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Eisenbahntechnologie Schneller als ein Flugzeug – Südkoreas Hyper-Zug erreicht über 1000 km/h

Eine Stromlinenform ist im Vakuum nicht notwendig
Eine Stromlinenform ist im Vakuum nicht notwendig
© Korail / PR
Südkorea plant ein Eisenbahnsystem mit Vakuumröhren. Ein Versuchszug ist schon jetzt schneller als ein Passagierflugzeug.

Wenn ein Zug im kommerziellen Betrieb deutlich schneller als 500 km/h werden soll, muss er in eine Röhre gesteckt werden. So funktioniert auch der Hyperloop des PR-Genies Elon Musk. Weit weniger bekannt ist, dass neben westlichen Firmen auch China und Südkorea an solchen Röhrensystemen arbeiten ("1000 km/h - Chinas neue Züge"). Mit dem Unterschied, dass ihr Ziel weit ambitionierter ist. In Asien sollen nicht kleine Minikabinen auf die Reise geschickt werden, sondern ausgewachsene Züge. Die Röhre ist aus zwei Gründen notwendig. Zum einen würde ein sehr schneller und im Freien fahrender Zug eine unerträgliche Lärmbelastung bedeuten. Innerhalb von bebauten Regionen könnte man ihn nicht betreiben. Eine Geschwindigkeit oberhalb der Schallmauer wäre schon in der Theorie so nicht zu erreichen.

Vakuum löst viele Probleme

Zum Zweiten wird der Luftwiderstand mit wachsender Geschwindigkeit immer größer, die Fahrt benötigt immer mehr Energie. Beide Probleme sollen durch Vakuum-Röhren gelöst werden. Das südkoreanische Eisenbahnforschungsinstitut Korail (Korean Railroad Research Institute) hat nun einen Durchbruch erreicht. Ein Testzug erreichte eine Geschwindigkeit von über 1000 km/h in der Röhre. Korail stellte fest: "Wir haben die Probleme, die durch die Reibung bei schneller Beschleunigung im Beschleunigerteil des aerodynamischen Testsystems verursacht werden, überwunden und die Geschwindigkeit von 1000 km/h überschritten." Gelingt es, die Reibung innerhalb der Röhre zu reduzieren, sind noch weit höhere Geschwindigkeiten möglich. In den USA veranstaltete vor kurzem Virgin Hyperloop eine Versuchsfahrt mit einem Passagier an Bord einer Transportkapsel. Auf der Teststrecke wurden allerdings nur 172 km/h erreicht.

Ohne fossile Brennstoffe

Das asiatische Land startete sein Hyperrohr-Projekt 2017 – es ist also ein sehr schneller Fortschritt. Mit dem neuen Versuch wurde der frühere Rekord von 714 km/h deutlich überboten. Nun arbeiten die Koreaner in einem Bereich, der bereits über der Marschgeschwindigkeit von Flugzeugen liegt. Das erklärte Ziel dieser Technik ist es, auf mittleren und langen Distanzen schnellere Reisen als der Luftverkehr zu bieten. Dazu kommen weitere Vorzüge. Diese Züge werden mit Magnetkissen beschleunigt. Sie benötigen keine fossilen Treibstoffe, sie werden elektrisch angetrieben. Und könnten daher von Beginn an komplett Strom aus regenerativen Quellen nutzen. Da die Röhren auch unterirdisch verlegt werden können, wäre es kein Problem, so einen Hyper-Bahnhof mitten in der Stadt anzulegen. Und das ohne jede Lärmbelästigung, wie sie ein Flughafen immer mit sich bringt.

Ambitionierter Zeitplan

Gegenüber westlichen Firmen hat Korail einen weiteren Vorzug: Es gibt bereits einen Referenzkunden für die neue Technik. Das Land will ab 2024 ein System von Hyperröhren bauen. Unter anderem ist geplant, die Fahrt von Seoul nach Busan von drei Stunden und dreißig Minuten auf nur noch dreißig Minuten zu verkürzen. Schon im Jahr 2020 will das Institut mit der Entwicklung eines kommerziellen Systems von Röhren und Fahrzeugen beginnen. Das derzeitige Forschungsfahrzeug ist übrigens kein Miniaturmodell, es erreicht bereits die spätere Größe.

Quelle: Korail

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