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Interview

Bakterien-Versteher: "Wenn der Schweiß eines Manns leicht urinig riecht, kann das Interesse auslösen"

Wir halten uns für frei und unabhängig. Doch es sind unsere unsichtbaren Mitbewohner, die bestimmen, was wir denken, wie wir riechen, ob wir dünn oder dick werden. Bakterien-Versteher Ed Yong erklärt, warum diese WG mit mangelhafter Hygiene besser funktioniert.

Echte Mikroben sind natürlich kleiner als diese nachgeformten Plüsch-Kollegen

Echte Mikroben sind natürlich kleiner als diese nachgeformten Plüsch-Kollegen. Der Rest aber stimmt: In und auf uns wimmelt es nur so von ihnen.

Viele Menschen denken bei Bakterien an Bösewichte: E. coli, der Fäkalbazillus. Streptokokken, die Entzündungsmacher. Karius und Baktus, die Zahnzerstörer. Doch die meisten Mikroben - unter diesen Überbegriff fallen neben Bakterien auch Pilze, Einzeller und zum Teil Algen - haben ihren schlechten Ruf zu Unrecht. Seitdem es uns gibt, leben Mikroben mit, von und für uns. Schätzungsweise 40 Billionen sind es, die jeder Mensch mit sich herumträgt.

Von dieser kleinsten uns bekannten organischen Einheit und Urform allen Lebens erzählt der britische Biologe und Wissenschaftsjournalist Ed Yong in seinem Buch "I Contain Multitudes The Microbes Within Us and a Grander View of Life" (auf Deutsch etwa: "Ich bin viele die Mikroben in uns und ein größerer Blick auf das Leben").

"Reich der Mikroben eines der spannendsten Gebiete"

Der 35-Jährige, der in Washington D. C. lebt, nennt sie fast zärtlich "biochemische Virtuosen", die uns und anderen Lebewesen nicht nur helfen, Nährstoffe aufzunehmen, sondern die auch Gifte abbauen, unser Immun- und Nervensystem beeinflussen und möglicherweise sogar unsere Gedanken. Ed Yongs US-Bestseller wurde von der Kritik hoch gelobt, liegt auf Deutsch bislang nicht vor und gehört zu den seltenen Leseerlebnissen, nach denen man die Welt mit anderen Augen sieht.

NEON: Mr. Yong, warum schreiben Sie ausgerechnet über Mikroben?

Ed Yong: Ich bin ein Fan von Underdog-Biologie, den Bereichen, in denen es nicht um süße Tiere oder Krebsforschung geht. Das Reich der Mikroben ist eins der spannendsten Gebiete und eins, das sehr lange vernachlässigt wurde. Je mehr man über Mikroben und ihren Einfluss auf uns weiß, desto mehr muss man vieles infrage stellen, was wir bisher über die körperliche Entwicklung, das Immunsystem, die Verdauung oder sogar die Persönlichkeit des Menschen zu wissen glaubten.

Und doch hält man Mikroben eher für schädlich.

Man liest häufig über die ungeheure Zahl von Mikroben auf dem Smartphone-Display oder der Kreditkarte. Dabei müsste das niemanden stören. Etwa 200 Bakterienarten sind dafür bekannt, Infektionskrankheiten in Menschen auszulösen. Auf der anderen Seite ist unser Körper besiedelt mit extrem nützlichen Mikroben, die uns das Leben leichter machen wollen.

Zum Beispiel?

In unseren Achselhöhlen lebt das Corynebakterium, das dafür sorgt, dass Schweiß riecht.

Was ist daran nützlich?

Jeder Mensch hat einen eigenen, stabilen Schweißgeruch. Und mit dem senden wir Signale aus. Die nehmen Mitmenschen natürlich nicht immer bewusst wahr. Aber Babys erkennen ihre Mutter am Geruch. Und wenn der Schweiß eines Manns besonders testosteronschwer nach Vanille oder leicht urinig riecht, dann kann das bei der richtigen Frau Interesse auslösen.

Andere Mikroben transportieren Mineralien und Vitamine oder helfen bei der Verdauung. Es deutet sogar einiges da rauf hin, dass uns Darmbakterien vor psychischen Störungen bewahren.

