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NEON-Serie, Teil 9: Jungfrau mit Mitte 20: "Ich habe Angst vor Männern"

Es gibt viele Gründe, warum manche Menschen mit Mitte zwanzig noch Jungfrau sind. Doch die wenigsten reden darüber. In der NEON-Serie erzählen junge Menschen, warum sie noch keinen Sex hatten. Dieses Mal: Karina.

Von Katharina Weiß

Jungfrau mit Mitte 20: "Ich habe Angst vor Männern"

In der NEON-Serie "Jungfrau mit Mitte 20" erzählen Menschen, warum sie noch keinen Sex hatten (Symbolbild)

Unsplash

In einer Welt, die sich nur um Erotik dreht, kann Enthaltsamkeit wie ein Makel wirken. Im ersten Teil unserer NEON-Serie "Jungfrau mit Mitte 20" traf unsere Autorin drei Menschen, die mit diesem Geheimnis leben – und anderen etwas von dem Druck nehmen wollen, der mit fehlender sexueller Erfahrung einhergeht.

Inzwischen bekommt sie regelmäßig Zuschriften von Leserinnen und Lesern, die ihr erzählen, warum keinen Sex zu haben eines der letzten großen Tabus ist. Dazu gehört auch Karina. Sie ist 21 Jahre alt. Das Thema Jungfräulichkeit nervt die junge Studentin ebenso wie die vorherigen Protagonistinnen und Protagonisten. Eine Sache ist ihr bei allen Geschichten in der Vergangenheit aber zu kurz gekommen – und zwar: Geschlechterverhältnisse.

Zwischen Komasaufen, Dating und Belästigung

"Die NEON-Serie hat bei mir etwas ausgelöst, das ich schon lange nicht mehr empfunden habe: Erleichterung. Ich bin zwar noch nicht 'Mitte 20', sondern erst 21 Jahre alt, aber eben auch noch Jungfrau. Und das Gefühl, damit als unnormal zu gelten, teile ich mit den anderen Menschen, die NEON ihre Geschichte erzählt haben. Der Grund, warum ich mich bei der Autorin gemeldet habe, ist folgender: Ich hatte das Gefühl, dass der Aspekt der Geschlechterverhältnisse in vielen der ehrlichen Erzählungen zu kurz kam. Ich will damit keinem der Männer, die sich geäußert haben, ihre negativen Erfahrungen mit gesellschaftlichem Druck kleinreden. Aber andersherum finde ich, dass es noch viel mehr Gründe für Frauen gibt, warum sie viel schwieriger an Sex kommen – zumindest an einverständlichen und dadurch 'guten'.

Bevor ich meinen Punkt erkläre, vielleicht noch ein paar Worte zu mir: Ich wohne in einer Stadt mit gut 35.000 Einwohner. Das klingt erst einmal viel. Trotzdem kennt jeder jeden. Wenn man sich eine neue Frisur schneiden lässt, eine Ausbildung beginnt oder mit jemandem auf dem Weinfest knutscht, weiß innerhalb von 24 Stunden dein ganzes Umfeld Bescheid. Ich war in dieser Gemeinschaft nie eine besonders auffällige Person: Mitgliedschaft im Sportverein, Durchschnittsnote 1,8 in der Realschule am Ort, im Sommer auf zwei bis drei Festivals und fast jedes Wochenende geht man einmal in eine der drei Discos im Ort, beziehungsweise im Umkreis. Das sind die normalen Alltagsanekdoten, die man jedem erzählen kann.

Von was keiner redet, ist die Art, wie Dating hier abläuft. Klar, es gibt ein paar anscheinend glückliche Paare, die früh zusammenkommen und ewig beieinanderbleiben. Ansonsten sind die Sitten eher rau. Auch wenn viele Leute denken, dass Komasaufen ein Trend der 00er-Jahre ist, bei uns ist er noch topaktuell. Wenn wir ausgehen, kippen wir uns einen hinter die Binde. Im Pub, im Club, auf Geburtstagsfeiern, Beerdigungen und ganz besonders auf den erwähnten Weinfesten. Dort kommen dann 'romantische Verbindungen' zustande: Indem ein Typ dir einen schlüpfrigen Schlager ins Ohr grölt und dir anschließend an den Hintern fasst, während er dir zeitgleich die Zunge in den Hals steckt. Gut, wenn man das nicht will, könnte man ihn ohrfeigen und weggehen.

Jungfrau sein in Zeiten der "Rape Culture"

Komplizierter wird es aber, wenn man einen Crush hat, der sich nach ein paar Litern Alkohol aber auch nicht mehr wie ein Gentleman benimmt – und dich schon auf dem Nachhauseweg zum Open-Air-Blowjob überreden will. Sagt man nein, ist nicht nur seine Zuneigung und Aufmerksamkeit weg, sondern er erzählt auch all seinen Freunden, also so ziemlich allen Männern in deinem Jahrgang, was du für eine prüde Kuh bist. Klingt nach Ausnahme – ist aber alleine mir zwei Mal in unterschiedlichen Situationen passiert. Aus meinem Freundeskreis gibt es viele Geschichten dieser Art – und noch schlimmere.

