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Soziologische Studie : Jeder zehnte japanische Mann über 35 ist Jungfrau

Die japanische Gesellschaft altert rasant. Die Geburtenrate ist niedrig. Dass die Japaner ungewöhnlich lange jungfräulich bleiben, dürfte da keine Abhilfe schaffen.

Mehr als 40 Prozent der Japaner zwischen 18 und 34 Jahren hatten noch keinen Sex

Mehr als 40 Prozent der Japaner zwischen 18 und 34 Jahren hatten noch keinen Sex

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So gut wie ein Zehntel der japanischen Männer im Alter zwischen 35 und 39 ist noch Jungfrau. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Universität von Tokio, die in der Fachzeitschrift "BMC Public Health" veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler werteten die Ergebnisse von sieben Umfragen aus, an denen jeweils zwischen 11.000 und 18.000 Menschen teilgenommen haben. Durchgeführt wurden die Umfragen vom japanischen Nationalen Institut für Bevölkerungs- und Sozialforschung von 1992 bis 2015. Das Ergebnis: Im Jahr 2015 gaben 8,9 Prozent der heterosexuellen Frauen und 9,5 Prozent der heterosexuellen Männer zwischen 35 und 39 Jahren an, keine sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben.

Die Jungfräulichkeitsrate im Land hat sich demnach seit 1992 fast verdoppelt. Japaner in ihren Dreißigern sind bis zu zehnmal häufiger Jungfrauen als Briten, Australier oder Amerikaner. Hier sind rund ein bis fünf Prozent der Männer im entsprechenden Alter jungfräulich.

Im Alter zwischen 18 und 34 hatten sogar 42 Prozent der Männer und 44,2 Prozent der Frauen noch keinen Geschlechtsverkehr.

Die japanischen Forscher stellten in ihrer Studie einen Zusammenhang zwischen Jungfräulichkeit und Einkommen fest. "Heterosexuelle Unerfahrenheit scheint zumindest teilweise ein sozioökonomisches Problem für Männer zu sein", erklärte Cyrus Ghaznavi, der Hauptautor der Studie, dem britischen "Independent". Männer mit geringem Einkommen sind demnach bis zu 20-mal häufiger Jungfrauen als ihre wohlhabenderen Geschlechtsgenossen. Jemand, der eine feste Vollzeitbeschäftigung hat und in einer Millionen-Stadt wohnt, hat dagegen häufiger Geschlechtsverkehr.

Bei Frauen spielt Einkommen keine Rolle

Bei Frauen konnten die Wissenschaftler diesen Zusammenhang nicht feststellen. Frauen mit niedrigem Einkommen haben laut der Studie häufiger Sex als Männer, die den gleichen Geldbetrag verdienen. Die Forscher erklären das damit, dass Frauen, die verheiratet sind, häufiger Sex haben. Verheiratete Frauen seien aber oft Hausfrauen ohne ein eigenes Einkommen. 

Unabhängig davon, was die Ursache für Jungfräulichkeit ist, betonen die Autoren der Studie: "Sexuelle Inaktivität oder Unerfahrenheit, ob freiwillig oder nicht, sollte nicht lächerlich gemacht werden." Es seien weitere Untersuchungen zu den Gründen für sexuelle Inaktivität notwendig, so Peter Ueda, einer der führenden Autoren der Studie.

Quellen: "BMC Public Health", "The Independent"

Frau in Pool
ivi / tkr
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