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Waffenhilfe 100 Panzerhaubitzen 2000 für Kiew – darüber kann Putin nur lachen

Kiew bekommt moderne Waffen, wenn es dann die Ukraine noch gibt.
Kiew bekommt moderne Waffen, wenn es dann die Ukraine noch gibt.
© PR
Donnerschlag aus Berlin: Kiew bekommt 100 hochmoderne Panzerhaubitzen! Eine tolle Botschaft, doch die Wahrheit ist, für den Krieg gegen Russland kommen die Waffen um Jahre zu spät.

100 Panzerhaubitzen 2000 für die Ukraine – das hört sich an, als ob in Berlin der Knoten geplatzt sei und Kiew endlich schwere Waffen erhält. Tatsächlich ist es komplizierter. Denn diese Haubitzen gibt es gar nicht, sie müssen erst gebaut werden. Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) darf diese Waffen für Kiew herstellen, nicht mehr und nicht weniger. Über einen Export in die Ukraine muss noch gesondert entschieden werden. Das hat aber keine Not, die erste Baugruppe dürfte 2024 in die Ukraine gehen, die ganze Charge soll 2027 fertig werden.

Nicht für diesen Krieg

Was bedeutet das? Für die aktuellen Kampfhandlungen spielen diese Waffen keine Rolle. Auch wenn die Kämpfe sich weiter hinziehen, ist es nicht anzunehmen, dass sie bis in die Jahre 2024 bis 2027 andauern werden. Die Haubitzen erreichen also ein Nachkriegs-Kiew. Der Deal hat vor allem eine politische Dimension, Berlin wird so den Ruf des ewigen Bremsers los. Und anstatt der Mini-Mengen der gelieferten Systeme steht auf einmal eine stattliche Zahl im Raum.

Wie soll man das bewerten? Systeme, die heute geliefert werden, werden irgendwann im Krieg verloren gehen. Also ist es einleuchtend, dass die Ukraine auch in der Zukunft Waffen benötigen wird. Und es macht Sinn, dass Länder, die heute wenig geben können, sich dann darauf konzentrieren in den folgenden Jahren liefern zu können. Der Deal zeigt auch, dass Dinge Zeit brauchen und dass nicht immer Verschleppung im Spiel ist. Kiew soll im April angefragt haben, jetzt wurde das Angebot fertig. Bis zur vollständigen Lieferung wird es Jahre brauchen. Und dafür kann man nun einmal nicht den Kanzler verantwortlich machen.

Geld wird nur einmal ausgegeben 

Auf den ersten Blick ist das richtig. Auf den zweiten weniger. Es ist naiv zu glauben, dass die Hilfe für die Ukraine unendlich ist, tatsächlich steht ein begrenzter Topf zur Verfügung. Wenn aus diesem Topf 100 Panzerhaubitzen finanziert werden, ist das eine gewaltige Summe. 1,7 Milliarden Euro werden die Haubitzen kosten. Dieses Geld wird ob nun direkt oder indirekt vom deutschen Steuerzahler aufgebracht. Und diese Summe verwandelt sich erst in ferner Zukunft zu Kampfkraft. Der ganze Deal nutzt bei den aktuellen Kämpfen nichts, er setzt aber voraus, dass Kiew diesen Krieg siegreich besteht. Denn sollte es zu einem Frieden nach Putins Bedingungen geben, wird der dafür sorgen, dass eine verbleibende Rumpfukraine ganz sicher keine Panzerhaubitzen aus dem Westen bekommen darf.

Ukraine Liveblog Himars

Morgen, morgen nur nicht heute!

Unabhängig von dieser optimistischem Grundannahme darf man fragen, ob es nicht klüger wäre, diese 1,7 Milliarden für Systeme auszugeben, die zeitnäher beschafft werden können. Die Ringtausch-Modelle haben sich allesamt nicht bewährt. Die Idee dabei war, dass Staaten mit funktionsfähigen schweren Waffen diese in die Ukraine liefern und dafür von Deutschland später andere Rüstungsgüter erhalten. Doch insbesondere bei der Frage, in welchem Verhältnis Lieferung nach Kiew und Kompensation durch die BRD stehen sollten, konnte dann keine Einigung erzielt werden. Klüger wäre es, wenn Berlin auf dem Weltmarkt neue und gebrauchte Rüstungsgüter einkauft und die dann zeitnah in die Ukraine liefert. Der Vorkriegspreis eines komplett modernisierten T-72 Kampfpanzer hat etwa 1,8 Millionen Euro betragen. Theoretisch wären das fast 950 Stück. Diese Anzahl kann man kaum auftreiben, aber sie veranschaulicht doch, was man für das Geld am internationalen Waffenmarkt bekommen kann. Dann würde man rund um dem Globus ein Sammelsurium an Waffen zusammenkaufen, die wären dann aber noch im Jahr 2022 im Einsatz.

Um es hart zusagen: Wenn noch mehr Staaten ihre Militärhilfe in Zeiträume nach dem Krieg verlegen, wird Kiew ganz sicher nicht siegen können. Was Besseres kann Putin gar nicht passieren.


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