden Folgen, die bereits liefen, unterscheiden sich – meiner Abi-Erinnerung nach – handlungstechnisch kaum von der 1995er-Serie. Ein Problem sind eher die neuen deutschen Synchronstimmen. Sailor Moon alias Usagi alias Bunny wird  – zum Glück – wieder von Sabine Bohlmann, die auch schon in der ersten Staffel "Sailor Moon" der Protagonistin ihre Stimme geliehen hat, gesprochen. (Zur Erinnerung: Das ist die, die auch die Maulende Myrte in "Harry Potter" und Pikachu in "Pokémon" synchronisiert hat.) Mamoru alias Tuxedo Mask hat dagegen leider eine neue Stimme. Ebenso Luna und Ami. Sehr gewöhnungsbedürftig. Genauso wie die neue Melodie bei der Verwandlung.

Mehr Japan-Feeling für die Fans

Das Remake orientiert sich außerdem stärker an der Manga-Vorlage. Die Neunziger-Serie drohte aufgrund der schnellen Entwicklung damals die Manga-Reihe zu überholen. Deswegen gab es zusätzliche Erzählstränge und Füllepisoden. Bei "Sailor Moon Crystal" fallen diese weg. Man hält sich an das japanische Original: Für den Titelsong gibt es keine deutsche Version und Namen wie Ami werden so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden und nicht wie der englische Name Amy. Bunny heißt jetzt nur noch Usagi und ihre Befehle werden nicht mehr übersetzt. Statt "Mondstein, flieg und sieg!" heißt es "Moon Tiara Boomerang!".

Und nicht nur optisch hat "Sailor Moon" eine Generalüberholung bekommen (die Kriegerinnen sind noch dünner und noch hübscher), sondern auch technisch: Usagi benutzt einen Laptop – zu Zeiten meiner Kindheit unvorstellbar – und die roten Steine auf ihren beiden Dutts blinken, wenn jemand Hilfe braucht, und funktionieren wie ein magisches Walkie-Talkie. 

Trotzdem ist und bleibt Usagi die tollpatschige, aber mutige Heulsuse, mit der ich mich schon als kleines Mädchen identifizieren konnte. Und vielleicht schafft "Sailor Moon Crystal" das, was schon so viele Serien vor ihr versucht haben: mich zurück zum linearen Fernsehen zu bringen. Denn sind wir mal ehrlich: Für das richtige Neunziger-Feeling braucht es eine feste Uhrzeit, nervige Werbeunterbrechungen und die eeeeewige Wartezeit bis zur nächsten Folge. 

Jeden Samstag um 18:15 Uhr gibt es eine neue Doppelfolge "Sailor Moon Crystal" auf Sixx oder zum Nachschauen in der Mediathek.