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Luftabwehr Weltraumwaffe: Putins S-500 "Prometheus" soll die Satelliten und Hyperschallraketen der USA zerstören

Zu einem S-500 Komplex gehören nicht nur die mobilen Abschussrampen, sondern auch Radaranlagen und eine Kommandoeinheit.
Zu einem S-500 Komplex gehören nicht nur die mobilen Abschussrampen, sondern auch Radaranlagen und eine Kommandoeinheit.
© Russland Militär / Commons
In diesem Jahr wird der S-500 Komplex in Dienst gestellt, Russlands Schutzschild im Weltraum. Experten nennen die Waffe einen "Allesfresser", der Stealth-Jets, Interkontinentalraketen und Hyperschallwaffen bekämpfen kann. Westliche Systeme sollen 15 Jahre zurückliegen.

Noch in diesem Jahr soll Russlands neuestes Raketenabwehrsystem, der Komplex S-500 Prometheus, in den Dienst gehen, nachdem alle Tests abgeschlossen sind. Bei der S-500 handelt es sich nicht um den Nachfolger des bekannten Systems S-400. S-300, S-400 und S-500 haben unterschiedliche Aufgaben und jedes System wird weiterentwickelt. Die 40N6-Raketen der S-400 erreichen bereits eine Reichweite von bis zu 380 Kilometern. Darauf setzen die Raketen der S-500 noch eines drauf. 

System für die Zukunft

Das Luftverteidigungssystem S-500 Prometheus wird seit Mitte der 2000er Jahre von der Firma Almaz-Antey entwickelt. Berichten zufolge beträgt der Radius der 40H6-Flugabwehrrakete 400 Kilometer, während die leistungsstärkeren 77N6-Raketen Ziele in einer Entfernung von bis zu 600 Kilometern treffen können. Der S-500 Komplex wurde nicht primär zur Bekämpfung von feindlichen Flugzeugen entwickelt, er soll vor allem angreifenden Raketen abfangen.

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In der Zeitung "Krasnaja Swesda" sprach der Chef der Luftwaffe, Generaloberst Sergej Surowikin, über die Fähigkeiten der S-500. Er sagte, dass die Hauptaufgabe des Raketen-Komplexes die Zerstörung von ballistischen Mittelstreckenraketen und von Sprengköpfen von Interkontinentalraketen sein wird. Jeder Komplex soll parallel zehn eintreffende Raketen bekämpfen können. Um das zu bewerkstelligen, wird die Reichweite der Raketen bis in den nahen Weltraum reichen. Die S-500 ist daher auch ein Satellitenkiller, zumindest von denen, die in nahen Umlaufbahnen stationiert sind.

Abwehr von Hyperschallwaffen 

Westliche Experten hatten erwartet, dass die S-500 eine weitere, äußere Schicht der Luftverteidigung darstellt und gewissermaßen als Antwort auf den US-Weltraumschutzschild zu verstehen ist. Doch Surowikin fügte nun eine weitere Fähigkeit der S-500 hinzu: "Die im S-500-Luftverteidigungssystem festgelegten Eigenschaften ermöglichen es, ... Hyperschallwaffen aller Modifikationen zu zerstören, auch im nahen Weltraum." Das ist erstaunlich, da nur Russland solche Systeme im Dienst hat.

Pavel Sozinov, Generalkonstrukteur des Almaz-Antey-Konzern, beschrieb die Aufgaben der S-500 so: "Wir haben versucht, eine Prognose der Entwicklung von Angriffswaffen in der Luft- und Raumfahrt für die nächsten 25 Jahre zu erstellen und wir glauben, dass sie sehr zuverlässig die Eigenschaften beschreibt, die ein potenzieller Gegner in dieser Zeitspanne erreichen kann. Dementsprechend muss unser System auch in der Lage sein, mit den Waffen umzugehen, die heut noch fehlen, aber in fünf, sieben oder zehn Jahren auftauchen können."

Der russische Militärexperte Igor Korotschenko bezeichnete die Waffe als "Allesfresser." Korotschenko, Direktor des Zentrums für internationalen Waffenhandel (CAMTO), erläuterte im Sender RIA Novosti: "Die S-500 kann praktisch alle existierenden und lohnenden Luftziele im nahen Weltraum und in der Atmosphäre zerstören, daher kann sie strategische Fragen der Raketenabwehr lösen. Darüber hinaus ist es ein mobiles System, was bedeutet, dass es schnell in jedem bedrohten Gebiet eingesetzt werden kann."

Vollautomatisiertes System

"Die S-500 ist in der Lage, Flugzeuge aller Art, taktische und operativ-taktische Raketen, ballistische Raketen sowie Drohnen und vielversprechende Hyperschallraketen als traditionelle Ziele solcher Systeme zu erkennen und zu verfolgen. Das System arbeitet in einem weiten Bereich: in der Atmosphäre und im nahen Weltraum, in Höhen in der Größenordnung von 270 bis 300 Kilometern." Er nimmt an, dass S-500 voll automatisch funktioniere: "Kampfauftrag, Zielerfassung und -verfolgung, die Auswahl der Raketen für den Einsatz erfolgt ohne Beteiligung des menschlichen Operators, seine Aufgabe ist nur die Bestätigung des Starts".

Der Anti-Ballistik-Raketenkomplex THAAD der USA sei weit weniger leistungsfähig, so Korotschenko. Er nimmt an, dass der Vorsprung Russlands gegenüber dem Westen etwa 15 bis 20 Jahre betrage. "Die Entwicklung von Systemen, die mit der S-500 vergleichbar sind, befindet sich im Westen in der Anfangsphase, und Russland hat bereits mit Feldtests begonnen."

Uneinigkeit über die Fähigkeiten

Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass die erste S-500 im Jahr 2021 an die Truppen übergeben werden könnte, nach einigen Jahren wird die Massenproduktion beginnen. Über die Fähigkeiten der russischen Abwehrsysteme wird heftig gestritten. In Syrien installierte der Kreml einen S-400 Komplex. Der griff aber niemals in die Kämpfe ein. Manche Publikationen zogen daraus den Schluss, dass die S-400 US-Stealth-Jets nicht als Ziel erfassen könnte. Tatsächlich dürfte der Nicht-Einsatz der S-400 politische Gründe haben, würde er doch einen direkten Angriff des russischen Militärs auf Flugzeuge der USA oder Israels bedeuten. Lesen Sie hierzu: "Putins Raketen sind gar nicht so mächtig, sagt schwedische Militär-Studie".

Russland behauptet seit Langem, auch Stealth-Jets erfassen und abschießen zu können. Zu Beginn des Syrien-Engagements verhöhnte der Chef des Generalstabes, Gerassimow, die "westlichen Amateure", die an die Unbesiegbarkeit ihrer vermeintlich unsichtbaren Stealth-Jets glaubten. Ein wichtiges Indiz in diese Richtung ist der erfolgreiche Verkauf der S-400. Da die Kunden bereit sind, Milliarden für das System auszugeben, müssen die Daten des Kremls zumindest sie von den Fähigkeiten der S-400 überzeugt haben.

Quellen: Moscow Times; Bulgarian Military

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