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Rail-Gun der US-Navy : Tödlich auf 200 Kilometer - diese Star-Wars-Kanone benötigt kein Pulver

Die US-Navy besitzt eine elektromagnetische Kanone . Das System soll zur Artillerie der Zukunft werden: Die Reichweite ist enorm, die Geschosse durchschlagen jede Panzerung.

Die Railgun wurde auf einem massiven Gerüst aufgebaut.

Die Railgun wurde auf einem massiven Gerüst aufgebaut.

Die US-Navy hat die Zukunft der gezeigt. Auf einem Video ist ein Test-Schuss einer elektromagnetischen Kanone zu sehen. Angekündigt wird das Video: "Beobachtet jetzt, wie das Büro für Marineforschung und das Zentrum für Marine Oberwasser-Kriegsführung den ersten Schuss der Railgun am 17. November 2016 durchführten" - der Schuss liegt also etwas zurück. Das Video wurde später veröffentlicht

Kein Pulver mehr nötig

Elektromagnetische Kanonen, kurz Railguns, verschießen Projektile aus einem Rohr - genau wie eine klassische Haubitze. Der Unterschied liegt darin, mit welcher Technik das Projektil beschleunigt wird. In einer Kanone wird das Geschoss durch die Explosion einer Treibladung aus dem Rohr herausgeschleudert. Gas-Explosionen erreichen nur eine bestimmte Geschwindigkeit, damit wird letztlich auch die Reichweite der Kanone begrenzt. Der elektromagnetische Impuls kennt dieses Limit nicht.

Das Geschoss der Railgun tritt mit einer Mündungsgeschwindigkeit von über 7200 Kilometern pro Stunde aus und schafft eine Reichweite von 200 Kilometern. Zum Vergleich: Die Reichweite der Bundeswehr Panzerhaubitze 2000 liegt bei 30 Kilometern. Um die beachtliche Reichweite der Railgun ausnutzen zu können, müsste sie das Geschoss allerdings nicht nur schnell, sondern auch sehr präzise verschießen können.

Massive Erhöhung der Reichweite

Begonnen wurde die Arbeit an der Railgun im Jahr 2005, als Teil eines Zukunftsplans der Marine. Auf der Webseite der Marine-Forschung heißt es: "Die Railgun wird die Art der Kriegsführung verändern. Sie deckt weite Gebiete ab, erlaubt dort eine schnelle Reaktion und sie wird das Einsatzgebiet und die Gefährlichkeit von Schiffen massiv verstärken."

Die Technik hat weitere Vorteile: An Bord der müssen nur noch die Projektile gelagert werden, die bisherigen Treibladungen werden nicht mehr benötigt. Das sorgt einerseits für mehr Platz an Bord, andererseits macht es die Schiffe sicherer. Im klassischen Seegefecht führte ein Treffer in einem Munitionsdepot meist zu einer gewaltigen Explosion und dem Untergang des Schiffes. Anders als eine normale Kanone verschleißt die elektromagnetische Beschleunigung auch nicht die Abschussvorrichtung.

Großer Stromanschluss notwendig

Ein Problem ist dagegen der Strombedarf der Kanone. Die Elektrizität muss produziert, zwischengespeichert und blitzartig freigesetzt werden. Die Kanone, die in dem Video gezeigt wird, sieht in dem Versuchsgerüst, in dem sie montiert wurde, ungeheuer groß aus, besitzt aber bereits eine durchaus handhabbare Größe für eine Schiffskanone. In mehreren Containern befindet sich die Installation zur Freisetzung des Stromimpulses. An Bord müsste noch der Stromerzeuger hinzukommen.

Das Geschoss verlässt den Lauf.

Das Geschoss verlässt den Lauf.

Star-Wars-Waffe

Admiral Matt Klunder, damals Chef der Marine-Forschung, sagte 2014 über das Projekt: "Unsere Gegner werden es sich lange überlegen, ob sie in ein Gefecht mit einem solches Schiff gehen wollen. Ehrlich gesagt, wird es Zeit, ihnen zu zeigen, welche Star-Wars-Technik wir hinter geschlossenen Türen entwickelt haben. Das ist keine Science-Fiction mehr, es ist echt und man kann es sehen."

Raketen fliegen noch weiter

Das sind große Worte. Derzeit würden Kanonen in einem Seegefecht moderner Schiff wegen ihrer geringen Reichweite gar keine Rolle spielen. Der Kampf von Schiff zu Schiff würde mit Raketen ausgetragen werden. Modelle wie die Harpoon übertreffen schon heute die Reichweite der Railgun. Von Schiffen abgefeuerte Cruise Missiles erreichen weit höhere Reichweiten. Der eigentliche taktische Vorteil der Railgun an Bord eines Schiffes bestünde darin, Gegner aus großer Reichweite zu beschießen, die technologisch so weit zurück sind, dass sie selbst keine wirksamen Lenkwaffen einsetzen können. Einen so schlecht gerüsteten Gegner könnte ein Schiff der US-Navy aber auch heute schon mit einer beliebigen Anti-Schiffsrakete versenken. 

Gelingt es, die Railguns deutlich kleiner zu produzieren, sähe das Bild anders aus. Dann könnten sie die klassische Artillerie zu Land komplett ersetzen. Auch für Panzer wäre das System revolutionär, durch die hohe Geschwindigkeit würde das Geschoss jede Panzerung durchschlagen. 

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