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Krieg in der Ukraine Caesar – das bewirkt Frankreichs Superkanone in der Ukraine

Die Kanone sitzt hinten am Rahmen und wird dort auch abgestützt.
Die Kanone sitzt hinten am Rahmen und wird dort auch abgestützt.
© Nexter / PR
Die Haubitze Caesar ist auf einem Allrad-Lkw montiert und hochgradig beweglich. Ihre Präzision und Reichweite helfen Kiews Truppen, sich gegen die russische Übermacht zu behaupten.

Aus Deutschland erhält die Ukraine die Panzerhaubitze 2000, aus Frankreich ist die fahrbare Haubitze Caesar bereits im Einsatz. Beides sind moderne Artilleriesysteme und keine Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Und beide unterscheiden sich gewaltig. Die Panzerhaubitze 2000 folgt der Tradition: Auf der Wanne eines Panzers wird die überdimensionierte Kanone untergebracht. Um ihr Gewicht noch bewegen zu können, wird die Panzerung auf ein Minimum reduziert – sie schützt die Besatzung noch vor Granatsplittern. Anders als die Modelle des Zweiten Weltkriegs wie "Hummel" und "Wespe" ist der Aufbau geschlossen. Neben dem Schutz hat diese Bauweise den Vorteil, dass die Haubitze dank des Kettenantriebs Panzer und Schützenpanzer in jedes Gelände folgen kann.

Caesar hingegen folgt einem neueren Design. Das Geschütz wird auf einen Allrad-Lkw montiert. Es sieht nicht mehr aus wie ein Panzer mit zu großer Kanone, sondern eher, als hätte ein Trucker ein Geschütz aufgeladen. Die ganze Struktur ist anders. Vorn ist die Lkw-Kabine mit dem Fahrer, hinten auf der Ladefläche sitzt das Geschütz. Wie bei der Panzerhaubitze ist es nicht voll drehbar. Vor dem Feuern kann und sollte der Lkw hydraulisch abgestützt werden.

Waffen der Moderne

Im Vergleich zu der alten Feldartillerie aus dem Kalten Krieg sind die Geschütze computergesteuert, präziser und erreichen eine höhere Feuergeschwindigkeit und Reichweite. Und sie sind mobiler. Sobald gefeuert wird, kann der Gegner den Standort des Geschützes präzise orten. Caesar ist dann schon weiter, das Gegenfeuer geht ins Leere. Gezogene Feldartillerie muss wieder abgebaut und hinter eine Zugmaschine gehängt werden. Bei gut trainierter Bedienung gelingt das in wenigen Minuten, aber dennoch ist das ein schwerer Nachteil.

Ein ukrainischer Kommandeur bestätigt dies. Er sagte zu AFP, die Waffe trage dazu bei, die ukrainische Verteidigung beweglicher zu machen. "Dieses System ist vor allem sehr wendig und mobil." Die Caesar-Haubitzen des Herstellers Nexter wurden bereits in Afghanistan, Irak und Mali im Kampf eingesetzt. Der Aufbau auf dem Lkw macht sie weit beweglicher als eine Panzerhaubitze. Die 6x6-Lkw wiegen trotz der Länge von 10 Metern "nur" 19,5 Tonnen und können daher per Flugzeug verlegt werden. Obwohl der Motor nur 245 PS hat, erreichen sie eine Geschwindigkeit von 50 km/h im Gelände und 100 km/h auf der Straße. Die nächste Generation wird einen stärkeren Motor, eine gepanzerte Kabine und einen gewissen Minenschutz erhalten.

Kostengünstiger als ein Kettenfahrwerk

Das Fahrgestell kann das Geschütz eigenständig über weite Entfernungen bewegen, die Reichweite liegt bei 600 Kilometern. Ein Kettenfahrzeug ist dagegen eine Diva, für längere Distanzen will es auf einem Hänger kutschiert werden und in der Bewegung erfordert es stets Aufmerksamkeit und Wartung. Wartung und Kosten für das Fahrgestell sind ungleich geringer als für ein Kettenfahrzeug. Es ist anzunehmen, dass dem Lkw-Geschütz die Zukunft gehört. Wegen der Größe der Kanone ist ein modulares System denkbar, aber doch kompliziert. Dann würde die Kanone mitsamt ihrer Technik auf den Boden eines Standardcontainers montiert, sie könnte dann auf ein beliebiges Lkw-Gestellt gesetzt werden.

Zur Besatzung gehören drei bis sechs Soldaten. In 60 Sekunden ist die Kanone einsatzbereit. Dann kann sie sechs Granaten im Kaliber 155 mm/52 sechs Granaten so abfeuern, dass sie gleichzeitig im Ziel einschlagen. 40 Sekunden nach dem letzten Schuss kann der Lkw bereits wieder in Bewegung sein. Diese Geschwindigkeit und die Reichweite von 40 bis 50 Kilometern führt zu einer großen Wirkung auf dem Schlachtfeld.

12 Caesars wurden bereits geliefert, sechs Weitere hat Macron zugesichert. Der Ruf ist immerhin so groß, dass russische Accounts bereits manipulierte Bilder in Umlauf brachten, die erbeutete Haubitzen zeigen sollten.


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