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Drohnen-Krieg: Messer statt Sprengstoff – USA setzten "Ninja-Bombe" ein

Klingen statt Explosionen – ein neuartiger Gefechtskopf der Hellfire-Rakete schneidet sein Opfer in Stücke. Der Grund für die Entwicklung der grausigen Waffe ist gar nicht so blutrünstig, wie man denken könnte.

Insgesamt wiegt die Hellfire-Rakete etwa 50 Kilogramm und kann mit verschiedenen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden.

Insgesamt wiegt die Hellfire-Rakete etwa 50 Kilogramm und kann mit verschiedenen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden.

Getty Images

CIA und Pentagon haben einen speziellen Gefechtskopf für die altbekannte Hellfire-Rakete (AGM-114) entwickelt. Die Hellfire-Raketen sind ursprünglich zur Bekämpfung von Panzern entwickelt worden, wurden dann aber zur Hauptwaffe im Drohnen-Krieg.

R9X – intern auch Ninja-Bombe genannt – besitzt keinen explosiven Gefechtskopf, sondern tötet durch Klingen. Kurz vor dem Aufprall spreizt R9X sechs Messer ab, die buchstäblich alles im Ziel in Streifen schneiden. Das hört sich blutrünstig an, soll aber dazu dienen, bei einem Einsatz nur die Zielperson zu töten und die Gefahr für Personen in der Umgebung zu reduzieren.

Der normale Sprengkopf der Hellfire enthält etwa neun Kilogramm Sprengstoff – er produziert eine Todeszone von mehreren Metern Durchmesser. Durch die Explosion können zudem Splitter freigesetzt werden, die auch auf größere Distanz tödlich wirken können.

Eng begrenzte Wirkung

Die Ninja-Bombe hingegen soll allein die Zielperson töten. Für die Zielperson sei es, als ob ein rasender Amboss vom Himmel fiele, sagten anonyme Quellen dem "Wall Street Journal". Intern werde die Waffe entweder "Ninja-Bombe" oder nach einer Art von scharfem Küchenmesser auch "The Flying Ginsu" genannt.

Der Einsatz der Messer-Bombe zeigt, wie genau die Hellfire-Raketen ihr Ziel finden. Schon bei einer Abweichung von einem oder zwei Metern wäre die Ninja-Bombe sinnlos. Die Quellen des "WSJ" sagten, dass die Waffe sogar zwischen rechtem Sitz und linkem Sitz unterscheide. Theoretisch sei es möglich, jemanden zu töten, der auf dem Beifahrersitz eines fahrenden Autos sitzt, aber nicht den Fahrer. Die Sitzposition des Zieles innerhalb des Autos muss daher exakt bekannt sein. Ein Einsatz ist daher nur mit sehr guter Aufklärung möglich. Die Wirkung der Waffe ist so begrenzt, dass sie auch gegen Personen in Gebäuden eingesetzt werden kann, ohne dass eine Explosion zum Einsturz des Hauses führt.

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Kaum benutzt 

Insgesamt soll die Waffe nur "etwa ein halbes dutzend Mal" eingesetzt worden sein, berichtet das "Wall Street Journal". Die CIA soll sie - so die Zeitung - benutzt haben, um im Februar 2017 den Al-Qaeda Stellvertreter Ahmad Hasan Abu Khayr al-Masri auszuschalten. Fotos nach dem Einsatz gegen al-Masri zeigen ein Loch, welches in das Dach seines Autos gerissen wurde, doch keine Spuren einer Explosion. Bei der typischen Sprengladung von neun Kilogramm wären bei einer Explosion im Inneren des Fahrzeugs nur versprengte Trümmer übrig geblieben.

Die Entwicklung der Bombe soll durch US-Präsident Obama angeregt worden sein. In dessen Amtszeit wurde der Drohnenkrieg der USA stark ausgeweitet und erlebte weltweit massive Kritik wegen der hohen Zahl an unbeteiligten Opfern, die sich in der Nähe eines Einschlages befanden.

Gleichzeitig hatten sich die gejagten Aufständischen der Drohnenbedrohung angepasst und sich unter Gruppen von Zivilisten versteckt. Die geringe Zahl an Einsätzen zeigt allerdings auch, dass die Ninja-Bombe nur höchst vereinzelt eingesetzt wurde. Eine merkliche Reduktion der zivilen Opfer des Drohnen-Programms wird sich sicherlich nicht ergeben haben.

Quelle: WSJ

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