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Grün aufgeklärt: "Clean", "natural" & Co. - Worauf musst du bei Naturkosmetik achten?

Schlichte Verpackung, ein paar Blümchen und hier und da noch ein Klecks grün – schon werden aus unseren Drogerie-Lieblingen Naturprodukte? So einfach ist es nicht. Wir erklären euch, was hinter der Bezeichnung "Naturkosmetik" steckt und worauf ihr achten müsst.

Von Marie Groß

Kosmetikprodukte, Blätter, Blüten und Tannenzapfen auf Tisch ausgebreitet

Was steckt in meinem Beauty-Produkten? Naturkosmetik-Siegel können bei dieser Frage helfen.

Getty Images

Die neue Gesichtscreme riecht halbwegs gut und verursacht wenigstens keine (neuen) Pickel? das genügt uns schon lange nicht mehr. Heute wollen wir gute, natürliche Inhaltsstoffe, recycelbare Verpackungen und ethische Herstellungsverfahren. Der Markt quillt über vor Produkten, die genau das versprechen. Doch stimmt das auch immer? Wir verraten euch, auf was ihr bei Naturkosmetik achten müsst.

Grundsätzlich ist auch bei Produktlabels wie "clean“ und "natural“ Vorsicht geboten, denn tatsächlich gibt es keine Vorschriften dafür, was als Naturkosmetik betitelt werden darf und was nicht. Doch was nun? Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe hilft bekanntlich – im Supermarkt machen wir das ja auch. Doch wer sich unter Begriffen wie Cetearyl Glucoside oder Ascorbyl Palmitate nichts vorstellen kann, dem hilft auch das herzlich wenig. Um uns die Entscheidung zu erleichtern, haben unterschiedliche Organisationen und Verbände Gütesiegel für Naturkosmetik eingeführt. Diese sollen nicht nur Auskunft über die Qualität der Inhaltsstoffe geben, sondern auch über die Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren und die ethischen Grundsätze des Unternehmens.

Wir stellen euch hier die vier wichtigsten Siegel vor, die euch beim alltäglichen Bummel durch den Drogeriemarkt am häufigsten begegnen.

Darstellung des NaTrue-Gütesiegels für Naturkosmetik
Picture Alliance / DPA

1. NaTrue

NaTrue ist nach eigenen Angaben ein nicht-gewinnorientierter Verband, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Naturkosmetik international zu schützen und zu fördern. Dieses Siegel ist in unseren Märkten vermutlich am weitesten verbreitet. Unterteilt wird in drei Zertifizierungsstufen: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Biokosmetik. Allgemein gelten bestimmte Untergrenzen für den Anteil natürlicher Inhaltsstoffe am Gesamtprodukt und gleichzeitig Obergrenzen für den Anteil naturnaher Inhaltsstoffe. Naturnah sind Stoffe, die durch chemische Reaktionsverfahren mit natürlichen Stoffen gewonnen werden. Diese Grenzen unterscheiden sich aber über die 13 Produktkategorien hinweg, die NaTrue unterscheidet. Naturkosmetik ist die Basis-Stufe, für die Stufen Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Biokosmetik sind die Untergrenzen für natürliche Inhaltsstoffe höher und die Obergrenze für naturnahe Inhaltsstoffe niedriger. Für die Biokosmetik müssen mindestens 95 Prozent der natürlichen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, bei der Naturkosmetik mit Bio-Anteil liegt der Mindestwert bei 70 Prozent.

Auch beim Thema Tierversuche verfolgt NaTrue eine klare Linie. In der EU sind Tierversuche in der Kosmetikindustrie – für Inhaltsstoffe sowie Endprodukte – bereits verboten. NaTrue-zertifizierte Produkte dürfen darüber hinaus nicht in Ländern verkauft werden, die Tierversuche voraussetzen (bspw. China). Um Irreführungen oder sogenanntes "Greenwashing“ zu vermeiden, müssen mindestens 75 Prozent der Einzelprodukte einer zusammengehörenden Pflegeserie von NaTrue zertifiziert sein, um die Serie dementsprechend bewerben zu dürfen.

