HOME

Rüstungswettlauf: Der russische Bär zeigt seine Krallen - was ist dran an Putins Wunderwaffen?

Im letzten Jahr tönte Donald Trump, dass er den größten Atomknopf besitze. Nach Putins letzter Rede muss Trump wohl umdenken. Der russische Präsident stellte ein ganzes Arsenal an Hightech-Waffen vor.

Erprobung der Interkontinentalrakete Sarmat.

Erprobung der Interkontinentalrakete Sarmat.

Russlands Präsident Wladimir Putin nutzte seine Rede an die Nation vergangene Woche, um kräftig Wahlkampf zu machen. Er sprach über eine gigantische Steigerung der Getreideexporte, den Bau der Krim-Brücke, den Ausbau der Häfen und die Bekämpfung der Armut im Lande. Im Westen wurde vor allem der Teil der Rede wahrgenommen, in denen Putin neue Waffen der russischen Streitkräfte vorstellte. Waffen – gegen die es keine Gegenwehr geben soll. 

Unter Experten war die Überraschung nicht allzu groß, bis auf ein System war bereits bekannt, dass Russland an den erwähnten Waffen arbeitet, beziehungsweise sie bereits produziert. Doch Folgendes war neu: Es ist ein großer Unterschied, ob im Internet obskure Fotos von Zeichnungen des Weltuntergangstorpedos "Status-6" auftauchen oder ob der russische Präsident, Entwicklung und Erprobung des Systems bekannt gibt. Und auch wenn die Rede vor allem dem Wahlkampf in Russland dient, sollte man sich die vorgestellten Wunderwaffen genau ansehen.

Interkontinentalrakete "Sarmat"

Die Interkontinentalrakete "Sarmat" (RS-28) ist ein bekanntes System, sie soll Ende des letzten Jahres erprobt worden sein. Die neue Waffe ersetzt die alten Raketen aus der Zeit der UdSSR. Die "Sarmat" ist allerdings weit mehr, als nur eine neue Rakete. Sie besitzt eine höhere Reichweite und könnte die USA nicht nur über die Nordpolroute angreifen, sondern kann auch den Weg über den Südpol nehmen. Zudem soll die "Sarmat" über eine ausgefeilte Technik verfügen, um die US-Raketenabwehr zu täuschen.

Es wird zudem vermutet, dass die Rakete schneller und steiler startet als der Vorgänger. Zudem verfügt die Rakete über ein weit höheres Wurfgewicht. Sie kann daher viel mehr Sprengköpfe transportieren. Experten erwarten, dass die echten Gefechtsköpfe von einem Schwarm an Täuschkörpern begleitet werden. Doch vermutlich wird die Sarmat-Rakete keine herkömmlichen Gefechtsköpfe transportieren, sondern schnelle Hypersonic-Glider. Der ultraschnelle Gleiter YU-71 wurde unter dem Namen Project 4202 entwickelt. Seine extrem hohe Fluggeschwindigkeit und die Fähigkeit zu Kursänderungen machen es derzeit unmöglich, ihn abzufangen.

Hyperschall-Waffe "Kinschal"

Hyperschall-Waffen, also Systeme mit Geschwindigkeiten von mehr als der vier bis fünffachen Schallgeschwindigkeit, gelten als Schlüsseltechnologie für das heutige Wettrüsten. Neben der bereits bekannten und getesteten "Zirkon"-Rakete, die von Schiffen gestartet wird, stellte Putin die "Kinschal"-Rakete vor. Diese Waffe wird von einem umgebauten Abfangjäger des Typs MiG-31 gestartet. Videos zeigen, dass diese Waffe bereits von den Streitkräften erprobt wird.

Die "Kinschal"-Rakete profitiert davon, dass sie nicht aus dem Stand und vom Boden aus gestartet wird, sondern von einem schnell fliegenden Jäger aus. Anders als zunächst angenommen nutzt die Waffe kein Staustrahltriebwerk, es ist die erste ballistische Rakete, die von einem Jet aus gestartet wird. Die hohe Geschwindigkeit - die Rede ist von zehnfacher Schallgeschwindigkeit, also 12.000 km/h - und die Fähigkeit zu Ausweichmanövern machen es unmöglich, die "Kinschal" mit Abwehrraketen abzuschießen. Besonders gefährlich wird die Rakete durch ihre hohe Reichweite: Sie soll 2000 Kilometer betragen. Eine MiG-31 könnte diese Rakete weit außerhalb der gegnerischen Luftabwehr starten. Das System kann konventionell und atomar bewaffnet werden. Einsetzbar wäre es gegen Ziele tief im Gebiet des Gegners und natürlich wäre die "Kinschal" auch ein klassischer Flugzeugträger-Killer. 

Weltuntergangs-Torpedo

Erste Bilder der Unterwasser-Drohne "Status-6" tauchten Ende 2015 auf Handy-Fotos auf. Im Prinzip erinnert das System an einen gigantischen Torpedo mit immerhin 24 Meter Länge. Trotz der Größe soll "Status-6" auch von U-Booten gestartet werden können. Die Besonderheit der Waffe ist die extrem große Reichweite von 10.000 Kilometern und die sehr hohe Unterwasser-Geschwindigkeit. Es werden Geschwindigkeiten von 100 bis 185 km/h genannt. Zusammen mit einer Tauchtiefe von bis zu 1000 Metern ist "Status-6" derzeit nicht aufzuhalten. Im Westen wird befürchtet, dass der Supertorpedo mit einer Wasserstoff-Bombe bestückt werden könnte. Eine Explosion könnte einen Mega-Tsunami auslösen, der eine fünfhundert Meter hohe Wasserwand auf die US-Küste loslassen würde. 

