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Falsche Vorstellungen: Von wegen kompliziert: Rollstuhl-Aktivistin räumt mit Vorurteilen über Sex mit Behinderung auf

Rollstuhl-Aktivistin und Literaturwissenschaftlerin Tanja Kollodzieyski ist genervt von den Mythen über Sex mit Behinderung. Bei NEON spricht sie über ihre erste Liebe und kritisiert die Darstellung von Behinderten in der Popkultur.

Von Tanja Kollodzieyski und Katharina Weiß

Tanja Kollodzieyski alias Das Rollifräulein

Tanja Kollodzieyski alias Das Rollifräulein räumt mit den Mythen über Sex mit Behinderung auf

Wer ist das "Rollifräulein"?

Tanja Kollodzieyski, Jahrgang 1987 ist ausgebildete Social-Media-Managerin und hat zwei Master – einen in Vergleichenden Literaturwissenschaften und einen in Germanistik. Wenn sie nicht gerade in einer Bochumer Bibliothek nach Texten von Neil Gaimain oder Alice Munro stöbert, hält Kollodzieyski Vorträge zum Thema Feminismus und Inklusion. Über dieses und viele weitere Abenteuer schreibt sie als Rollifräulein seit 2013 auf ihrem Blog. Ihre Mission: "Manche behaupten, alleine meine Existenz wäre für sie Inspiration. Finde ich immer seltsam, aber jede und jeder lässt sich von etwas anderem inspirieren. Mich inspirieren Menschen, die eine Vision haben, wie sie neue Verbindungen zwischen den verschiedensten Personen herstellen können. Mit meiner Arbeit versuche ich in verschiedenen Formen daran mitzuwirken, dass wir alle irgendwann das Wort 'normal' in Bezug auf Menschen vergessen haben. Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen die Gesellschaft zu verändern." Ihr Motto: "Man muss nicht im Mittelpunkt stehen. Man kann auch sitzen".

Vorurteil Nummer 1: Behinderte Menschen lehnen Liebe und Sexualität ab

Das Rollifräulein sagt: "Es sind erfolgreiche Bücher wie 'Ein ganzes halbes Jahr', die dann auch noch zu Filmen werden, in denen sich diese falsche Perspektive manifestiert. Besonders aufgeregt hat mich an der Geschichte, dass die männliche Hauptfigur, Will Traynor, nicht einen Moment so dargestellt wurde, als wäre das Leben mit Behinderung wenigstens einen Versuch wert. Trotz seiner sehr privilegierte Perspektive lehnt er die Liebe die ihm angeboten wird, ab. In der Realität von nicht-fiktionalen Menschen mit Behinderung ist eher das Gegenteil der Fall: Sie sehnen sich nach Liebe und Sexualität, dieser Wunsch wird ihnen von der Gesellschaft und ihrem Umfeld aber nicht zugestanden.

An 'Ein ganzes halbes Jahr' hat mich außerdem massiv gestört, dass sein Selbstmord als eine Heldentat dargestellt wird. Er befreit seine Familie und seine Freundin von der Last, sich um ihn kümmern zu müssen. Das mag zwar der Blickwinkel der Figur sein – aber ein Film oder Buch hat immer die Möglichkeit, Perspektiven zu kommentieren. Ein ähnliches Erzählmuster findet sich auch bei 'Ziemlich beste Freunde'. Obwohl der Film mit einem tollen Humor punktet, wird wieder die Geschichte eines sehr reichen, depressiven, passiven, behinderten Mannes erzählt, der fürs Leben erst wieder begeistert werden muss. Es gibt eigentlich keine populären Rollen mit Behinderung, die ich nicht ambivalent empfinde.

Eine Ausnahme wäre vielleicht Tyrion in der Serie 'Game of Thrones'. Da haben es die Autoren geschafft, immer wieder Bezug auf die Behinderung zu nehmen, ohne sie ständig und andauernd in den Mittelpunkt zu rücken. Im Gegensatz zu 'Die Entdeckung der Unendlichkeit', der Stephen-Hawking-Biografie, wurde hier auch ein behinderter Schauspieler gecastet. Das finde ich positiv. Nicht unbedingt, weil die nicht-behinderten Schauspielerinnen und Schauspieler die Rollen schlechter spielen. Aber mit der Entscheidung für Menschen wie Peter Dinklage können behinderte Schauspieler sichtbarer gemacht werden. So kann gezeigt werden, dass in ihnen auch über das Thema Behinderung hinaus spannende Talente stecken. Ganz schlimm wird es übrigens, wenn wir in der Popkultur nach Frauen mit Behinderung suchen. Da fallen mir nicht mal mehr schlechte Beispiele ein. Gefühlt gibt es wenig mehr als Klara von 'Heidi'. Seit über 50 Jahren."