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Ja, Forscher glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen einer schadhaften Darmflora und Autismus gibt. Der vor drei Jahren verstorbene Neurowissenschaftler Paul Patterson hat für ein Experiment trächtige Mäuse mit einem viralen Wirkstoff infiziert und löste dadurch in ihrem Immunsystem eine Abwehrreaktion aus. Sie brachten Junge zur Welt, die zunächst gesund waren, sich mit der Zeit aber unsozial verhielten, Ängste hatten und sich zwanghaft putzten. Sie verhielten sich, vereinfacht gesagt, wie Menschen mit Autismus oder Schizophre nie. Die Mütter von autistischen Kindern berichten überdurchschnittlich oft von Infektionskrankheiten.

Was hat das mit dem Darm zu tun?

Paul Patterson und ein Kollege haben gezeigt, dass sowohl die Mäuse als auch Kinder mit Autismus oft Probleme mit ihrer Verdauung haben. Ihnen fehlt ein entzündungshemmendes Bakterium im Darm, und das wiederum beeinflusst das Gehirn. Das auffällige Verhalten der Mäuse konnten die Forscher bereits verändern, indem sie das Darmbakterium B. fragilis behandelten. Jetzt wird versucht, ähnliche Erfolge bei Menschen zu erzielen. Das, was in unserem Verdauungstrakt passiert, scheint einen großen Einfluss auf unsere Stimmung und unser geistiges Vermögen zu haben. Allerdings steht die Wissenschaft hier erst am Anfang.

In den letzten zehn Jahren hat es einen regelrechten Forschungsboom zu den Mikroben gegeben. Wie ist es dazu gekommen?

Los ging es mit der Entdeckung, dass es einen Zusammenhang zwischen Gewichtsproblemen und Darmbakterien gibt. Vor zehn Jahren siedelten Forscher bei einem großen Experiment die Bakterien von genetisch bedingt fetten Mäusen in die Därme genetisch dünner Mäuse um und umgekehrt. Man stellte fest, dass mit der Darmflora der dünnen Mäuse auch die dicken Mäuse schlank wurden, obwohl sich an ihrer Ernährung nichts änderte. Die Darmflora der dünnen Mäuse wiederum erwies sich als resistent gegen die dick machenden Bakterien. Aus diesen Ergebnissen kann man schließen, dass extreme Gewichtszunahme auch bei tendenziell übergewichtigen Menschen auf eine Dysbiose im Darm zurückzuführen ist.

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Eine Dysbiose?

Das ist ein sehr wichtiger Begriff, der beschreibt, was passiert, wenn eine Symbiose aus dem Gleichgewicht gerät. Die Folge ist eine Störung des Biosystems. Ein Beispiel: Eine Epidemie wird nicht einfach durch die Existenz von Ebola ausgelöst, sondern weil ein ganzes System instabil und anfällig ist.

Wie passiert so etwas?

Umwelteinflüsse und Stress können Biosysteme überfordern und die Versorgung von Mikroben mit Nährstoffen verschlechtern. Man kann den Stress, unter dem sich ein Lebewesen befindet, tatsächlich auch an der Zusammensetzung seiner Mikrobenkolonien ablesen, zum Beispiel im Darm. Wenn das Gleichgewicht des Mikrobioms nicht mehr stimmt, ist es wie bei allen Ökosystemen, dann gewinnt der Stärkere, also zum Beispiel ein Pilz, der dann überhand nimmt. Übrigens könnte der Mensch relativ lange in einem bakterienfreien Raum leben. Bei vielen Tieren ist das anders, da ist die Symbiose viel stärker. Es gibt Arten, die würden ohne ihre Bakterien einfach sterben.

Das extremste Beispiel ist eine Wurmart, die in der Tiefsee lebt.

Diese Würmer haben kein eigenes Verdauungssystem. Sie essen nicht. Sie haben Mikroben, die sie mit 100 Prozent ihrer benötigten Nahrung versorgen. Und es gibt einige solcher Arten, deren Versorgungssystem vor allem auf der Arbeit ihrer Mikrobenkolonien basiert. Auch alle Wiederkäuer - Kühe oder Ziegen - würden ohne die Bakterien in ihren Bäuchen nicht überleben.

