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Kulturschock: 13 Dinge, über die sich Spanier wundern, wenn sie nach Deutschland kommen

Die Liebe zu Fahrrädern, das entspannte Verhältnis zu Nacktheit und Pinkeln im Sitzen: Offensichtlich gibt es eine ganze Menge, das man an den Deutschen seltsam finden kann - auch (oder gerade) aus spanischer Sicht.

Frau und Mann, die aus einem Zug winken

Von Spanien nach Deutschland - das kann schon ein kleiner Kulturschock sein

Getty Images

Menschen in anderen Ländern sind immer erst einmal merkwürdig – das wird wohl jeder bestätigen, der schon längere Zeit als nur einen Urlaub im Ausland verbracht hat. In der Fremde ist vieles einfach ganz anders, als man es von Zuhause kennt. An manche Gepflogenheiten gewöhnt man sich nach und nach, mit anderen kann man sich auch nach Jahren am neuen Wohnort nicht anfreunden.

Warum zum Beispiel können Südländer nicht einfach mal pünktlich kommen? Und was ist bitte so schwer daran, ordentliches Schwarzbrot zu backen?

Verwirrung im Land des Bieres und der Funktionskleidung

Doch siehe da: Auch deutsche Gepflogenheiten muten für viele Ausländer höchst irritierend an. Das zeigt aktuell ein Artikel in der spanischen Zeitung "El País" sehr eindrücklich. Der Autor hat darin Punkte zusammengetragen, über die sich Spanier wundern, wenn sie nach Deutschland kommen.

Als Quelle diente ihm die Facebook-Gruppe Españoles en Berlín (Spanier in Berlin), in der er den 27.600 Mitglieder ebendiese Frage stellte: Was verwirrt euch, seit ihr nach Deutschland gekommen seid?

Hier ist eine Auswahl der Antworten - also Dingen, mit denen die Südländer im Land des Bieres und der Funktionskleidung nicht so ganz zurechtkommen.

1. Das Kennlernritual

"Sie küssen sich nicht, wenn sie sich vorstellen", heißt es in dem Text von "El País". "Wenn du gerade dazu ansetzen willst, zwei Küsschen zu verteilen, geben sie dir die Hand."

Jep, bekanntes Problem. Auch die Franzosen haben dafür bekanntlich wenig Verständnis.

2. Die Liebe zum Fahrrad

Auch unsere Begeisterung für das Fahrrad scheint viele Spanier zu irritieren. "Viele von ihnen fahren bei jeder erdenklichen Gelegenheit damit", wundert sich der Autor. "Ich habe Frauen auf dem Fahrrad gesehen, die im achten Monat schwanger waren und noch ein anderes Kind hinten im Kindersitz chauffierten."

Klar, why not?

Die Autofahrer behandelten die Fahrradfahrer so ehrfürchtig als seien sie "heilige Kühe", findet er sogar. Verglichen mit Madrid oder Barcelona mag diese Beobachtung zutreffen – so ganz bestätigen können wir das allerdings nicht. Schließlich wurde praktisch jeder, der in einer deutschen Großstadt regelmäßig mit dem Fahrrad fährt, mindestens schon mal von einem schlecht gelaunten SUV-Fahrer angepöbelt oder noch schlimmer, gleich beim Abbiegen von der Straße gemäht.

 3. Der Umgang mit Müll

Auch für Staunen sorgt unter den Spaniern offenbar unsere Bereitschaft, Abfälle nicht einfach in eine riesige Restmülltonne zu kippen, sondern sie sinnvoll weiterzuverarbeiten. "Sie recyceln so gut wie alles und haben auch ein System, das sich 'Pfand' nennt", wundert sich der Autor.

4. Die Rundfunkgebühren

Auch unter Deutschen selbst heiß diskutiert sorgt das Konzept Rundfunkbeitrag bei Spaniern für großes Unverständnis. "Sie müssen bezahlen, um Fernsehen zu schauen oder Radio zu hören. Ich dachte, ich spinne, als ich das gehört habe."

Dürfte vielen jungen Deutschen ähnlich gehen, die von zuhause ausziehen und monatlich mal eben 18 Euro abdrücken dürfen.