Vorurteil Nummer 2: Behinderte Menschen kriegen keine(n) ab

Das Rollifräulein sagt: "Ich hatte in den verschiedenen Förderschulen, auf denen ich war, immer einen Jungen, mit dem ich 'gegangen bin'. Das ändere sich dann schlagartig mit dem Wechsel auf die Regelschule ab der fünften Klasse. Ernsthaft, aber leider unglücklich verliebt war ich das erste Mal mit 14. Meine erste Beziehung hatte ich mit 23: Diese Beziehung dauerte fünf Jahre lang, es war eine toxische On-Off Beziehung, die auch immer mehr an psychischer und auch körperlicher Gewalt zunahm.

Ein Grund dafür, dass ich so lange in dieser Situation ausgehalten habe, war genau dieses Vorurteil, beziehungsweise das falsche Bewusstsein: 'Ich habe doch sowieso keine Chance auf eine Beziehung'. Mein Umfeld hatte mir zuvor immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich nicht darauf hoffen sollte, dass ein nicht-behinderter Mann ernsthaftes Interesse an mir hat. Dann ist es doch passiert und ich hatte auch noch Interesse an ihm. Ein Wunder! Und an diesem Wunder wollte ich unbedingt festhalten. Denn noch ein Wunder würde ja wahrscheinlich nicht passieren. Deswegen tolerierte ich viele Sachen, die ich heute nicht mehr mitmachen würde: Er beleidigte mich, erpresste mich emotional oder spielte seine Macht aus, indem er mir zum Beispiel nicht aus dem Bett half, obwohl ich nicht selbständig aufstehen kann. Auch körperlich wurde er aggressiv.

Nachdem ich die Beziehung endgültig beendet hatte, stalkte er mich ein ganzes Jahr lang, bis ich die Vorfälle zur Anzeige bringen musste. Daraus habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass Mädchen und Frauen mit Behinderung von Anfang an ein richtiges Selbstwertgefühl entwickeln und lernen, nicht für alles dankbar sein zu müssen.

Wir brauchen dringend eine Gesellschaft, in der Frauen mit Behinderungen auch als Partnerinnen mit Ansprüchen wahrgenommen werden. Wir sind keine Pflegefälle, die das nehmen müssen, was sie kriegen. Wenn sie denn überhaupt einen oder eine abbekommen. Dieses Denken fördert Gewalt auf allen Ebenen. Laut einer Statistik des Familienministeriums sind Frauen mit Behinderung etwa zwei- bis dreimal häufiger von sexueller Gewalt betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Sehr oft wird die vermeintliche Wehrlosigkeit von Frauen mit Behinderung vom engeren Familien- oder Betreuungsumfeld ausgenutzt. Trotz der alarmierenden Zahlen ist das Thema kaum im Sichtfeld der Öffentlichkeit, weil wir von der Gesellschaft nicht als sexuell aktive Wesen wahrgenommen werden. 

Ich persönlich habe immer Angst, dass mir im Fall eines sexuellen Übergriffs in der Öffentlichkeit keiner helfen würde. Durch meine Sprachbehinderung spreche ich undeutlich. Wenn sich der andere dran gewöhnt hat, bin ich aber durchaus zu verstehen. Das heißt, in einer Beziehung habe ich keine Probleme sexuelles Einvernehmen zu signalisieren. In öffentlichen Räumen muss ich aber befürchten, aufgrund meiner Art zu Sprechen von fremden Menschen als geistig behindert eingestuft zu werden – weshalb die Hemmschwelle zu Helfen als zu groß wahrgenommen wird.

Die Auswirkungen dieser Marginalisierung sind auch abseits von sexueller Gewalt gravierend: Auf der einen Seite wird uns unserer 'Frau sei' und unsere Sexualität abgesprochen und wir werden als geschlechtslos dargestellt, weil wir nicht in die Schönheitsnorm passen.

Auf der anderen Seite dienen Frauen mit Behinderungen manchmal auch als eine Art Abenteuerspielplatz für die Sexualität der Menschen ohne Behinderung. Manche Männer (oder Frauen) fetischisieren uns oder sehen in uns einen exotischen Reiz: Sie würden mit uns schlafen – einfach nur um zu wissen, wie es sich anfühlt, mit jemanden Sex zu haben, der eine Behinderung hat."