"Avangard"-Flugkörper

Ebenfalls neu in Putins Hyperschall-Arsenal ist der "Avangard"-Flugkörper. Der Gleiter wird von einer Startrakete in die äußere Atmosphäre gebracht, von dort stürzt er mir 20-facher Schallgeschwindigkeit auf die Erde zurück. Seine Fähigkeit zu abrupten Kursänderungen und die hohe Geschwindigkeit machen es unmöglich, ihn abzufangen. In der Atmosphäre erhitzt sich die Oberfläche auf bis zu 2000 Grad. "Wie ein Meteorit, wie ein glühender Ball stürzt sich "Avangard" auf sein Ziel", sagte Putin. Gemäß dem russischen Präsidenten und anderen Offiziellen befindet sich der "Avangard" bereits in der Serienproduktion. 

Atomarer Marschflugkörper

Die größte Überraschung war die Ankündigung eines atomar angetriebenen Marschflugkörpers. Auch diese Waffe soll extrem schnell und wendig sein, und soll so die gegnerische Abwehr durchdringen. Besonderheit ist der atomare Antrieb, der dem System eine praktisch unbegrenzte Reichweite geben soll. Von dieser Waffe und ihrem futuristischen Antrieb war vorab nichts bekannt. Westliche Experten sind entsprechend skeptisch, auch wenn die russische Seite behauptete, das System bereits getestet zu haben. Jahrzehntelang hat man von dieser Antriebsform nichts gehört, in den 60er Jahren gab es allerdings entsprechende Forschungen. 

Wie gefährlich wird es?

Wie bedrohlich sind diese Waffen? Kurze Antwort: Sehr. Mit diesen Systemen kann Russland zwar nicht nach der Weltmacht greifen. Doch Moskau könnte den USA in jedem Konflikt entgegentreten. Dass Russland nach Wegen sucht, den US-Raketenabwehrschild zu überwinden, ist nicht neu und wurde vom Kreml mehrfach angekündigt. Eine wirklich neue Lage im Vergleich zum Kalten Krieg ergibt sich nicht: Einmal abgeschossen können strategische Raketen nicht abgefangen werden, so war es damals und so ist es offenbar auch heute. 

Doch wenn man davon ausgeht, dass der US-Raketenabwehrschirm nicht gegen imaginäre Mullah-Raketen, sondern wegen Russland aufgestellt wurde, muss man feststellen, dass der kostspielige Versuch Washingtons, Russlands strategisches Arsenal zu neutralisieren, erst mal gescheitert ist. Zugleich sind die Fähigkeiten Russlands selbst angreifende Raketen abzufangen sehr hoch. Bis 2020 sollen allein vier Batterien der S-500 Prometheus rund um Moskau aufgestellt werden.

Diese Waffen blockieren die USA

Die eigentliche Gefahr für den Westen und die USA ist nicht die Fähigkeit Russland zu einem vernichtenden Atomschlag. Weit gefährlicher sind die Möglichkeiten, die sich unterhalb des Levels des Einsatzes von Atomwaffen ergeben. Insbesondere bei der breiten Einführung von Hyperschallwaffen mit hoher Reichweite scheint Russland derzeit die Nase vorn zu haben. Man kann zweifeln, ob und wann ein etwaiger Atom-Gleiter einsatzbereit ist. Aber allein die "Kinschal"-Rakete und das "Avangard"-System sind extrem gefährliche Waffen. Mit der Reichweite von 2000 Kilometern der "Kinschal"-Waffe gibt es für die USA praktisch keine Zonen - Anti-Access, Area-Denial (A2/AD) – mehr, die vor russischen Waffen sicher sind. Oder anders ausgedrückt: Die USA müssen nun sehr schnell Gegenmaßnahmen entwickeln, um ihre kostbaren Träger zu schützen. Denn derzeit sitzen sie auf dem Präsentierteller.

Im letzten Jahr konnte man außerdem ein Umdenken bei den russischen Rüstungsexporten beobachten. Anders als zuvor ist der Kreml bereit, auch hochmoderne Waffen wie das Luftabwehrsystem S-400 für dringend benötigte Devisen zu exportieren. Sollte Putin die neuen Hyperschallwaffen weltweit anbieten, dürfte ihre Verbreitung die Fähigkeit der USA, überall auf der Welt eine überwältigende militärische Macht einzusetzen, deutlich mindern.  

Lesen Sie auch:

Experten warnen: Super-schnelle Raketen machen den Atomkrieg wahrscheinlicher

Mit Hyperschallraketen sollen Putins Schlachtkreuzer die US-Träger versenken

Der russische Bär zeigt seine Krallen - was ist dran an Putins Wunderwaffen?

- Sarmat YU-71 - Putin zeigt die tödlichste Nuklearwaffe seit Ende des Kalten Krieges

- Zircon . Mit dieser Rakete will Putin Flugzeugträger pulverisieren

Chinas Superrakete ist viel zu schnell für den US-Raketen-Schutzschild

- B21 Raider - Dieser Super-Bomber soll Russlands Luftverteidigung durchbrechen

Orlan – Russland baut Nachfolger des kaspischen Seemonsters