Typen, mit denen man zum ersten Mal knutscht, und die einem plötzlich den Finger in die Vagina stecken. Typen, die unbedingt Sex haben wollen, auch wenn du eigentlich zögerlich bist und ohnehin kein Kondom vorhanden ist. Männer, mit denen man Sex hat, vielleicht auch zusammen ist, die ihren Schwanz plötzlich (und wiederholt) in dein Poloch rammen und sich mit einem müden 'Uups, Eingang verwechselt' entschuldigen. Und das wird entschuldigt von vielen Männern und auch Frauen: 'Ach, die müssen sich halt noch austoben. Die müssen erst noch richtig lernen, wie das mit den Frauen funktioniert. Die sind halt unsicher und betrunken.'

Vor kurzem habe ich einen Begriff gehört, der diese Prozesse beschreibt: 'Rape Culture'. Auf Wikipedia steht dazu: 'Rape Culture bezeichnet soziale Milieus oder Gesellschaften, in denen Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt verbreitet sind und weitgehend toleriert oder geduldet werden.' Ich bin jetzt keine Feministin oder so etwas. Ich studiere etwas im sozialen Bereich und werde später vermutlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, von akademischen Diskursen wie sie im Rahmen von #metoo oft geführt wurden, habe ich keine Ahnung. Ich weiß aber, dass das so nicht richtig ist.

"Ich habe immer noch Angst vor Männern"

Ich hatte schon als Jugendliche immer Angst vor Männern. Angst davor, sexuell nicht performen zu können beziehungsweise in Situationen zu geraten, in denen ich mich mit meinen 1,57 m und den über 51 Kilo nicht wehren kann. Mein erster und einziger Freund, damals war ich 15 Jahr alt, hat nach drei Monaten mit mir Schluss gemacht, weil ich nicht so schnell mit ihm schlafen wollte. Das hat mich mehr geprägt, als ich mir damals eingestehen wollte. Mit 19 nach der Berufsoberschule war ich dann ein halbes Jahr in Spanien. Dort gab es viele Flirts und ich habe mich total in einen Bartender verknallt, bei dem ich jeden Abend Cuba Libre getrunken habe. Der hatte aber viele Mädels angeflirtet und sehr schnell aufgehört, sich für mich zu interessieren, nach dem ich ihm klargemacht hatte, dass ich nicht sofort mit ihm schlafen möchte.

Hier, zurück in der Kleinstadt, ist die Auswahl nun ohnehin begrenzt. Ich habe immer noch Angst vor den Männern hier. Mich stört total, dass ich eher an Filmstars und Musikern hänge, als mal wieder für einen verfügbaren Jungen zu schwärmen. Vermutlich sind Eddie Redmayne oder James Blake im echten Leben auch groupieverschlingende Vollpfosten, aber ich denke mir immer: So wie die sich geben, so sollten viel mehr Männer sein. Höflich, facettenreich, auf ihre Arbeit konzentriert und in Kontakt mit ihren Gefühlen stehend.

Ich hoffe wirklich, dass meine Eltern und Freundinnen recht haben, und die ganzen Jungs alle einen besseren Charakter bekommen, wenn sie etwas älter sind. Für zukünftige Generationen wünsche ich mir aber, dass die Atmosphäre des Datings gar nicht erst so schrecklich anfängt. Schließlich sollte es ja um die Liebe gehen."

NEON-Reihe #sexbewusst: Sex aus Sicht eines Hirnforschers: "Orgasmus ist wie Niesen"
Themen in diesem Artikel
Würde diese Theorie Funktionieren ( Die Entstehung eines Universums aus einem schwarzen Loch )?
(Der Anfang der Theorie von mir ist unter dem Text der der nachvollzieungs hilfe mit einem 🙃 gekennzeichnet). Ich bin ein recht analysierendender und über mehrere Richtungen hinterfragender Menschen. Eine Theorie die mir in den sin Kamm aber die ich aus eigenemen Ermessensen erst zu grob und simple Fand aber Recht gut mit gängigenen Theorienen Einhergeht wie die (finde ich zu Erprobt stopende) Urknall Theorie, deren Ausbau wo sie durch ein höher dimensiodimensionales Schwarzes Loch aus ging und auch etwas von der multiversums Theorie. 🙃 Meine (mir imer noch zu vorkommende) Theorie geht davon das Der Urknall eine Explosion im und nicht des raumes ist, das ein extrem massereiches Schwarzes Loch das aufgrund des von mangelndem Nachschub Explodierte und durch diese kinetische Energie wie in der Urknall Theorie den Inhalt freisete. aber die Expansion des universums nicht die Ausbreitung des Raumes ist sondern viel ehr eine Zerstreuung Des Inhaltes in einem Raum stattfindet, vergleichbarear mit anderen Explosionen die Inhalt freizusetzenen. PS. ist zwar recht grob für meine persönlichpersönlichen Verhältnisse- (mache meist komplexere, effizientere und schlusvolgerungs fähigere Theorien und ist mir selber etwas schwammig ist eine meinens erachtens funktionell ergänzung zum Thema Uhrknall ) -und und verändertrt im grunde nur etwas den Blickwinkel gängiger Theorien aber in einen effektivenen und nachvollziehbaren weg. Diese Theorie ist Vorwiegend mit sipelerer hrangehensweise aufgebaut als meine anderen und dementsprechend mir etwas Unwohl sie zu veröffentlichen aber im Grunde eine meiner Meinung legitime logische Ergänzung. Was meint ihr?
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?