Vorurteil Nummer 3: Sexualität mit Behinderung ist unfassbar kompliziert

Das Rollifräulein sagt: "Meine ersten eigenen Erfahrungen mit Masturbation waren ziemlich unspektakulär, weil sie ziemlich zufällig waren. Wie bei vielen anderen auch. Allgemein ist das Thema Selbstbefriedung oft ein Problem für Menschen mit Behinderung: Für Selbstbefriedigung braucht man vor allem Zeit und Raum für sich alleine. Für Personen mit Behinderung, die in Einrichtungen leben, ist dieser Raum oft nicht vorhanden. Außerdem fehlt es auch hier wieder massiv an Informationen und Aufklärung. Sex und Selbstbefriedigung können auf vielen Wegen funktionieren und Spaß machen – oft werden aber nur Zugänge zu Informationen ermöglicht, welche die Sexualität von nicht-behinderten Menschen in den Fokus rücken. Zudem werden fast nie nackte Menschen mit Behinderungen abgebildet, auch nicht zu Aufklärungszwecken.   

In einer Partnerschaft sind dann dieselben Grundsätze wichtig, wie für nicht-behinderte Menschen: Zusammen mit dem Partner auszuprobieren, was geht und was sich dabei auch noch gut anfühlt. Kreativ zu sein und immer im Gespräch miteinander zu bleiben. Selbst für mich habe ich noch keine Lösung, die immer funktioniert. Es hängt auch immer von der Tagesform ab. 

Oft höre ich, dass die Leute es sinnvoll finden, wenn Menschen mit Behinderung auf speziellen Singleseiten für 'Menschen mit Handicaps' nach einer Partnerschaft suchen. Nach dem Motto: Da finden sich zwei mit ähnlichen 'Problemen', das passt doch perfekt. Diese Haltung lehne ich ab.

Auf der einen Seite arbeiten diese Dating-Seiten gegen die Idee der Inklusion: Da sind wieder alle Menschen mit Behinderungen unter sich. Außerdem war ich, genauso wie viele andere Menschen mit Behinderung, nie darauf festgelegt, einen Partner mit oder ohne Behinderung zu finden. Für mich steht in erster Linie die Persönlichkeit eines Menschen im Vordergrund. Auf der anderen Seite schlug mir auf diesen Webseiten eine Verzweiflung entgegen, die ich zwar teilweise verstehen kann, die mich aber total abgeschreckt hat. Ich wollte nie einfach nur eine Beziehung führen, um nicht alleine zu sein. Mir war es wichtig, dass sich mein Partner für mich als Menschen interessiert."

Keine Angst vor Sextalk: So kann man als nicht-behinderter Mensch gegen Klischees über Sexualität mit Behinderung vorzugehen

Das Rollifräulein sagt: "Man kann zuerst und immer Fragen stellen. Natürlich im passenden Rahmen. Man befragt ja auch keine nicht-behinderte völlig fremde Person aus dem Blauen heraus nach ihrer oder seiner Sexualität. 'Einfach fragen' klingt so banal. Aber viel Falsches entsteht daraus, dass Leute immer davon ausgehen, sie wüssten schon alles – oder wüssten es vielleicht sogar besser. Deshalb: Keine Angst vor dem offenen Gespräch. 

Außerdem kann man Informationen teilen. Im Freundeskreis, auf der Arbeit, online wie offline. Artikel, Filme, YouTube-Kanäle etc. von Menschen mit Behinderung. Personen mit Entscheidungsgewalt und mit Plattformen in den Medienkönnen zudem darauf achten, Menschen mit Behinderung einzuladen und ihnen eine Bühne bieten. Als Publikum haben wir die Chance, das zu unterstützen, indem wir zu solchen Veranstaltungen hingehen, Eintrittskarten kaufen oder für gute Quoten sorgen. 

Ich freue mich über jeden, der Interesse für das Thema mitbringt. Leider ist mir aufgefallen, dass bei meinen Vorträgen immer relativ wenige Menschen mit anderen (offensichtlichen) Behinderungen zugegen sind. Deswegen findet da kein richtiger Austausch statt – den habe ich eher in den sozialen Netzwerken. Bei meinem letzten Vortrag habe ich aber gemeinsam mit dem Publikum darüber diskutiert, dass es besonders schwierig ist, beim Thema Sexualität Menschen mit geistiger Behinderung zu erreichen. Meistens hat diese Gruppe eher begrenzt Zugang zu verschiedenen Medien und wird meist von Familien oder Betreuerinnen und Betreuern zum Schutz abgeschirmt. Das heißt, man muss erst die Personen drumherum erreichen, weil die dann entscheiden, was die Menschen mit geistigen Einschränkungen überhaupt zu sehen bekommen. Da muss noch ganz viel über Selbstbestimmung diskutiert und nachgeholt werden. Mein Ziel ist es, zusammen mit vielen anderen Aktivistinnen und Aktivisten ein Klima zu schaffen, in dem sich Menschen mit Behinderungen offen über ihre Sexualität austauschen und Erfahrungen weitergeben können.

Carina Møller-Mikkelsen früher und heute
Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg