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Rekordschuss Immer weiter – Kanone der US-Army trifft Ziel in 70 Kilometern Entfernung

Für so weite Schüsse muss der Lauf der Haubitze enormen Belastungen standhalten
Für so weite Schüsse muss der Lauf der Haubitze enormen Belastungen standhalten
© US Army / PR
Die USA entwickeln Kanonen mit enormer Reichweite. In Arizona traft eine Haubitze ihr Ziel in 70 Kilometern Entfernung.

Intelligente Bomben, Raketen mit Hyperschallgeschwindigkeit und Kampfdrohnen prägen unser Bild des Militärs von morgen. Die klassische Artillerie hinkt hinterher. Ein Grund ist die Reichweite. Im Zweiten Weltkrieg waren effektive Reichweiten von zehn bis 20 Kilometern enorm, heute nicht. Dass Problem: Lange bevor eine Kanone selbst ins Gefecht eingreifen kann, befindet sie sich in der Reichweite gegnerischer Raketen und Drohnen.

Die Lösung ist zielgenaue und reichweitengesteigerte Munition. Der US-Army gelang nun ein Test über die Rekordreichweite von 70 Kilometer. Laut dem Portal "Defense News" wurde er dem Yuma Proving Ground in Arizona mit einer M109A7 Haubitze durchgeführt.

Extra langes Rohr

Das Rohr der Haubitze wurde dafür auf fast zehn Meter verlängert. Der lange Lauf und eine neue Treibladung führen zu einer höheren Mündungsgeschwindigkeit von 1000 Metern pro Sekunde. Dabei bleibt es aber bei einer normalen Haubitze. Sogenannte Railguns, die das Geschoss elektromagnetisch beschleunigen, erreichen weit höhere Distanzen ("Tödlich auf 200 Kilometer - diese Star-Wars-Kanone benötigt kein Pulver").

Beides zusammen hat das GPS-gesteuerte "Excalibur"-Geschoss über eine Entfernung von 70 Kilometern gebracht. Aber trotzdem eine Lenkwaffe verwendet wurde, traf nur ein Schuss von dreien ins Ziel. Ein Projektil wurde von starken Winden abgelenkt, das zweite versagte wegen eines Hardwarefehlers.

"Ich glaube nicht, dass unsere Gegner in der Lage sind, ein Ziel in 70 Kilometern Entfernung direkt auf die Nase zu treffen", sagte Brigade General John Rafferty.

Wettstreit mit Russland

Das Excaliburgeschoss wurde von Raytheon entwickelt. Es besitzt ein gegen Störsender gesichertes GPS, Lenkflossen und einem hochexplosiven Sprengkopf. Diese modernen Sprengköpfe nehmen der Artillerie allerdings einen Vorteil. Im Gegensatz zu Lenkwaffen ist die Munition für Kanonen billig gewesen und war in großer Menge verfügbar. Je smarter die Geschosse werden, umso teurer werden sie nun. Und das bei einem kleinem Gefechtskopf. Da kann es Sinn machen, die teure Elektronik für größere Raketen zu verwenden oder aber kleine Sprengkörper mit Drohnen einzusetzen.

Bei der einst als Superzerstörer gefeierten USS Zumwalt sollte ein Schuss der Bordkanone 800.000 Dollar kosten, bevor die Regierung den Irrsinn stoppte. Mit diesem Preis war man fast im Bereich einer Cruise Missile angelangt ("800.000 Dollar pro Schuss: Superzerstörer wird de facto entwaffnet"). Das Rennen um mehr Reichweite ist offen, auch Russland arbeitet an derartigen Geschossen. Eine Art von Raketengranate, die von der älteren neuen 2S35 Haubitze und der älteren 2S19 verschossen werden kann, soll eine Reichweite von mehr als hundert Kilometern erreichen – bei einer Zielgenauigkeit von zwei Metern. Das hat die russische Zeitung "Iswestija" zumindest berichtet.

Quelle: Defense News

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