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Meinung

Viel zu überbewertet: Ich kann "Bird Box" nicht mehr sehen! Vier Fragen, die sich mir zum Netflix-Hype stellen

Augen zu und durch – das erging nicht nur Sandra Bullock so, sondern auch unserer Autorin. Für sie ist der ganze Hype viel Rauch um nichts. Das sind Fragen, die sie sich während des Films gestellt hat.

"Bird Box": So (lustig) sehen die nicht gezeigten Kreaturen aus

Achtung, Spoiler! Falls du "Birdbox" noch nicht gesehen hast, solltest du nicht weiterlesen, der Text enthält Hinweise auf die Handlung.

2018 war das Jahr der Netflix-Eigenproduktionen und ganz ehrlich, die meisten waren echt großer Mist. Ich lasse die ganzen furchtbaren Weihnachts-Rom-Coms schon aus meiner Miesheits-Skala aus. Wolfsnächte, Outlaw King, Auslöschung – Netflix holt sich gute Schauspieler und produziert mittelmäßige Filme am Fließband. Masse statt Klasse. Und ja, für mich gehört auch der aktuell bis in den Himmel gehypte "Horrorfilm" mit Sandra Bullock dazu: "Bird Box".

Fragen über Fragen

Eigentlich bin ich ein echter Schisser und traue mich nie, wirklich niemals, einen Horrorfilm alleine zu schauen; schon gar nicht abends. Jetzt hat aber leider jeder – und damit meine ich alle Social-Media-Plattformen und damit die ganze Welt – diesen Film so krass angepriesen, dass ich meine Omi geschnappt, mich mit einer Decke zum Übers-Gesicht-Ziehen bewaffnet und auf die Couch gesetzt habe. Und dann warte ich und warte und grusel mich eigentlich nur davor, dass Sandra Bullock mit 54 Jahren immer noch so gut aussieht. Versteht mich nicht falsch, aber der Film war eher so meh. Liegt das jetzt daran, dass ich einfach nach dem ganzen Gehype zu hohe Erwartungen hatte, oder, dass ich mir während des Films einfach zu viele Fragen gestellt habe? Hier nur mal einige davon:

Wie heißt sie jetzt wieder?

Malo-was? Ungefähr die ersten 20 Minuten des Films war ich ausschließlich damit beschäftigt, immer ganz genau hin zu hören, wenn jemand die relativ unsympathische Hauptdarstellerin angesprochen hat. Vielleicht liegt das an meinem schlechten Gehör, vielleicht aber auch daran, dass es nicht sooo spannend war.

Warum genau braucht man jetzt zwei Schwangere?

Ok, die Apokalypse bricht also aus und die Hauptfigur Melo-irgendwas ist schwanger. Worst Case. Aber auch irgendwie interessant, weil bei den meisten Endzeit-Filmen endet es dann doch eher mit dem "Die Welt geht unter, aber wir haben uns gefunden und lieben uns so sehr, obwohl wir uns kaum kennen“-Prinzip. Wie es danach weiter geht: Hund, Kinder, Einfamilienhaus. Bleibt hier eher aus. Ist ja in der Apokalypse vielleicht auch nicht die beste Idee. Immerhin entscheiden sich sogar in unserer mittel-heilen Welt viele wegen des Klimawandels, keine Kinder in die Welt zu setzen. Schön, diesen Aspekt findet mein anfangs verwirrtes Gehirn also gut. Aber dann ... warum Netflix, warum?

Ist da plötzlich die super nette ANDERE Schwangere. Warum? War eine nicht genug? Jeder weiß ja sofort, dass die süße, viel zu freundliche Dicke, sowieso stirbt. Dazu ist sie noch das exakte Gegenteil von Melanie, irgendwie nicht sehr einfallsreich. Nur um den Gag mit Mädchen und Junge zu bringen (das sind tatsächlich die Namen der Kinder)? Und schon habe ich die nächsten zehn Minuten der Handlung mit Gedanken über zu viele Schwangere verbracht.

Sind alle Irren gleich?

So, Prinzip des Films: Keiner darf hinschauen, viele machen es aber doch und finden es geil. Irre aus der Anstalt in der Nähe sind wohl ausgebrochen und wollen, dass alle anderen hinschauen, weil es ja so wundervoll ist. Heißt das jetzt, dass alle psychisch Kranken gleich sind? Für mich würde es irgendwie Sinn machen, wenn es nur alle Menschen mit paranoiden Psychosen, also Wahnvorstellungen, treffen würde. Weil die das Grauen vielleicht sowieso in ihrer falschen Wahrnehmung der Realität immer mal wieder gesehen haben und jetzt endlich sehen, dass es wahr wird. Ich weiß nicht, wie es ist, an einer wahnhaften Störung zu leiden: Nur etwa 0,3% der Menschen leiden zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer paranoiden Psychose. Wäre also seltsam, wenn so viele an einem Ort wären, oder? Wer ist also anfällig für die Glorifizierung des Schreckens? Menschen mit viel Fantasie? Jemand, der den Tod schon ein mal gesehen hat? Halt Stop, das waren die "Testrale" bei "Harry Potter". Oh, sie sind schon bei den Stromschnellen, hupsi!

Warum brauchen die Kinder überhaupt Augenbinden?

Gut, das Böse nimmt also die Gestalt deiner größten Ängste an und vor Verzweiflung willst du dich umbringen. Wenn diese Babys jetzt aber schon immer hingesehen hätten, wären sie dann nicht an die Monster gewöhnt, beziehungsweise könnte ein Baby sich überhaupt selbst töten? Man sagt ja nicht ohne Grund, dass Kinder süß und unschuldig sind. Kannst du vor etwas Angst haben, das du noch nie erfahren hast? Was würde ein Baby dann sehen? Hunger? Eine Grimasse? Hätte Mellow-Melli Mädchen und Junge einfach schon immer an den Anblick der Ängste gewöhnt, vielleicht wäre es einfach nur ein netter Spaziergang geworden. "Oder werden wir mit Ängsten geboren?", frage ich mich und zücke mein Handy. Jetzt ist alles vorbei: Fängst du erst einmal während eines Filmes an zu googeln, kann es nur noch bergab gehen. Ok, Unnützes Wissen sagt mir: Wenn wir geboren werden, haben wir nur Angst vor dem Fallen und vor lauten Geräuschen. Also daran hätte sie die zwei auf Jeden easy gewöhnen können, oder?

Und Schluss

Jetzt bin ich sauer auf Melody und scrolle lieber durch Insta, finde aber das Ende mit der Blindenschule ganz gut, da habe ich noch gar nicht dran gedacht ... warum hat sie Mädchen und Junge nicht einfach die Augen ausgestochen?

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