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Shahak Shapira: Tabubruch: Comedian begibt sich vor Publikum in Therapie – und alle sind verwirrt

Mit "Shapira Shapira" startete im ZDF eine weitere Comedy-Show. Doch aus der ersten Folge bleiben nicht die Witze in Erinnerung, sondern eine Therapiesitzung des Moderators.

"Ich bin ein trauriger, funktionierender Mensch", sagt Shahak Shapira. Er hängt in einem eckigen Holzsessel mit moosgrünen Kissen. Er erzählt, wie er schon einmal versucht hat, Hilfe zu finden, in der Hoffnung, dass sich sein Leben irgendwie umdrehen und er wieder glücklich werden würde. "Ich merke mittlerweile, dass es nicht passieren wird", sagt er nachdenklich. Die letzten fünf Minuten von "Shapira Shapira", dem neuen Comedy-Format auf ZDFneo, sind weder witzig, noch sind sie ein Witz. Nach zwanzig Minuten Stand-up-Schnipseln und Sketchen zeigt der Entertainer Shahak Shapira einen Zusammenschnitt aus seiner Therapiesitzung mit einem Psychotherapeuten.

Therapiesitzung für mehr Offenheit

"Warum macht man das? Warum zeigt man so ein Video vor einem Millionenpublikum?", fragt er selbst seine überrumpelten Zuschauer. Seine Antwort: "Ich glaube, viele Menschen sind nicht offen für eine Therapie und ich dachte, wenn ich zeige, wie ich das mache, dann sind andere ein bisschen offener dafür." Während er das sagt, huscht sein Blick immer wieder verunsichert nach unten. Und die Reaktion seiner Zuschauer zeigt, welches Tabu Shapira hier bricht: Das betretene Schweigen im Saal, nachdem der Clip der Therapiesitzung eingespielt wird, lässt sich quasi in Scheiben schneiden – am Ende wird vereinzelt geklatscht. Keiner weiß so richtig, wie mit der Situation umzugehen ist. Shapira hat auf die Frage: "Und, wie geht's?" nicht mit dem gesellschaftlich gewünschten "ach, ganz gut" reagiert, sondern einen wunden Punkt angesprochen – nämlich, dass bei vielen Menschen eben nicht "alles gut" ist.

Der 31-Jährige stammt aus Israel und ist eigentlich für seine Provokationen und bissige Satire bekannt. Seit er 2016 sein autobiografisches Buch "Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen" veröffentlicht hat, stieg seine Bekanntheit. 2017 ging seine Aktion "Yolocaust" viral, für die er Posing-Bilder, die Menschen vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin zeigen,  auf Fotos von KZ-Vernichtungslagern montierte. 2018 tourte er mit der Stand-up-Comedyshow "German Humor" durch Deutschland. Und nun die Live-Show bei ZDFneo. Eine Erfolgsgeschichte. Doch wer das Therapie-Video aus seiner Show sieht, hört, was viele Menschen mit psychologischen Problemen berichten.

"Nichts, was ich mache, macht mich glücklich", sagt Shapira zu seinem Therapeuten. Alles fühle sich nur kurzfristig gut an. Er habe sich isoliert, aufgehört rauszugehen. "Ich bin fett, alt, wütend und hässlich geworden", sagt der 31-Jährige und lacht müde. So zu leben müsse anstrengend sein, erwidert sein Therapeut. "Ich weiß, es ist sinnlos und es ist dumm."

Fünf Prozent der Deutschen sind depressiv

Was Shapira schildert, mag aus rein rationaler Sicht sinnlos und vielleicht dumm erscheinen – psychologisch deuten diese Symptome in die Richtung einer Depression. Leistungsdruck in der Schule und im Beruf, Geldsorgen, Familienprobleme, der ganz normale Alltag – Depressionen haben viele Ursachen, manchmal aber auch gar keine und können jeden treffen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in Deutschland fünf Prozent der Menschen depressiv sind; Erwachsene wie Jugendliche. Im Laufe des Lebens soll EU-weit ein Drittel der Bevölkerung von Depressionen betroffen sein.

Natürlich kann es sein, dass Shahak Shapira einfach ein guter Schauspieler ist, der für einen mittelmäßigen Showauftakt doch noch die große Pointe finden wollte - wer weiß das schon. Doch so oder so ist der Auftritt ein Tabubruch und eine Hilfe für alle, die mit psychischen Problemen kämpfen. Denn gesellschaftlich wie auch persönlich haftet der Thematik Depression und Therapie immer noch ein Stigma an. In einer Leistungsgesellschaft ist kein Platz dafür. Wer sich psychologisch oder psychotherapeutisch behandeln lässt, muss teilweise zwei Jahre warten, bis er eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen kann – man sei ein unberechenbares Risiko, unzulänglich.

Dabei heißt Depression weder immer eine ewig währende Beeinträchtigung, noch Kontrollverlust über das eigene Leben. Doch aus diesen Annahmen resultiert schließlich ein persönliches Stigma – denn wer gesteht sich schon gern ein, ein Problem zu haben. Eine NEON-Leserin beschreibt das so: "Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe, mir einzugestehen, dass ich krank bin und da alleine nicht mehr raus komme. Trotzdem hat es noch Wochen gedauert, bis ich mich getraut habe, bei meinem Hausarzt anzurufen und um einen Termin zu bitten, weil ich die Befürchtung hatte, eine Depression zu haben. Der Anruf fiel mir unglaublich schwer. Das Wort 'Depression' auszusprechen war nicht einfach. Denn sobald man es ausspricht, wird aus dem ständigen Gedanken die Wirklichkeit." Den ganzen Artikel liest du hier.

Depressiv durch Öffentlichkeit

Shahak Shapira hat bereits über seine Probleme im Umgang mit dem Rampenlicht gesprochen. "Mir ging es noch nie so schlecht. Ich war noch nie so traurig und depressiv wie seit ich in der Öffentlichkeit stehe", sagte er kürzlich im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Seine Offenheit kann helfen, Depressionen und psychologische Probleme von dem gesellschaftlichen Stigma zu befreien. Wer will, kann sich die gesamte, fast einstündige Therapiesitzung auf ZDF.de anschauen. Jede Woche soll nun eine Sitzung folgen.

Depressionen
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(