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Statt ergänzender Sozialhilfe: Berliner Sozialgericht schlägt einem Schüler vor, Balkon oder Sofa unterzuvermieten

Ein Schüler, der in Berlin als geduldeter Asylbewerber wohnt, hatte ergänzende Sozialhilfe beantragt. Vom Gericht gibt es eine Absage inklusive Ratschlag: Er solle doch sein Sofa oder seinen Balkon untervermieten, um Geld zu sparen.

Berliner Sozialgericht: Untermieter statt Sozialhilfe

Das Berliner Sozialgericht hat einem Schüler geraten, sein Sofa oder seinen Balkon unterzuvermieten, um Geld zu sparen

Unsplash

Der Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten ist brutal. Wie brutal zeigen immer wieder kuriose Anzeigen, in denen Menschen versuchen, die winzige Abstellkammer oder eine Matratze im Flur an verzweifelte Wohnungssuchende unterzuvermieten – meistens mit Erfolg. Irgendwer ist immer bereit, für vier Quadratmeter 300 Euro zu bezahlen. Die Wohnungsanzeige zweier Berlinerinnen, die ein Zelt auf ihrem Balkon als WG-Zimmer für schlappe 260 Euro auf der Plattform "WG gesucht" anboten, war im Mai diesen Jahres der (vorläufige) traurige Höhepunkt des Wohnungswahnsinns in Deutschland. 

(Hier könnt ihr die ganze Geschichte noch einmal nachlesen.)

Für das Berliner Sozialgericht scheint ein solches Angebot allerdings eine vielversprechende Option zu sein. Ein Schüler hatte über sein Bafög hinaus ergänzende Sozialhilfe beantragt, um im teuren Berlin besser über die Runden zu kommen. Laut dem Online-Magazin "Vice" sei er geduldeter Asylbewerber und als Minderjähriger ohne seine Eltern nach Deutschland geflüchtet. Mittlerweile sei er volljährig, gehe zur Schule und beziehe ein Bafög in Höhe von zirka 500 Euro. 

Berliner Sozialgericht schlägt Untermieter statt Sozialhilfe vor

Die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Schindler Elmenthaler hat einen Auszug des Antwortschreibens, das der Schüler vom Sozialgericht bekam, am Donnerstag auf Facebook gepostet.

Das Sozialgericht Berlin überrascht uns doch immer mal wieder mit Kreativität. Hier meint das Gericht im Eilverfahren,...

Gepostet von Schindler * Elmenthaler * Rechtsanwälte am Donnerstag, 26. Juli 2018

"Das Sozialgericht Berlin überrascht uns doch immer mal wieder mit Kreativität. Hier meint das Gericht im Eilverfahren, dass ein Schüler zur Sicherung seines Lebensunterhalts in Berlin seine Couch als Schlafplatz oder seinen Balkon mit Zelt vermieten könnte. Das sei so üblich", schreibt die Kanzlei zu dem Foto des Dokuments. 

Beispiele von Ebay Kleinanzeigen

Liest man sich das Schreiben durch, kann man kaum glauben, dass es echt sein soll. Die Wohnung des Schülers sei "mit 28,25 Quadratmetern zwar nicht besonders groß", doch es sei "bei Studenten oder Auszubildenden in Großstädten keinesfalls unüblich, selbst in engsten Verhältnissen mit mehreren Personen zu wohnen". Dazu gibt es einen Link zu einem Beispiel von Ebay Kleinanzeigen, das zeigen soll, wie "wirtschaftlich interessant" solche Inserate sein können. Schließlich würden "sogar ein Schlafplatz in einem Zelt auf einem Küchenbalkon in einer Studenten-WG für 260 Euro im Monat inseriert sowie ein Schlafplatz auf der Couch in zentralen Lagen von Berlin tageweise (!) für 39 Euro angeboten". Besonders schön ist hier das Ausrufezeichen in Klammern. SOOO wirtschaftlich interessant!

Für den Fall, dass der Antragsteller immer noch nicht überzeugt ist, wird noch einmal betont, dass eine "Reduzierung" der rund 325 Euro Miete durch eine dauerhafte Untervermietung im Bereich von 150 bis 250 Euro möglich sei. Dass der Vermieter zustimmen muss, wenn man Teile seiner Wohnung dauerhaft untervermieten möchte, scheint das Gericht nicht zu interessieren. Vielleicht schlagen sie das nächste Mal dann vor, einfach selbst bei einem Fremdem auf dem Balkon in einem Zelt zu schlafen. Kostet ja immerhin "nur" 260 Euro.

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