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Hyperschallflugkörper Hyperplane Jungfrau – "Russischer Elon Musk" baut Frachtdrohne mit einem Speed von 19.000 km/h

Firmengründer Kokorich lebt in der Schweiz, Prototyp wurde nach dem Berg "Jungfrau" benannt.
Firmengründer Kokorich lebt in der Schweiz, Prototyp wurde nach dem Berg "Jungfrau" benannt.
© PR
Im Militär ist das Rennen um Hyperschallflugkörper entbrannt, nun steigen auch Privatfirmen ein. Sie wollen megaschnelle Frachtdrohnen bauen und die sollen Waren schnell und billig rund um den Planeten transportieren.

Hyperschall ist eines der zentralen Schlachtfelder des aktuellen Wettrüstens. Die Idee dabei: Wenn sich Flugkörper mit mehr als 10-facher Schallgeschwindigkeit bewegen, sind sie von konventionellen Flugzeugen und Raketen nicht einzufangen. Sie würden in etwa so langsam hinterherfliegen wie ein Dreidecker des Ersten Weltkrieges hinter einer modernen F-22 Raptor hinterher krauchen würde. Die Flugzeit würde alle Vorwarn- und Reaktionszeiten verkürzen. Derzeit scheint das russische Militär weltweit führend in dieser Technologie zu sein.

Doch neben dem Militär gibt es zivile Projekte, die ebenfalls solchen Hochgeschwindigkeitssysteme bauen wollen. Der russische Unternehmer Mikhail Kokorich entwickelt mit seinem Unternehmen Destinus eine wasserstoffbetriebene, emissionsfreie, transkontinentale Frachtdrohne. Kokorich lebt in der Schweiz und lässt sich gern der russische Elon Musk nennen. "Fracht" und "Drohne" sind wenig überraschend, denn die Beschleunigungsphase auf 15-fache Schallgeschwindigkeit würde ein Mensch nicht lebend überstehen.

Rakete plus Gleiter

Konzeptionell überrascht das Hyperplane von Destinus nicht, es soll "die Fortschritte eines Raumflugzeugs mit der einfachen Physik eines Segelflugzeugs kombinieren". Was soll das bedeuten: Das Objekt wird mit einem zweistufigen Raketenantrieb gestartet und gelangt so bis in Mesosphäre oberhalb von 50.000 Meter. Nur dort ist die Luft dünn genug, um die Reibungshitze zu ertragen. In dieser Höhe gleitet der Flugkörper dann oberhalb der dichteren Luftschichten um die Welt.

Gegenüber "DroneTalks" sagte Kokorich: "Die Logik ist einfach. Wenn man etwas von einem Ort auf der Erde zu einem anderen Ort auf der Erde bewegen will, muss man Energie in mehrere Richtungen aufwenden. Erstens muss man die Schwerkraft überwinden, solange man das Flugzeug in der Luft hält. Je länger, desto mehr Schwerkraftverluste. Zweitens muss man die Reibung der Luft überwinden, und drittens muss man die kinetische Energie für die Höchstgeschwindigkeit aufbringen.“

Die Energie der Hyperdrohne wird beim Start verbraucht, ist diese erst einmal erreicht, ist es fast bedeutungslos, wie weit die Drohne um die Erde gleitet.

Je weiter umso günstiger

"Ja, wir müssen unser Fahrzeug mit dem Raketentriebwerk auf eine sehr hohe Geschwindigkeit beschleunigen. Wir müssen also mehr Energie für die Beschleunigung aufwenden. Aber weil wir 10 Mal schneller fliegen und weil wir in extrem großer Höhe fliegen ... wo es mehr als 10 Mal weniger Luft gibt als in 10 km Höhe, sind unsere Schwerkraftverluste und unsere aerodynamischen Verluste extrem gering."

In dieser Höhe "fällt" die Drohne um die Welt herum. Das ganze System spielt seine Stärken bei großen Distanzen aus. Dadurch wird das Konzept für Fracht interessant, es ist nicht nur schneller, sondern auch billiger. Zumindest in der Theorie.

"Tatsächlich können wir Dinge von hier zu einem anderen Kontinent billiger transportieren als normale Flugzeuge. Das hört sich seltsam an, ist es aber nicht; wir verbrauchen dafür einfach weniger Energie."

Größte Herausforderung ist die Entwicklung eines Raketentriebwerks, das ohne exzessive Wartung wiederverwendet werden kann. Hinzu kommt, dass nun auch eine zivile Firma eine Oberfläche für die Drohne entwickeln muss, die den extremen Temperaturen widersteht.

Gefährliche Technik

Destinus hat inzwischen vier Niederlassungen in Spanien, Frankreich, der Schweiz und Deutschland eröffnet. Die erste Finanzierungsrunde wurde von Kokorich und befreundeten Geschäftsleuten gestemmt. Doch bis zur Serienfertigung ist der Kapitalbedarf gigantisch. Ein erster, allerdings langsam fliegender, Prototyp namens "Jungfrau" hat einen ersten Flug hinter sich gebracht. Benannt wurde er nach dem dritthöchsten Berg der Berner Alpen. Anfang 2022 soll ein größeres Modell fertig werden. Kokorich gibt freimütig zu, dass die Erfolgsaussichten offen sind.

Sicherheitspolitisch sind derartige Entwicklungen problematisch. Durch die hohe Geschwindigkeit wäre auch eine rein zivile Hyperdrohne leicht als Waffe zu gebrauchen. Man müsste nicht einmal Sprengstoff in die Drohne packen. Die hohe Geschwindigkeit verleiht dem Objekt eine enorme kinetische Energie, würde ein Hyperplane mit Mach 15 auf ein Ziel treffen, wäre es, als würde ein Meteor einschlagen.

Doch so einfach ist es nicht. Eine Frachtdrohne ist kein Gefechtskopf, in den dichten Schichten der Atmosphäre würde der Gleiter wegen der Reibung explodieren oder verglühen, wenn er nicht stark abgebremst wird. 

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