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Rüstung Hyperschallwaffe – mit dieser Rakete wollen die USA Putins Vorsprung einholen

Bilder vom Start waren schon zu sehen, das neue Video kommentiert den ganzen Verlauf der Operation.
Bilder vom Start waren schon zu sehen, das neue Video kommentiert den ganzen Verlauf der Operation.
© US Army
Die USA nehmen das Hyperschallrennen auf: Die US-Army zeigt ein Video von einem erfolgreichen Teststart. Die "Super-Duper"-Waffe ist das Gegenstück zum russischen Hyperschallgleiter Avantgard.

Erst jetzt hat die US-Armee Videomaterial von einem Hyperschallraketentest veröffentlicht, der bereits Anfang des Jahres stattgefunden hat. Bilder vom Start kursierten bereits zuvor, das Video zeigt nun das ganz Manöver. Dabei handelt es sich um einen Gleiter, der mit Hyperschallgeschwindigkeit operiert und der zuvor von einer herkömmlichen Rakete in die Höhe geschossen wird. "Die Rakete verlässt das Feld ziemlich schnell", kommentierte Generalleutnant Thurgood das Video auf Twitter, nennt aber nicht die exakte Geschwindigkeit. In anderem Zusammenhang nannte das Pentagon bereits eine Geschwindigkeit von Mach 17 – das sind etwa 21.000 km/h. Präsident Trump hat für diese Waffe den Begriff "Super-Duper-Rakete" verwendet.

Fällt zur Erde zurück

Die Hyperschall-Gleiter der USA haben keinen eigenen Antrieb, sie fallen zur Erde zurück. Zum Start wird eine Booster-Rakete verwendet. Anders als bisherige Sprengköpfe von Interkontinentalraketen können sie trotz der hohen Geschwindigkeit gesteuert werden. Die "Super-Duper-Rakete" ist gewissermaßen das US-Äquivalent zum russischen Avantgard-System. Dem Start werden weitere Tests folgen. Experten rechnen mit einer Indienststellung erst gegen Ende der 2020er-Jahre. Ein luftgestütztes Hyperschallsystem der USA, die AGM-183, soll bereits Ende 2022 in Serie gehen und könnte 2024 einsatzreif sein.

Russland liegt vorn

Auch wenn darüber gestritten wird, welches Land zuerst das Konzept von Hyperschallwaffen entwickelte, liegt Russland in der Entwicklung dieser Waffen derzeit vor den USA und China. Das Portal "Bulgarian Military" schätzt die Verspätung der Vereinigten Staaten gegenüber Russland bei Hyperschall-Raketensystemen je nach Typ zwischen fünf und neun Jahren.

Während in den USA die ersten Versuchsstarts durchgeführt werden, hat der Kreml diese Waffen bereits im aktiven Dienst. Als Erstes wäre die Kinschal zu nennen. Die Kh-47M2 Rakete wird derzeit in der Luft von einem schweren Kampflugzeug aus gestartet. Der modernisierte Bomber Tu-22M3M wird vier dieser Waffen an Bord nehmen können. Dazu kommen Hyperschallwaffen wie die M22 Zirkon, die von Schiffen gestartet werden. Putin kündigte bereits an, dass auch sehr kleine Schiffe mit diesen gefährlichen Waffen ausgerüstet werden. Eine Version für den Start von Land ist angekündigt. ("Zirkon-Rakete - schneller und tödlicher als vom Westen erwartet")

Der Avantgard-Gleiter soll bereits seit 2019 auf zwei älteren Interkontinentalraketen montiert sein. Bis 2027 sollen zwei Regimenter mit Avantgard-Systemen und modernen Raketen vom Typ RS-28 Sarmat ausgerüstet werden. Im vergangenen Oktober zeigte Peking auf der Parade zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China angeblich bereits einsatzfähige DF-17-Hyperschall-Raketen. ("Avangard-Gleiter - Putins "absolute Waffe")

Hyperschall für kleine Systeme

Die USA haben das Wettrennen um die Hyperschallwaffen zumindest aufgenommen. Laut Dr. Mark Lewis, Direktor für Verteidigungsforschung und Modernisierungstechnik im Verteidigungsministerium, hatten die USA früher einen gewaltigen Vorsprung in der Hyperschalltechnologie. "Es gab ein Element der Hybris. Wir waren so weit voraus", sagte Lewis auf einer Podiumsdiskussion. "Wir haben die Hausaufgaben für China und Russland gemacht. Dann haben wir den Fuß vom Gas genommen." Er betonte, dass nicht allein die hohe Geschwindigkeit diese Waffen so gefährlich mache, sondern ihre Fähigkeit trotz der hohen Geschwindigkeit zu manövrieren.

Hyperschall gilt als "the next big thing" in der Rüstung. Sowohl was die Entwicklung der Systeme selbst angeht wie auch die Entwicklung von Abwehrwaffen. Länder, die über keine Hyperschallwaffen verfügen, werden hier bald von den Rüstungsgiganten deklassiert. Gleiter ohne Antrieb sind dabei ein Sonderfall, weil sie den Sturz aus der Umlaufbahn nutzen. Technisch aufwändiger sind Systeme, deren Raketenantrieb genügt, um derartige Geschwindigkeiten selbst zu produzieren, meist auch mithilfe einer Boosterstufe für den Start. Hier fürchten Experten, dass es den technisch führenden Ländern gelingen könnte, diese Antriebstechnik auch für sehr viel kleinere Waffensysteme nutzbar zu machen. Die bisherigen Systeme sind für strategische Interkontinentalwaffen und als Flugzeugträgerkiller gedacht. Sie kämen nur bei einem Krieg der Supermächte zum Einsatz, mit etwas Glück also nie. Kleinere taktische Waffen könnten dagegen jedes Gefechtsfeld dominieren.

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