Symbiose bedeutet, dass beide Seiten voneinander profitieren. Was haben denn die Mikroben davon, in einem Magen zu leben?

Das konnten Forscher bisher nicht klären. Man kann die Mikroben als gleichberechtigte Partner sehen, die vielleicht durch ihren Wirt eine Versorgungsumgebung bekommen. Oder man sieht sie als Arbeiterkolonien, die eben leben, wo sie leben, und dort ihren Wirten unterworfen sind. Letztlich garantieren sich beide gegenseitig ihre Existenz. Und haben gleichzeitig viel Macht übereinander: Mikroben und Wirte können den jeweils anderen manipulieren und ihm schaden. So wie es in allen Formen des Zusammenlebens ist.

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Gehen wir Menschen eigentlich gut mit unseren Mikroben um?

Nein. Wir setzen Antibiotika ein, obwohl wir sie nicht brauchen. Wir putzen und desinfizieren zu viel und ruinieren damit eine gesunde mikrobielle Umgebung. Wir haben zu wenig Kontakt zu anderen Wirten, wie zum Beispiel Tieren - Mikroben brauchen nämlich Austausch mit Fremden. Wir essen zu ungesund und geben unserem Mikrobiom nicht genügend Ballaststoffe. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir freundlicher zu der mikrobiellen Welt sein könnten.

Haben Sie eine Lieblingsmikrobe?

Allerdings: Wolbachia hat eine geradezu majestätische Breitenwirkung und ein atemberaubendes Verhalten. Sie nistet sich in allen möglichen Insekten ein und vermehrt sich über deren Eizellen. Mit Spermien kann sie nichts anfangen, also hat sie Strategien gefunden, die Männchen ihrer Wirtarten zu vernichten: Bei manchen Wespenarten tötet Wolbachia das männliche Erbgut. Bei einigen Waldläusen stört sie die Produktion männlicher Laushormone, sie feminisiert die Art. Sie schützt aber auch bestimmte Mücken und Wurmarten. Sie ist sehr umtriebig und zeigt diesen ambivalenten Charakter als Zerstörer und Bewahrer.

In Ihrem Buch beschreiben Sie ein Projekt, dessen Ziel es ist, sogenannte "Baccy Balls" in Krankenhäusern aufzuhängen. Diese kleinen Plastikbälle verströmen gesunde Mikroben und sollen den Bakterienhaushalt in Ordnung bringen. Klingt ziemlich abwegig.

Das ist natürlich eine verrückte Idee, und ob sie funktioniert, weiß man nicht. Aber Mikroben sind so ein wichtiger Teil unserer Umgebung. Wir müssen ihnen helfen, damit sie uns helfen können. Deshalb denke ich, dass jeder Versuch viel Gutes bringen könnte, gerade in Krankenhäusern.

In der Biologie wird häufig betont, wie wichtig Konflikte und Rivalität sind und dass sich bei der Evolution der Stärkste durchsetzt. Ist das jetzt überholt?

Das nicht, aber die Wissenschaft von den Mikroben zeigt sehr deutlich, dass alle Lebewesen eng mit anderen und fremden Organismen verbunden sind. Wir existieren weniger in Konkurrenz, sondern in Zusammenarbeit mit anderen. Das bedeutet nicht, dass alles immer glücklich und friedlich ist. Aber jeder von uns lebt in Abhängigkeitsverhältnissen. Wenn nicht von anderen Menschen, dann doch von den Bakterien, die in und auf uns leben. Symbiose ist die Grundlage unserer Existenz.

Was bedeutet das für uns?

Menschen legen großen Wert auf Individualität und Selbstgenügsamkeit. Aber jetzt verstehen wir immer mehr, dass alles, was wir für den Ausdruck des Individuums gehalten haben, tatsächlich das Ergebnis von Partnerschaften ist. Wie unsere Körper gebaut sind oder wie sich Immunsysteme verhalten, ist nicht das Ergebnis von uns als Individuen, sondern von uns als Kolonien, Ökosystemen, als ganze Welten. Das ist das, was ich mit einem größeren Blick auf das Leben meine.

Dieser Text ist in der Ausgabe 10/17 von NEON und auch digital für das Tablet auf iOS und Android erschienen. Hier können Einzelhefte des Magazins nachbestellt werden.

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18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus