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Neue Perspektive im alten Job: Dieser Brite war früher Metzger. Jetzt lebt er vegan

Brian Kavanagh wählte mit 16 Jahren den erstbesten Job, damit seine Eltern zufrieden waren. Doch nach 15 Jahren als Metzger hat er genug von Fleisch – und wurde heimlich zum Veganer.

Irgendwann sah Brian Kavanagh nur noch das Tier vor ihm auf dem Teller – und nicht mehr das Stück Fleisch oder die Scheibe Aufschnitt. Der 36-jährige Metzger wollte nach 15 Jahren in der Fleischindustrie nicht so weitermachen wie bisher. Doch seinen Kollegen konnte er davon nicht erzählen, also kündigte er. Heute arbeitet er bei einem Hersteller für vegane Produkte und war an der Entwicklung eines Bestsellers beteiligt: der veganen Weißwurst. Der Brite bezeichnet sich selbst als veganen Metzger. Aber von vorne. 

Alter Beruf – neuer Job

Bis dahin war es ein weiter Weg. Mit 16 Jahren begann Brian eine Ausbildung als Metzger, wie er der BBC erzählte. Eine Berufswahl, "einfach damit mein Vater Ruhe gab", so Brian. Fleischessen war für ihn das Normalste auf der Welt – schließlich konnte er auf der Arbeit alle Produkte günstig kaufen. Erst als seine Frau Rebecca Veganerin wurde, begann Brian, sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Earthlings" von Regisseur Shaun Monson war für ihn der Wendepunkt – die Dokumentation beschäftigt sich mit dem Thema Tierwohl und Massentierhaltung. Seit einigen Jahren lebt nun die gesamte Familie vegan, inklusive der sechs und neun Jahre alten Söhne.

Doch beruflich war es für Brian ein schwieriger Schritt: "Ich konnte keinem meiner Kollegen davon erzählen, weil ich Angst hatte, dass sie mich auslachen würden", sagt er. Er entschied sich, zu kündigen. Und entgegen seiner Erwartung bekam er schnell einen neuen Job – bei einem Hersteller für vegane Ersatzprodukte. "Ich hatte Sorgen, dass sich mich ablehnen würden und niemanden wollten, der 15 Jahre als Metzger gearbeitet hat", so Brian. "Sgaia’s Vegan Meats" in Glasgow, Brians neuer Arbeitgeber, stellt durch die Mischung von Soja, Gluten und Gewürzen eine Reihe veganer Produkte her, die sie als "Mheats" bezeichnen – von durchwachsenem Speck und bis zu Pattys für Burger ist alles dabei. Und der 36-Jährige konnte mit seiner Erfahrung direkt ein neues Produkt mitentwickeln: die vegane Weißwurst. "Das Feedback der Leute war richtig gut. Wir haben die Weißwurst auf einem Festival vorgestellt und die Leute kamen sogar zwei oder drei Mal zurück".

Diskussion um vegane Würstchen

In den vergangenen Jahren wird immer mehr darüber diskutiert, inwieweit man Fleischersatzprodukte als "Fleisch" bezeichnen kann. Eine Petition in den USA setzte sich 2018 für eine offizielle Definition von "Fleisch" ein, in Frankreich werden vegane oder vegetarische Produkte nicht mehr als Schnitzel und Co. bezeichnet – so sollen die Verbraucher die Produkte besser unterscheiden können. Auch in Deutschland hat die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) Ende 2018 "Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeiten zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs" veröffentlicht, die regeln sollen, welches Produkt wie benannt werden darf.

Metzger Brian ist das Label seiner Produkte erst einmal egal, denn er fühlt sich heute viel besser als noch vor ein paar Jahren – seine Haut sei besser geworden und er fühle sich generell fitter, sagt er. Er ist überzeugt: "Es ist eine psychologische Sache – wenn du etwas Gesundes ist, fühlst du dich besser."

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lau
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