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Kaiser tritt ab: Alle Japaner bekommen zehn Tage Urlaub – aber viele haben keine Lust darauf

Durch einen Wechsel auf dem Kaiserthron stehen in Japan zehn Feiertage für die Bürger ein. Davon sind viele überfordert – sie würden lieber zur Arbeit gehen.

Ein Japanischer Geschäftsmann schaut aus dem Fenster

In kaum einem Land auf der Welt wird so viel und so hart gearbeitet wie in Japan (Symbolbild)

Getty Images

In Japan gibt es demnächst etwas zu feiern. Am 1. Mai dankt der 85-jährige Kaiser Akihito ab, der mehr als 30 Jahre lang auf dem Thron saß. Sein ältester Sohn Naruhito, 49 Jahre alt, wird dann die Herrschaft übernehmen. Eine Zäsur für die japanische Dynastie, aber natürlich auch ein großes Ereignis für die 126 Millionen Einwohner des Landes. Aus diesem Grund wird vom 30. April bis zum 2. Mai nicht gearbeitet.

Der Tag der Thronbesteigung fällt zufälligerweise in die sogenannte "Goldene Woche", in der es in Japan einige weitere Feiertage gibt. Rechnet man die Wochenenden dazu, haben die Japaner zwischen dem 27. April und dem 6. Mai zehn Tage lang frei. Noch ein Grund zum Feiern, sollte man meinen – nicht jedoch in Japan.

Japaner sind von zehn Tagen Urlaub überfordert

Vielen Menschen in dem asiatischen Land ist bei dem Gedanken an einen solch langen Urlaub eher unwohl. 45 Prozent fühlten sich unglücklich angesichts der Feiertage, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf eine Umfrage der japanischen Tageszeitung "Asahi Shimbun". Scheinbar fühlen sich die arbeitsamen Japaner mit der Aussicht auf so viel Freizeit überfordert.

"Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was ich mit meiner Zeit machen soll, wenn ich plötzlich zehn freie Tage bekomme", zitiert der "Guardian" einen 31-jährigen Angestellten. Die Flugpreise seien in der Urlaubszeit unerschwinglich, die attraktiven Ziele ohnehin überlaufen – er werde wohl einfach seine Eltern besuchen, erzählt der Mann.

Für viele Manager im Finanzsektor sei die Aussicht, zehn Tage lang nicht traden zu können, "schrecklich". Nicht nur der staatlich verordnete Müßiggang sorgt für Ratlosigkeit, der Alltag muss in der freien Zeit auch teilweise neu koordiniert werden, denn schließlich haben auch beispielsweise Kindertagesstätten geschlossen. Eltern müssen ihre Kinder dann selbst beschäftigen.

Immerhin: Ein Drittel freut sich auf freie Tage

Japan ist für seine extrem hohe Arbeitsmoral bekannt – dort gibt es sogar ein Wort für den "Tod durch Arbeit" ("Karoshi"). Die japanische Regierung versucht immer wieder, den Arbeitseifer ihrer Bürger mit Maßnahmen auf ein gesundes Maß zurechtzustutzen. So werden Unternehmen dazu ermutigt, ihren Mitarbeitern verlängerte Wochenende zu gewähren. Viele Angestellte haben daran aber anscheinend wenig Interesse.

Doch nicht alle Japaner schauen dem anstehenden Urlaub mit Grauen entgegen. Laut der Umfrage freut sich ein Drittel auf die freien Tage. Wie die "Japan Times" berichtet, wird die Zahl der Japaner, die in dem Zeitraum ins Ausland reisen, wohl ein Rekordhoch erreichen.

Quellen: "Guardian" / "Japan Times"

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