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"Yes we fuck": Loree sitzt im Rollstuhl und dreht Pornos – dafür hat sie jetzt einen Preis bekommen

Zum zehnten Mal wurden in Berlin alternative Pornos mit dem europäischen feministischen Porno-Award "PorYes” ausgezeichnet. Loree Erickson ist eine der Gewinnerinnen. Das Projekt der Rollstuhlfahrerin: "Queer crip porn".

Von Ann Esswein

Porno Award

Sex-Aktivistin Loree Erickson erhält in diesem Jahr die lilane Auster, einen alternativen Porno-Preis. Ihr Projekt: "Queer crip porn”, Pornos, die Menschen mit Behinderungen zeigen.

Das Erste, was man sieht, ist der Mund einer Frau. Das nächste Bild ist verschwommen, dann ein Tattoo. Wimpern. Ein Brustwarzen-Piercing. Ihr Mund öffnet sich und die Hand wandert körperabwärts. Der Bauch bebt, als die Kamera langsam rauszoomt. Auf einem Bett liegt eine Frau, die sich selbst befriedigt, die Beine angewinkelt. Ihr Körper widersetzt sich der gängigen Symmetrie. Der Körper einer Rollstuhlfahrerin.

Die Botschaft lautet: "Yes, we fuck"

Die Regisseurin des Films heißt Loree Erickson. Sie sitzt in der ersten Reihe im Berliner Theater HAU Hebbel am Ufer, auch in einem elektrischen Rollstuhl. Im nächsten Film-Abschnitt erscheint sie selbst. Eine Frau küsst ihr Schlüsselbein entlang, auch ihre Brüste. Dann ein nächster Film: Zwei füllige Frauen in einem Bett. Vorsichtig schiebt die eine der Liegenden das rote Kleid nach oben und zieht eine Beinprothese ab. "Schnelles Atmen" steht in den Untertiteln für Gehörlose. Nach dem Höhepunkt küsst die Frau das amputierte Bein. Im Abspann heißt es: "Yes we fuck”. Ja, wir Menschen mit Behinderung ficken auch. Die Zuschauer klatschen.

Es ist der zehnte europäische feministische Porno-Award "PorYes”. Die sechs Nominierten sitzen an diesem Samstagabend mit in den ersten zwei Reihen. Sie haben eines gemeinsam: Ihre Filme transportieren ein anderes Bild von Sexualität und Lust als die meisten Mainstream-Pornos

Porno Award

Der europäische feministische Porno-Award "PorYes” wird seit 2009 an alternative Porno-Produktionen vergeben. In diesem Jahr erhielt auch Sex-Aktivistin Loree Erickson (r.) eine lila Auster.

Diversität in der Pornoindustrie

Die Darsteller und Darstellerinnen an diesem Abend sind nicht ausschließlich weiß, jung und schön, selten heterosexuell. Sie sind alt und jung, dick und dünn. Bunt und queer, wie das Publikum. Die Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin Laura Méritt hat den alternativen Pornofilmpreis 2009 gegründet. Seitdem hat sich der Widerspruch zwischen Feminismus und Pornografie immer mehr aufgelöst. Früher in Porno-Kinos wird der Preis heute in einem interdisziplinären Theater verliehen. An Universitäten ist der Porno eine Forschungsdisziplin geworden. Auch eine Kunstform. Pornos werden in Feuilletons rezensiert. Und auch an diesem Samstagabend ist die Schlange der Medienvertreter länger als die der Gäste.

Von der Loge und vom Parkett blicken die Gäste auf die Leinwand. Dann wird es still. Die Theatersitze knarzen. Erickson löst die Bremse und fährt über eine Rampe auf die Bühne, um den Preis, die lila Auster, entgegen zu nehmen. Rosa Scheinwerferlicht in ihren rosa Haaren. Sie trägt ein Tigertop mit tiefem Ausschnitt und rosa Glitzerschuhe, die Augen dunkel geschminkt.

"Queer crip porn"

Die Sexaktivistin Laura Méritt, die den Abend moderiert, geht in die Hocke, um Erickson zu fragen, was sich in zehn Jahren verändert habe. "Viel", sagt diese und setzt ein "Aber" hinzu: Noch immer gäbe es viele marginalisierte Stimmen, die nicht gehört werden. Menschen mit Behinderung. Kurz unterbricht Erickson ihr Lächeln: "Ich bin es leid, als inkompetent gesehen zu werden und wie ein Kind behandelt zu werden, nur weil die Gesellschaft nicht instruiert wurde, mit Leuten wie mir umzugehen." Erickson ist Mitbegründerin des crip porn. "Queer crip porn”, ergänzt sie. Krüppel-Porno.

"Ich habe mich immer ausgeschlossen gefühlt", sagt Erickson einen Tag zuvor in einem Café in der Nähe der Berliner Aids-Hilfe. Ein Sticker mit einem Rollstuhlzeichen und bunten Streifen klebt an der Glasfront. Es ist ein sonniger Herbsttag im Berliner Stadtteil Schöneberg. Erickson fährt über buntes Laub und parkt ihren elektrischen Rollstuhl vor dem Tisch, einen Coffee-to-go-Becher in der Hand. Ihre Betreuerin reicht ihr einen Strohhalm aus der Rollstuhl-Tasche. Das Smartphone baumelt um ihren Hals.

Kann ich sexy sein?

