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"One More Light": Frau zitiert Linkin-Park-Lyrics, um Mann von Suizid abzuhalten

Schon zwei Jahre ist es her, dass Linkin-Park-Frontsänger Chester Bennington sich das Leben nahm. Nun könnten seine unsterblichen Worte geholfen haben, einem depressiven Mann in den USA das Leben zu retten.

"One More Light": Frau zitiert Linkin-Park-Lyrics, um Mann von Suizid abzuhalten

Vor wenigen Tagen jährte sich der Todestag von Chester Bennington zum zweiten Mal. Am 20. Juli 2017 nahm sich der Linkin-Park-Sänger in Kalifornien das Leben. Nun könnten seine Worte einem anderen Menschen das Leben gerettet haben. Das Orange County Sheriff's Office veröffentlichte ein Video, in dem ein Fall aus dem Februar beschrieben wird.

Eine Frau war mit dem Auto über eine Brücke gefahren, als sie einen Mann am Rand sitzen sah. Zunächst sei sie an ihm vorbeigefahren, so Cristina Settanni in dem Video, das inzwischen über 111.000 Aufrufe hat, doch dann habe sie es sich anders überlegt: "Ich habe angehalten, weil ich genau weiß, wie er sich in dem Moment gefühlt hat. Ich habe auch schon auf der Kante gestanden und gedacht, dass das meine einzige Option sei. Er brauchte jemanden, der ihm zeigen konnte, dass es Menschen gibt, die für ihn da sind."

Chester Bennington bei einem Linkin-Park-Konzert

Chester Bennington bei einem Linkin-Park-Konzert 2014. Der Frontsänger nahm sich im Juli 2017 das Leben.

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Chester Bennington: "Es fühlt sich besser an zu wissen, dass man nicht allein ist"

Um den emotional aufgewühlten Mann zu beruhigen, habe sie schließlich eine Song-Zeile einer ihrer Lieblingsbands zitiert: "Who cares if one more light goes out? Well, I do" – aus "One More Light" von Linkin Park. In einem Statement zum gleichnamigen Album hatte Bennington nicht lange vor seinem Tod gesagt: "Ich singe in den Texten von Dingen, die sonst nur meine Ehefrau und meine engsten Freunde wissen. Ich tue es, weil ich weiß, dass da draußen Leute sind, die dieselben Dinge durchgemacht haben wie ich, und es fühlt sich besser an, zu wissen, dass man nicht allein ist."

Sie wisse nicht, ob es daran gelegen habe, dass der Mann, dessen Identität die Polizei zu seinem eigenen Schutz geheim halten wollte, den Song kenne und verstanden habe, was sie ihm mitteilen wollte, aber er habe in diesem Moment angefangen zu weinen. In einem Bodycam-Video des Beamten, der ebenfalls zur Brücke gerufen worden war, ist zu sehen, wie Cristina mit dem Mann auf der Kante der Brücke sitzt. "Ich war verwundert, was sie da bei ihm machte, aber an ihrer sehr entspannten Mimik war abzulesen, dass sie dort war, um ihm zu helfen ,und nicht, um irgendeinen seltsamen Pakt mit ihm zu schließen", so Deputy Shaun Cayer im Video.

Als der Mann sich nicht endgültig habe überzeugen lassen, zurück auf die sichere Seite der Brücke zu kommen, habe er ihn von der Kante weggezogen, so der Deputy. Wie sich herausstellte, hatte der Mann ein paar schlechte Entscheidungen gefällt und damit seine Familie enttäuscht – und keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Er wurde in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Cristina Settanni denke seit diesem Tag jeden Tag an ihn, sagt sie im Video.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111.

jgs