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Hyperschallwaffen: Avangard-Gleiter  - Putins "absolute Waffe" geht in Dienst

Die neuen Waffen Russlands sind zu schnell, um sie aufzuhalten. Nach der Kinzhal-Rakete stellt der Kreml nun den Avangard-Gleiter in Dienst. Die unaufhaltsame Waffe soll jedes Ziel in den USA erreichen können.

Avangard

Start eines Avangard-Gleiters

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Im Weltbild von Wladimir Putin hat er zum Jahresende eine alte Schmach wettgemacht. Die UdSSR unterlag letztendlich im Rüstungswettlauf mit der Nato, doch Putins Russland hat das aktuelle Rennen um die Hyperschallwaffen-Waffen für sich entschieden. So zumindest Putin.

Hyperschall-Waffen sind Systeme, die mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen. Sie gelten neben den Einsatz von KI generell als "the next big thing" in der militärischen Rüstung, weil Waffen mit diesem Tempo derzeit nicht abgefangen werden können. Putin sagte bei einem Treffen mit hochrangigen Militärs, dass Russland einen großen Vorsprung bei der Entwicklung neuer Waffen erreicht habe und dass es derzeit das einzige Land der Welt sei, das über einsatzfähige Hyperschallwaffen verfüge. Der Stolz, die übermächtige USA hinter sich gelassen zu haben, war Putin anzumerken. "Jetzt haben wir eine Situation, die einzigartig in der modernen Geschichte ist. Nicht ein einziges weiteres Land hat Hyperschallwaffen, geschweige denn Hyperschallwaffen von interkontinentaler Reichweite."

Kinzhal-Rakete mit extrem hoher Geschwindigkeit

Auch die USA und China arbeiten an Hyperschallwaffen, die Entwicklung ist aber noch nicht so weit gediehen, dass die Systeme von der Truppe eingesetzt werden können. Europa spielt in diesem Rennen derzeit keine Rolle. Schon seit einiger Zeit haben die Russen die Kinzhal im Einsatz. Es handelt sich um eine Mittelstreckrakete mit extrem hoher Geschwindigkeit.

Hyperschalltriebwerke können bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht arbeiten. Die Kinzhal wird daher von einem schweren Kampflugzeug vom Typ MIG-31 aus gestartet, welches die Rakete auf Höhe und die nötige Geschwindigkeit bringt. Als Nebeneffekt verlängert die Reichweite des Flugzeugs die der Rakete. Hyperschallsysteme, die vom Boden oder von See aus eingesetzt werden sollen, benötigen einen Booster - eine Startstufe.

Putin sagte weiter, dass die erste Einheit, die mit dem Hyperschallgleitfahrzeug Avangard ausgestattet ist, diesen Monat in Dienst gehen soll. Die Avangard soll eine interkontinentale Reichweite besitzen und mit 20-facher Schallgeschwindigkeit fliegen können. Anders als die Raketen der USA muss die Avangard keiner ballistischen Laufbahn folgen, sondern kann auf ihrem Kurs manövrieren. Die USA wären nicht in der Lage, sie abzufangen.

+++ Lesen Sie hierzu: Der russische Bär zeigt seine Krallen - was ist dran an Putins Wunderwaffen? +++

Abwehrschirm der USA neutralisiert?

Sollten die Angaben stimmen, wäre das ein großer Erfolg für die russische Rüstungsindustrie. Weltweit haben die USA einen Raketenabwehrschirm aufgestellt. Aus Sicht Moskaus wurde damit das "Gleichgewicht des Schreckens" ausgehebelt. Denn russische Raketen sollten abgefangen werden können, während die US-Waffen Russland weiter hätten erreichen können. Nun hat sich die Situation umgekehrt: Russland verfügt über wirksame Abwehrmaßnahmen gegenüber den Interkontinentalraketen der USA und gleichzeitig über Systeme, die jede Stadt in den USA erreichen können, ohne dass das US-Militär sie abfangen könnte. Neben dem Prestigegewinn gelang Putin hier ein wichtiger Etappensieg im Rüstungskrieg. Waffen wie die Avangard machen den extrem teuren US-Abwehrschirm weitgehend nutzlos.

Polen etwa hat sich 2018 entschieden, für 4,75 Milliarden Dollar zwei Boden-Luft-Raketensysteme vom Typ Patriot einzukaufen. Gegenüber Bedrohungen wie der Avangard ist die veraltete Patriot hilflos. Generell ist es ein erklärtes Ziel von Russland und China, mit vergleichsweise billigen Waffen, sehr teure Systeme der USA zu neutralisieren.

"Es ist eine Waffe der Zukunft, die in der Lage ist, sowohl bestehende als auch zukünftige Raketenabwehrsysteme zu überwinden", sagte Putin weiter. "Das ist kein Schachspiel, bei dem man unentschieden spielen kann. Unsere Technologie muss besser sein. Wir können das in Schlüsselbereichen erreichen, und das werden wir auch."

Rakete mit Nuklearantrieb

Putin sagte danach, dass die Arbeiten zur Entwicklung weiterer aussichtsreicher Waffen, einschließlich der schweren Interkontinentalrakete Sarmat, der nuklearbetriebenen Unterwasserdrohne Poseidon und des nuklearbetriebenen Marschflugkörpers Burevestnik voranschreiten. Vor allem die Burevestnik hat für Aufsehen gesorgt, weil sie einen nuklearen Antrieb hat. Ihre Erprobung und ein Unfall am Weißen Meer sollen Radioaktivität freigesetzt haben. Lesen Sien hierzu: Putins "unbesiegbare" Atomrakete ist im Nordmeer verloren gegangen

Die USA und die Sowjetunion haben in den 1960er Jahren an solchen Nuklearantrieben gearbeitet, die Projekte aber aufgeben. Offenbar hat Russland an die alten Arbeiten angeknüpft. Sollte die Burevestnik einsatzbereit werden, wäre sie eine große Herausforderung für den Westen. Durch die Art ihres Antriebes hätte sie eine praktisch unbegrenzte Reichweite.

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