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Virgin Atlantic : Airline schafft Schmink-Zwang ab – das sagen Flugbegleiterinnen dazu

Die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic hat ihre Vorschriften für Flugbegleiterinnen geändert: In Zukunft sind diese nicht mehr verpflichtet, bei der Arbeit Make-up zu tragen. Wir haben deutsche Flugbegleiterinnen dazu gefragt – und die Antworten sind überraschend.

Virgin Atlantic Bordpersonal

Die Vorschriften für das Bordpersonal von Virgin Atlantic wurden gelockert

Wenn wir an Flugbegleiterinnen denken, haben wir wahrscheinlich alle das gleiche Bild vor uns: Eine adrett gekleidete Dame, stilvoll geschminkt und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, die aussieht, als würde sie niemals schwitzen und wüsste nicht, was ein Pickel ist. Das liegt unter anderem daran, dass viele Airlines ihrem Personal vorschreiben, wie es aussehen oder eben nicht aussehen darf. 

Bei der britischen Airline "Virgin Atlantic" war es beispielsweise bislang Vorschrift für weibliches Bordpersonal, mindestens Rouge, Mascara und roten Lippenstift zu tragen. Damit ist es nun vorbei – ab sofort dürfen Flugbegleiterinnen bei Virgin auch ohne Make-up an Bord. Auch Hosen waren bis jetzt nicht Teil der Standarduniform, sondern mussten spezifisch angefragt werden - jetzt werden sie jeder Flugbegleiterin automatisch zur Verfügung gestellt. 

In einem Statement der Airline heißt es: "Wir wollen, dass die Uniformen wahrlich reflektieren, wer wir als Menschen sind und trotzdem weiterhin den berühmten Virgin-Look beibehalten." Man habe daher auf die Wünsche der Mitarbeiter gehört und die Styling- und Pflegevorschriften dementsprechend angepasst.

Schmink-Vorschriften für Flugbegleiterinnen sind üblich

Im Netz wird die Airline für diesen Schritt einerseits gelobt, andererseits können viele User nicht glauben, dass es bislang Vorschriften dafür gab, dass Flugbegleiterinnen Schminke tragen müssen: "Es wird Zeit, dass wir Frauen so akzeptieren, wie sie sind", schreibt beispielsweise ein Twitter-User, oder "Moment, sie mussten Make-up tragen?"

Tatsächlich ist das alles andere als unüblich. Während neuere Airlines wie EasyJet oder RyanAir etwas laschere Vorschriften in Sachen Aussehen haben, gibt es beispielsweise bei Air Emirates sogar eine Regel dafür, welche Farbe der Lippenstift haben muss, bei Qantas dafür, wie die Haare getragen werden dürfen und bei British Airways dafür, dass "offensichtliche Unreinheiten" abgedeckt werden müssen. Eine pakistanische Airline ging vor kurzem sogar noch weiter und schrieb vor, wie viel ihr Bordpersonal wiegen darf.

Deutsche Flugbegleiterin: "Typgerechtes Make-up gehört für mich zur Uniform"

Aber wie ist das eigentlich in Deutschland? Kathi* fliegt schon viele Jahre für Lufthansa, ist inzwischen Kabinenchefin – NEON fragte nach: "Das ist bei jeder Airline unterschiedlich. Bei uns sollte man beispielsweise Lippenstift tragen und keinen farbigen Gloss. Aber es ist jetzt auch nicht so, als würde irgendjemand was sagen, wenn man mal Lipgloss trägt. Es ist ja auch kein Vertrag – man bekommt keine Kündigung, weil man keinen Lippenstift trägt." Trotzdem komme es vor, dass Kabinenchefs ihre Crew darauf ansprechen: "Ich persönlich würde das aber nicht machen, nur wenn mein Bordpersonal etwas total Unpassendes wie Glitzer oder so tragen würde, was den Charakter der Uniform so gar nicht unterstreicht."

Dass Virgin Atlantic Flugbegleiterinnen jetzt erlaube, komplett ohne Schminke an Bord zu gehen, findet sie "krass", da ihrer Meinung nach ein wenig Schminke einfach zur Uniform gehört: "Man muss es ja nicht übertreiben, aber ein typgerechtes Make-up gehört für mich dazu und macht die Uniform komplett. Männer dürfen ja auch zwar Bart tragen, aber der muss entsprechend gepflegt werden. Es ist halt ein Dienstleistungsberuf und da wirkt das einfach besser. Da steht ja nicht, dass man Foundation tragen muss – sondern, dass man ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild haben soll. Komplett ungeschminkt passt, meiner Meinung nach, nicht zur Uniform." 

Was genau es an der Uniform ist, könne sie gar nicht so sagen, aber: "Ich fliege jetzt auch schon lange und für mich gehört es einfach dazu, vor dem Flug diese Uniform anzuziehen. Dann schminkt man sich ein bisschen – das gehört einfach dazu." Außerdem: "Wenn man im Kabinenlicht steht, sieht das mit ein bisschen Rouge einfach frischer aus. Man will sich ja auch wohlfühlen."

Sehr strikte Vorschriften oder gar vorgeschriebene Kleidergrößen könne sie aber auch nicht nachvollziehen: "Bei uns muss man eine Mindestgröße haben, damit man an die Gepäckfächer kommt, aber die Uniform gibt es in allen Kleidergrößen."

"Vieles an dem Job ist halt sehr oberflächlich"

Und auch Sarah*, die über Jahre als Flugbegleiterin für Condor arbeitete, findet die neue Regelung von Atlantic zwar "spannend und in aktuellen Diskussionen gut platziert", glaubt aber nicht, "dass viele Flugbegleiterinnen davon Gebrauch machen werden. Tatsache ist, dass schon in der Ausbildung viel Wert auf Optik gelegt wird. Da gibt es einen Make-up- und Hairstyling- Workshop, in dem erarbeitet wird, was dem jeweiligen Typen am besten steht – und das soll dann bitte auch während der gesamten Ausbildung umgesetzt werden und wird auch in der Prüfung streng beurteilt."

Im Arbeitsalltag sei sie zwar etwas freier gewesen, aber es habe durchaus Kabinenchefs gegeben, die Kolleginnen noch vor Arbeitsantritt raten, den Lippenstift nachzuziehen oder Rouge aufzulegen – "vieles an dem Job ist halt sehr oberflächlich." Insgesamt findet sie aber auch, dass die neue Regelung "nicht zum Bild einer Flugbegleiterin" passe, "insbesondere in Zeiten, wo man kaum noch ein labberiges Brötchen gratis bekommt – da sollte wenigstens das Erscheinungsbild nach alten Standards sein."

*Name von Redaktion geändert

Kommunikationsstrategie: Geheime Codes: Das sagen Flugbegleiter, wenn sie Passagiere sexy finden