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NEON-Serie, Teil 1: Jungfrau mit Mitte 20: "Ich habe richtig Angst vor dem Ende von wunderschönen Dates"

Es gibt viele Gründe, warum manche Menschen mit Mitte zwanzig noch Jungfrau sind. Doch die wenigsten reden darüber. In der neuen NEON-Serie erzählen drei Menschen, warum sie noch keinen Sex hatten. Dieses Mal: Marieke.

Von Katharina Weiß

Jungfrau mit Mitte 20: "Ich habe richtig Angst vor dem Ende von wunderschönen Dates"

In der neuen NEON-Serie "Jungfrau mit Mitte 20" erzählen Menschen, warum sie noch keinen Sex hatten (Symbolbild)

Picture Alliance

Von wie vielen deiner Freunde weißt du nicht, ob sie noch Jungfrau sind? Vermutlich gibt es mehr Jungfrauen unter deinen Freunden, als du denkst. Denn: In einer Welt, die sich nur um Erotik dreht, kann Enthaltsamkeit wie ein Makel wirken.

Unsere Autorin hat für unsere NEON-Serie "Jungfrau mit Mitte 20" drei Menschen getroffen, die mit diesem Geheimnis leben – und anderen etwas von dem Druck nehmen wollen, der mit fehlender sexueller Erfahrung einhergeht. Der erste Erfahrungsbericht kommt von Marieke. Sie ist 24 Jahre alt und hat Angst, den "Absprung verpasst" zu haben.

Marieke ist es peinlich, noch Jungfrau zu sein

Marieke: "Als ich gefragt wurde, ob ich mal erzählen möchte, wie es ist, mit 24 noch keinen Sex gehabt zu haben, dachte ich mir: Endlich, ich wünsche mir doch schon seit Jahren, mal offen über dieses Thema zu diskutieren! Als ich dann gefragt wurde, ob ich mich dafür auch fotografieren lassen möchte, dachte ich mit derselben Inbrunst: auf gar keinen Fall! Dann wüssten doch alle, dass ich sie jahrelang angelogen habe. Und dass ich noch Jungfrau bin und das wäre mir, nun ja, peinlich. Dann dürfte ich nicht mehr mitreden bei dem ganzen Sextalk, der gefühlt 90 Prozent aller Mädelsabende ausmacht und 50 Prozent von jeder spannenden Party-Konversation – und ich rede gerne mit.

Nach meiner eigenen Definition ist es auch gar nicht so, das ich noch nie Sex hatte. Ich habe schon mit vielen Männern und Frauen geknutscht, habe schon zusammen mit ihnen nackt in einem Bett gelegen und hatte auch mit einigen Typen Oralsex. Nur das klassische Penetrieren ist noch nie passiert. Da habe ich das Gefühl, dass ich irgendwie den Absprung verpasst habe.

Die Wahrheit zu erzählen, treibt ihr Schweißperlen auf die Stirn

Als Teenager wollte ich nicht, weil ich mir das für einen festen Freund aufheben wollte. Nach dem Abi war ich ein Jahr lang backpacken und habe quasi jeden Abend mit einem anderen Typen geflirtet – aber so richtig romantisch ist so ein Techtelmechtel im Stockbett ja auch nicht. Dann, mit 20, als ich gefühlt die letzte Jungfrau auf weiter Flur war, stellte sich die erste Resignation ein: Jetzt ist es auch schon egal, die klassische Teenie-Nummer wird es jetzt ohnehin nicht mehr. Der Gedanke, jemandem, den ich date, erzählen zu müssen, dass ich noch keinen klassischen Sex hatte, treibt mir Schweißperlen auf die Stirn.

Nicht erzählen und einfach machen ist auch keine Option: Denn wenn ich beim ersten Mal furchtbar schlecht im Bett bin, dann denkt der doch, dass ich es nicht draufhabe. Dann hatte ich vielleicht einmal betrunken Sex, bin aber mit Mitte Zwanzig immer noch auf dem Übungsstand einer 15-Jährigen.

Auch wenn ich weiß, dass ich absolut durchschnittlich attraktiv bin und noch viel hässlichere Menschen als ich viel mehr Sex haben: Manchmal fühle ich mich so, als wäre ich in einem Teufelskreis gefangen. Ich wohne in Berlin, habe einen hippen Medienjob und spannende Freunde, aber in dieser Hinsicht verlässt mich alle Selbstkontrolle. Ich gehe auf ein Date und habe Angst, den Kerl unter Druck zu setzen, falls ich von meiner mittelkleinen Erfahrungslücke erzähle. Andersherum setzt es mich aber tierisch unter Druck, ständig die bei Mittzwanzigern obligatorischen One-Night-Stands vermeiden zu müssen.

Marieke lügt, wenn es um ihr "Erstes Mal" geht

Ich habe richtig Angst vor dem Ende von wunderschönen Dates, weil ich nie genau weiß, wie ich es dieses Mal hinbekommen soll, den Sex zu vermeiden. Dabei, und das ist das Paradoxe, habe ich ja richtig Lust auf Sex. Nur dieses elendige erste Mal würde ich am liebsten nicht mit einem Menschen, sondern mit einem süßen Sexroboter, der niemandem davon erzählen kann, hinter mich bringen.

Ich habe sogar mal überlegt, meinen besten Kumpel in einer seiner Single-Phasen darum zu bitten, den Job zu erledigen. Aber das wäre wohl wirklich zu eigenartig. Vor allem weil er, genau wie mein restlicher Freundeskreis, seit Jahren eine Lüge von mir verinnerlicht hat. Immer wenn es um das Thema 'Erstes Mal' geht, erzähle ich folgende Geschichte: Ich war 19, für drei Wochen in New York, er war ein wahnsinnig heißer Bartender aus Brooklyn und ich bin vom Hostel in sein Bett umgezogen, wo wir wundervolle Liebesnächte verbrachten, bis ich weiter nach Chicago zog. Die Geschichte ist wahr, nur zog ich auf seine Couch – und wir verbrachten wundervolle Nächte, allerdings mit ihm und seinem schwulen Partner."

Periode und Sex
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