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Analyse

Militärische Superlative: Wie Putin mit einer "unaufhaltbaren" Waffen-Armada ein politisches Meisterwerk gelingt

Raketen ohne Reichweiten-Limit und atombetriebene Marschflugkörper - bei seiner Rede an die Nation stellte Wladimir Putin sein angeblich unverwundbares neues Waffen-Arsenal vor. Ob Bluff oder nicht - seinen Platz im Kreml sichern die Raketen zweifellos.

Wladimir Putin hält seine Rede an die Nation

Wladimir Putin hält seine Rede an die Nation. Die versammelte russische Elite aus Regierung, Parlament, Justiz, Wirtschaft und Kultur applaudiert.

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Unverwundbar sollen sie sein, die neuen Super-Waffen Russlands: Die 200 Tonnen schwere Interkontinentalrakete "Sarmat" mit Reichweite ohne Limit, Hyperschallraketen, die in dichten Atmosphärenschichten manövrieren können und so schnell sind wie Meteoriten, ein atombetriebener Marschflugkörper, ein neuartiger Torpedo und unbemannte Unterwassefahrzeuge, die die Geschwindigkeit von U-Booten übersteigen. Im Kampf gegen diese Waffen sollen alle Raketenabwehrsysteme der Amerikaner einfach nutzlos sein. "Mittel, die sie aufhalten können, existieren derzeit einfach nicht in der Welt. [...] Es ist einfach surreal", musste selbst Wladimir Putin zugeben und erging sich in Superlativen, als er das neue Waffenarsenal seinem Volk bei der traditionellen Rede an die Nation vorstellte: Unaufhaltsam, unbezwingbar, unverzichtbar. So wie er selbst, hätte er wohl am liebsten hinzugefügt.

Er tat es nicht. Wozu auch? Seine Botschaft vermag Putin auch ohne eindeutige Worte unmissverständlich zu machen: Er ist und bleibt der Vater der Nation. Sein Auftritt vor dem Parlament war ein Meisterstück der Selbstinszenierung. Knapp zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl war es an der Zeit, Russland daran zu erinnern, wer was wem zu verdanken hat. Putins Standpunkt: Alle alles nur ihm.

Auch die neue Waffen-Armada, die "eine Garantie für Frieden auf unserem Planeten" sein soll, wie der Kreml-Chef es blumig formulierte. Putin vergisst nicht zu betonen, dass die neuen Super-Technologien keine Erbschaft aus der Sowjetzeit sind. "Alles, was ich heute genannt habe, sind die neuesten Erfindungen der letzten Jahre. Tausende unserer Experten haben daran gearbeitet. [...] Sie alle sind wahre Helden unserer Zeit."

Wladimir Putin weiß, was sein Volk begehrt

Putin vergisst nie, die Helden seines Landes zu erwähnen, ob es Wissenschaftler sind oder Offiziere, die sich im Syrien-Krieg aufopfern. Vor ihrem Hintergrund wirkt er noch größer. Denn er vergisst auch nie zu erwähnen, wer diese Helden lenkt und steuert. Mehrmals zitierte Putin in seiner Rede an die Nation sich selbst. Stets mit der Einleitung, dass es ihm doch sehr unangenehm sei, aber doch unabdingbar, hätte er doch seine Versprechen von einem überlegenen, modernisierten Militär wahrhaftig erfüllt. 

In einem Land, in dem das Militär wie kaum etwas anderes verehrt und glorifiziert wird, ist die Demonstration der eigenen militärischen Überlegenheit der einfachste Weg, die Herzen des Volkes zu ködern. Nach Putins Rede werden so einige in Russland mit stolzgeschwellter Brust Trinksprüche auf sich selbst ausbringen, über die russische Stärke frohlocken und schadenfroh nach Westen blicken. 

Die großen Sozialreformen, die Putin für die kommenden sechs Jahre angekündigt hat, geraten da schon fast in Vergessenheit. Dabei sollen sie ebensolche Superlative erreichen, wie die Hyperschallraketen. Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, will Putin halbieren. Auch für Familien und Kinderbetreuung, für Wohnraumbau, für Stadt- und Regionalentwicklung und Straßenbau solle mehr ausgegeben werden. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts wolle Russland unter die fünf größten Volkswirtschaften aufrücken. Dafür müsse das Pro-Kopf-Einkommen um die Hälfte steigen.

Wahlkampf ist unter Putins Würde

Große Worte, aber die Russen sind geneigt, Putin zu glauben. Was soll man einem Mann, der unverwundbare Nuklearwaffen entwickelt, auch nicht glauben? Auch wenn einige Experten die Atomwaffenpläne des russischen Präsidenten für nicht realisierbar halten.

Putins Auftritt am Donnerstag ist bislang sein einziger im diesjährigen Wahlkampf. Und es wird wohl auch der einzige bleiben. Wahlkampfauftritte oder Diskussionsrunden im Fernsehen scheinen unter der Würde des Kreml-Chefs zu sein. Wahlkampftermine sagt Russlands Präsident stets ab - zumeist müssen Krankheiten als offizielle Entschuldigung herhalten. Während seine sieben Gegenkandidaten sich in unzähligen Polit-Shows gegenseitig niederzubrüllen versuchen, lässt sich der Landesvater Putin zu diesem Gewusel nicht herab. Ihm reichen wenige Sätze, um klar zu machen, wer in Russland die nächsten sechs Jahre herrschen wird - und warum.