5. Besuche zuhause

Auch die Beschriftung an Mehrparteienhäusern bereitet den Spaniern Probleme. "Sie laden dich zu sich nach Hause ein und du musst das ganze verdammte Gebäude abgrasen, weil niemand dir sagt, in welcher Wohnung er genau wohnt. Auf dem Klingelschild am Eingang stehen nur die Nachnamen, aber nicht, wo in dem Haus die Wohnung dazu ist."

6. Paketzustellungen

Apropos Wohnhäuser: Ganz merkwürdig finden Spanier offensichtlich die Sache mit den Paketzustellungen. "Die Paketboten können dein Päckchen bei deinem Nachbarn abgeben, wenn du nicht zuhause bist", staunt der Autor. "Und sie können dich auch bitten, ein Paket des Nachbarn anzunehmen."

Äh ja... was ist daran so abgefahren?

7. Männliche Toilettengänge

Endgültige Verwirrung herrscht beim Thema Toilettennutzung. "Manche Männer pinkeln im Sitzen", beobachten die erstaunten Spanier. "Ich habe das nicht glauben können, bis ich in eine Wohnung mit Deutschen zog und sie es mir erzählten." Und jetzt kommt’s: "Sie baten mich sogar, es auch zu tun." Oha! 

8. Trinkgewohnheiten

Auch beim Thema Trinken finden die Spanier einiges sehr seltsam, was in Deutschland so abgeht. "Sie gucken sich in die Augen, wenn sie anstoßen. Ich musste anfangs dabei immer sehr lachen."

Außerdem gewöhnungsbedürftig: das Konzept Schorle. "Sie mischen Saft mit Sprudelwasser", so die verwunderte Beobachtung.

9. Was aufs Brötchen kommt 

Wo wir schon beim Thema Genuss sind. Mit den Essgewohnheiten kommen Spanier hier auf viererlei Weise nicht so ganz klar. Nur ein Beispiel: Butter UND Nutella aufs Brot? Geht aus spanischer Sicht gar nicht.

10. Das Sonntagsdilemma

Obwohl ihr Land zu den katholischsten überhaupt gehört, finden viele Spanier es auch mehr als lästig, dass am Sonntag hier die Geschäfte geschlossen haben. "Du stirbst vor Hunger und kannst nicht einkaufen."

Gut, in dem Punkt geben wir ihnen recht, das kann echt nervig sein.

11. Das Verhältnis zur Nacktheit

Wer hätte das gedacht? Spanier finden sich selbst prüder als die Deutschen? "Sie gehen nacktbaden – und zwar das ganze Jahr über", heißt es staunend in dem Artikel. "Ich bin beeindruckt von ihrem entspannten Zugang zu Nacktheit."

Na dann...

12. Planungssicherheit

Weniger cool finden die Südländer unseren Umgang mit Freizeit im Allgemeinen. "Sie können nicht improvisieren", wird sich beschwert. "Sie planen die gesamte Woche schon im Voraus, sowas wie Spontaneität existiert hier nicht."

Aaach... da übertreiben sie jetzt aber. Wir wollen halt gerne wissen, was auf uns zukommt, ne?

13. Wärme und Kälte

Und last but not least: Seeeehr merkwürdig finden die Spanier offenkundig, wie wir zum Thema Wetter stehen. "Wenn nur der kleinste Sonnenstrahl rauskommt, rennen sie nach draußen. Sie sprinten in den Park oder fangen sofort an zu grillen. Sie sind besessen. Im Sommer sind die Cafés und Restaurants, wo keine Sonne hinscheint, menschenleer. Die mit Sonne sind komplett überfüllt."

Hallo? Was ist daran bitte nicht zu verstehen? Wir leben eben nicht in Breitengraden, in denen die Temperaturen nie unter 15 Grad fallen und man im Sommer von einem Schattenfleck zum anderen hechtet. Da muss man mitnehmen, was geht. Dafür fallen wir auch nicht gleich in Ohnmacht, wenn es im Winter mal ein bisschen fröstelig wird. Ihr schreibt ja: "Temperaturen von minus 10 Grad nennen sie 'ein wenig frisch'."

Genauso ist es. Die lauen Andalusien-Winter kann ja jeder.

Angulas

 

lko