"Ich bin müde", sagt sie. Pressetreffen hier. Konferenzen da. Der Award ist ein Teil einer zweiwöchigen Tour. Glasgow. Kurz in die schottischen Highlands. Eine Woche Berlin. Erickson, 43, Nasenpiercing und Zahnlücke, stützt ihren Kopf in den Arm. Zwei Pfauen schauen von ihren Kniestrümpfen entgegen. Wenn sie lächelt, kräuselt sich ihre Nase. Sie ist es gewohnt, für die Kamera zu posen. Das war nicht immer so. Sie wächst in Richmond Virginia auf. Seit sie sieben Jahre alt ist, habe es für sie nur eine einzige Wahrheit gegeben: Dass sie unattraktiv ist. Und das habe sie von allen Seiten gespiegelt bekommt: Filmen, Freunden, Mainstream-Pornos.

Erst Mitte der 90er Jahre entdeckt sie den queer-feministischen Porno für sich. Er ist härter und softer gleichzeitig. Die Übereinstimmung zum Sex ist Teil der Inszenierung. Sex ohne Verhütung ist tabu. Bis dahin ist Porno aber nur etwas, das sie konsumiert. Es gibt zwei Momente, die sie zu einer international bekannten Porno-Macherin machen: Eines Tages stößt Erickson in einem Sexshop auf einen Artikel zum Thema Sexualität und Behinderung. Sie denkt: Endlich schreibt jemand darüber, dass sich Behinderung und Erotik nicht ausschließen. Aber sie wird enttäuscht: Das Bild zum Text zeigt eine Person im Rollstuhl schematisch hinter einer Leinwand, "eher wie ein Röntgenbild". In dem Moment, als sie denkt: "What the fuck is this?", entscheidet sie sich auch, das zu ändern. Behinderung soll nichts mehr mit Scham zu tun haben.

Porno Award

Unserer Autorin hat die Kanadierin Loree Erickson in Berlin getroffen

Sex-Aktivistin, Regisseurin, selbst Darstellerin

"Es gab keine Überprüfung in meinem Leben, dass ich auch sexy sein konnte", sagt Erickson. Eine Freundin, auch Fotografie-Studentin, macht Fotos von ihr und ihrem neuen Brustwarzen-Piercing. Fasziniert hält sie ihr eigenes Bild in der Hand. "Das ist etwas sehr Kraftvolles, der Blick in die Kamera". Das Fotoshooting sei für sie der erster Vorgeschmack gewesen, dass sie sich mit ihrer Behinderung auch anders zeigen kann.

Heute ist Erickson Sex-Aktivistin, Regisseurin, selbst Darstellerin, auch Akademikerin und Doktorandin. Ihre Dissertation trägt den Titel "Die Herzen aufbrechen” und handelt vom Potenzial des crip porn, eine neue Narrative von Attraktivität zu schreiben. Studiert hat sie in Toronto, wo sie in einem queer-feministischen Hausprojekt lebt. Bei ihrer Arbeit und ihrem Alltag helfen ihr vier Betreuerinnen rund um die Uhr. Weil sie keine staatliche Hilfe bekommt, als sie nach Kanada zieht, gründet sie ein "care-collective". Mehr als hundert Personen haben sie seit Beginn ihrer Karriere begleitet.

"Kümmer-Kollektiv" für marginalisierte Gruppen

Gerade schreibt sie einen Artikel, wie das funktionieren kann: dass sich marginalisierte Gruppen gemeinsam organisieren. Dafür will sie weiter an der Universität forschen und eine Website entwickeln, auf der andere erfahren, wie sie ein "Kümmer-Kollektiv" gründen können. Und der Porno? Der ist für sie nur ein Mittel, um ihre Themen zu kanalisieren. Wer Ericksons YouTube-Kanal besucht, sieht verschiedene Videos. Aufgenommene Konferenzen. Universitäten. Schlafzimmer. Auch Videos, in der sie über die gegenseitige Hilfe spricht.

Eines beginnt an einem Morgen in einer Wohnung mit Tigerprint an den Wänden in Toronto.  Schnee vor der Türe. Die Katze reckt sich noch bevor der Wecker klingelt. Ob sie gut geschlafen habe, fragt eine Betreuerin und hebt sie in den Rollstuhl. Die nächsten Szenen zeigen, wie sie Erickson in ein weißes Satin-Kleid kleidet und eine rosa Blume ins Haar steckt. Sie wird ihr im Badezimmer helfen. Was noch zur Betreuungs-Aufgabe gehört, wird auch im Film erklärt: gemeinsames Lästern. Im Untertitel heißt es: Kichern. Es ist ein Video, das die Porno-Darstellerin in ganz profanen Dingen zeigt: Beim Schmusen mit ihrer Katze. Im Schlafanzug. Einblicke in ein alltägliches Leben.

"Ich bin sichtbar"

Auf die Frage, wie es sich anfühlt, im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, sagt Erickson: "Ich bin sichtbar, so oder so". Oft unfreiwillig. "Ich will, wenn schon, selbst entscheiden, wie ich mich präsentiere. Ich will darüber Kontrolle haben". Erickson rotiert das Smartphone in ihrer Hand: Das fühle sich dann nicht so angreifbar an. In ihren Videos will sie selbst entscheiden, was schön und begehrenswert ist. "Wenn es eine Verbindung gibt”, sagt sie. "Wenn man eine Person trifft, mit einer ähnlichen Vorstellung von der Welt. Gespräche über Schönheit.” Was das ist, die Schönheit? Knallige Farben. Lust. Aber vor allem auch: Geteilte Verletzbarkeit.

VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?