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Aufrüstung China schockt mit Hyperschallwaffen: Gleiter startet erstmals zweite Rakete im Flug

Die Rakete wurde vom Wenchang Space Center aus gestartet.
Die Rakete wurde vom Wenchang Space Center aus gestartet.
© Guo Wenbin / Picture Alliance
Peking soll es gelungen sein, während der Hyperschallphase aus einem Gleiter eine zweite Rakete zu starten, so US-Experten. Damit habe China Russland und die USA technisch weit hinter sich gelassen.

Hyperschall ist seit einigen Jahren der große Rüstungstrend der Supermächte, auch weil Putins Russland hier vorpreschte und derartige Waffen vor den USA einführte. Nun soll China alle Konkurrenten weit hinter sich gelassen haben. Im Juni hat Peking einen Hyperschalltest gemacht. Das allein ist nichts Besonderes. Doch den Chinesen gelang es, aus ihrem Hyperschalgleiter eine weitere Hyperschallrakete abzufeuern, berichtet die "Financial Times".

Manöver bei hohen Geschwindigkeiten

Was ist daran so ungewöhnlich? Hyperschallgleiter bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von mindestens fünffacher Schallgeschwindigkeit, aber auch Mach 12 wurde bereits erreicht. Um nicht in der Atmosphäre zu verglühen, sind sie von einer Plasmahülle umgeben. Lange Zeit glaubte man, es sei unmöglich mit so einem Gleiter Daten auszutauschen und ihn zu steuern – beides gelang inzwischen. Mit dem Aussetzen oder Abfeuern eines weiteren Körpers bei dieser Geschwindigkeit, wurde eine weitere Hürde genommen.

Perspektivisch dürfte für Peking damit ein voll funktionsfähiges Kampfflugzeug mit Hyperschallgeschwindigkeit möglich werden. US-Experten rätseln, wie den Chinesen dieses Kunststück gelungen ist, so die "FT".

Nukeare Aufrüstung

Im ersten Schritt bedeutet es, dass Peking einen Hyperschallgleiter bauen kann, der bei extremen Geschwindigkeiten Hyperschallraketen mit Gefechtsköpfen freisetzen kann, die dann das eigentliche Ziel angreifen. Denkbar sind auch Abwehrwaffen, die den Gleiter vor Abfangraketen schützen. In beiden Fällen wäre es derzeit mehrfach unmöglich, einen Angriff durch einen derartigen Gleiter abzufangen. Hier kommt hinzu, dass die Reichweite des Gleiters weit höher ist als die einer ballistischen Rakete. Um Ziele in USA zu treffen, muss die Startrakete nicht den Weg über den Nordpol nehmen, auf diese Route konzentriert sich die US-Raketenabwehr. Sie könnte auch über den Südpol anfliegen. Ähnlich wie der russische Avantgard-Gleiter wird das chinesische System das Ziel nicht auf direktem Kurs anfliegen müssen, sondern wird Haken und Bögen fliegen können.

Überholen nach dem Aufholen 

Bislang befindet sich die Volksrepublik immer noch in einer technologischen Aufholjagd – militärisch wie zivil. Doch mit solchen Projekten "kopiert" Peking niemanden mehr und übernimmt selbst die technologische Führung. Für die USA sind das alarmierende Zeichen. Auch weil eine umfassende Modernisierung und Ausweitung des nuklearen Arsenals der Volksrepublik erwartet wird. Derzeit verfügt China im Vergleich zu Russland und den USA nur über sehr wenige nukleare Sprengköpfe. Schon aus Statusgründen wird Peking gleichziehen, aber auch um ein Gegengewicht zur nuklearen Bedrohung durch die USA aufzubauen. Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass Peking den Bestand alter Raketen aufstocken wird.

Viel bedrohlicher ist die Vision, dass die Atomstreitkräfte in jeder Beziehung auf ein neues technologisches Niveau gebracht werden. Etwa mit dem getesteten Hyperschallgleiter. Bislang rüsteten die USA immer gegen wirtschaftlich weit schwächere Gegner, doch anders als Russland kann sich die chinesische Volksbefreiungsarmee auf eine starke Volkswirtschaft stützen. Westliche Experten nehmen an, dass China die USA im Jahr 2028 beim Bruttosozialprodukt überholen, und dann auch nominell die stärkste Volkswirtschaft der Welt sein werden. Eine einzigartige und neue Herausforderung für die USA. General Mark Milley, Vorsitzender des U.S. Joint Chiefs of Staff, nannte den Waffentest als einen "Sputnik-Moment" und spielte auf den russischen Vorsprung von 1957 an, als es der UdSSR gelang vor den USA einen Satelliten ins All zu bringen.

Quelle: FT


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