Vorteil: strenge Richtlinien, die für hohe Qualität sorgen

Nachteil: das Siegel unterscheidet auf der Verpackung nicht zwischen den drei Zertifizierungsstufen, dafür muss man im Internet nachschauen

Darstellung Gütesiegel des BDIH für Naturkosmetik
Picture Alliance / DPA

2. BDIH

Den Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V. ist ein non-profit Verband aus Herstellern und Vertriebsunternehmen, der bereits 1951 gegründet wurde. Auch er unterscheidet Naturkosmetik von Biokosmetik. Biokosmetik muss mindestens 95 Prozent der "physikalisch verarbeiteten Agrar-Bestandteile“ aus biologischem Anbau generieren. Zusätzlich müssen mindestens 20 Prozent des Gesamtprodukts biologisch sein. Dieser niedrige Wert entsteht unter anderem dadurch, dass Wasser nicht als biologischer Bestandteil zählt – und die meisten Kosmetikprodukte bestehen zum Großteil aus Wasser. Zusätzlich verbietet der BDIH die Verwendung von Gentechnik, Bestrahlung und Nanomaterialien.  Verpackungen sollten aus recycelten Materialien bestehen, im Allgemeinen aber dennoch minimiert werden.

Was die Tierversuche betrifft, lässt sich der BDIH etwas Spielraum. Kosmetische Mittel dürfen nicht an Tieren getestet werden, kosmetische Bestandteile auch nicht, außer es sei gesetzlich vorgeschrieben. Gesetze hierfür gibt es beispielsweise für Bestandteile, die nicht ausschließlich in Kosmetikprodukten verwendet werden und somit unter das Chemikaliengesetz fallen. Rohstoffe, die nach 1997 an Tieren getestet wurden, dürfen auch nicht mehr verwendet werden, außer die Durchführung oder Veranlassung dieser Versuche ist weder auf den Rohstoffhersteller, den Rohstoffanbieter oder den Hersteller des Endprodukts zurückzuführen.

Vorteile: Traditionsverband mit strengen Richtlinien für die Qualität der Inhaltsstoffe

Nachteile: Regelungen zu Tierversuchen bieten kleine Schlupflöcher 

3. Vegan-Blume (Vegan Society)

Das Wort "vegan" wurde 1944 von der Vegan Society erfunden. Im Gegensatz zu den anderen beiden Siegeln, die wir euch bis jetzt vorgestellt haben, sind die Produkte, die mit der Vegan-Blume gekennzeichnet sind, frei von Tierversuchen und zu 100 Prozent vegan. Das heißt, sie sind frei von Tier- und Tiernebenprodukten sowie von tierischen Derivaten. Vegan Society empfiehlt Unternehmen, die auch nicht-vegane Produkte herstellen, für diese separates Equipment zu verwenden. Vorschrift ist das zwar nicht, dagegen aber die gründliche Reinigungen von allem, was später mit dem veganen Produkt in Verbindung kommt. Interessant ist allerdings, dass Gentechnik nur verboten ist, wenn tierische Gene oder Substanzen tierischen Ursprungs verwendet würden. Ansonsten ist Gentechnik erlaubt, solange die Produkte entsprechend gekennzeichnet werden.

Vorteile: keine Tierversuche und vegan

Nachteile: zertifizierte Produkte können gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe enthalten

4. The Leaping Bunny

Acht Tierschutzorganisationen aus verschiedenen Ländern schlossen sich 1996 zur Coalition for Consumer Information on Cosmetics (CCIC) zusammen. Von ihnen wurde das international gültige "The Leaping Bunny"-Siegel für Kosmetik ohne Tierversuche gegründet.

Vorteile: garantiert keine Schlupflöcher für Tierversuche

Nachteile: keine sonstigen Qualitätskriterien für Inhaltsstoffe 

Kosmetikprodukte, Blätter, Blüten, Zweige und Tannenzapfen auf weißer Oberfläche drapiert
Getty Images

Unser Tipp: Wer sich über die Inhaltsstoffe trotzdem genauer informieren möchte, dem helfen Internetportale wie "haut.de" oder "codecheck.de". Bei "haut.de" kannst du gezielt nach Inhaltsstoffen suchen, während "codecheck.de" dir einen klaren Überblick zu möglicherweise schädlichen oder umweltbelastenden Inhaltsstoffen gibt. "Codecheck" gibt es auch als App, mit der du dir ganz leicht per Strichcode-Scan alle Informationen holen kannst.

mgr